Prozess in Nürnberg: „Ich stech Dich ab“ – Frau soll Vater im Kreis Neumarkt angegriffen haben

Von Wolfgang Endlein · 24. Oktober 2025 um 05:00

2024 war ein schwieriges Jahr für eine 30-Jährige, deren mutmaßliche Taten sich im vergangenen Jahr wie Perlen an einer Kette aneinanderreihen. Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth muss sie sich nicht nur wegen eines Vorfalls im Landkreis Neumarkt verantworten. Dabei spielt ihre Krankheit eine besondere Rolle.

Video ansehen

Einen bedrohlichen Eindruck machte die schlanke Frau mit den langen Haaren äußerlich nicht, als sie den Gerichtssaal betrat. Angesichts ihrer Vorgeschichte hielt es das Gericht aber für angebracht, dass die psychisch kranke Frau Fußfesseln trug und drei Männer sie bewachten.

Tätlicher Angriff und Widerstand gegen Polizisten, realisierte und versuchte Körperverletzung, Bedrohung sowie räuberischer Diebstahl: Um die der Angeklagten vorgeworfenen Taten zu verlesen, brauchte die Staatsanwältin einige Zeit. Alle sollen sie im Verlauf des vergangenen Jahres stattgefunden haben.

Vorwurf: Polizisten mit der Faust geschlagen

Los ging es im März, als Polizisten im Nürnberger Hauptbahnhof die Identität der Frau feststellen wollten. Sie soll in einem Supermarkt eine Dose Radler gestohlen haben. Die Frau habe sich geweigert, berichtete ein beteiligter Polizist, nur mit Gewalt konnten die Beamten ihre Fingerabdrücke nehmen. Dabei habe die Frau mal völlig schläfrig gewirkt, dann wieder aggressiv. So soll sie einem der Polizisten einen Faustschlag verpasst haben.

Sie wolle sich bei den Beamten entschuldigen, sagte die Angeklagte, die sich aber nach eigener Aussage nicht so recht an den Vorfall erinnern konnte. Wie überhaupt ihre Erinnerungen bzw. Schilderungen auch bei den anderen Fällen bruchstückhaft waren.

Zu diesen Fällen gehörte ebenfalls im März 2024 der Streit mit ihrem Vater. Die Frau soll in einem Ort im Landkreis beim Besuch einer Tankstelle einen verwirrten Eindruck gemacht haben, woraufhin der Vater verständigt worden sein soll. In der Folge soll es im Haus des Vaters zum Streit gekommen sein und die Frau diesem mit beiden Fäusten ins Gesicht geschlagen haben. Ergänzt um die Drohungen „Ich bring Dich um“ und „Ich stech Dich ab“.

Im September war die Frau wieder in Nürnberg unterwegs. Ihrer Schilderung nach war sie auf dem Weg zu einem Freund, als sie ihre schwere Tasche vor dem Hinterausgang einer Schule abstellte, um ums Ecke zu gehen und nach dem Weg zu schauen. Als sie zurückgekehrt sei, habe ein Mädchen sich an ihrer Tasche zu schaffen gemacht. Über was danach geschah, sagte die 30-Jährige unklar aus. Die Anklage wirft ihr vor, das Mädchen gepackt und gedroht zu haben: „Ich stech Dich ab“. In der Tasche fand sich ein acht Zentimeter langes Messer. Die Angeklagte beteuerte, sie sei gestresst gewesen und habe nur Respekt einflössen wollen. „Ich bin keine Mörderin.“

Nach Vorfall Drogen im Blut gefunden

Dass sie auch keine Diebin sei, betonte die 30-Jährige beim vierten ihr vorgeworfenen Fall. In einem Bus in Nürnberg soll sie aus dem Rucksack eines Mitarbeiters ein Handy genommen haben. Als dieser sie aufforderte, ihm das Gerät zurückzugeben, soll die Angeklagte ihn angegriffen haben. Eine Blutuntersuchung im Nachgang ergab Rückstände von Drogen, Psychopharmaka und Schlafmitteln. Alkohol war hingegen nicht im Spiel, anders als bei vorangegangenen Vorfällen, wie die Frau erklärte.

Nach dem letzten Vorfall zog die Staatsgewalt im Dezember die Reißleine. Ein Richter ordnete an, die Frau in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen, wo sie bis heute ist. Wie es mit der Angeklagten weitergeht, muss das Gericht entscheiden. Insgesamt vier Verhandlungstage sind angesetzt, in denen es auch um ihre Krankheit gehen wird.

Laut Anklageschrift soll die Frau an einer hebephrenen Schizophrenie leiden. Erkrankte wirken oft unangemessen, wirr und ziellos im Verhalten. Die Sprache kann zerfahren sein und die Assoziationen unklar. Für die Staatsanwaltschaft steht laut Anklageschrift fest, dass die Frau schuldunfähig ist, aber von ihr eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.