Richter am Amtsgericht Neumarkt erfüllt Alkoholkranker einen Wunsch

Von Dagmar Fuhrmann · 19. Oktober 2025 um 05:00

Eine Frau, Mitte 40, kämpft offenbar bisher erfolglos gegen ihre Alkoholsucht und landet immer wieder vor Gericht. Zuletzt am Freitag vor Amtsrichter Marcel Dumke. Ohne Führerschein mit 2,66 Promille Blutalkohol war sie Auto gefahren. Sie äußerte dem Richter einen innigen Wunsch.

Video ansehen

Sie war bereits mehrmals vorbestraft wegen Trunkenheit im Straßenverkehr, hatte schon längst keinen Führerschein mehr und ist dennoch immer wieder gefahren, was ihr sogar schon einen Gefängnisaufenthalt eingebracht hat. Im Februar fuhr sie erneut, wurde prompt von der Polizei angehalten, dieses Mal hatte sie 2,66 Promille Blutalkohol.

Inzwischen kümmert sich eine Berufsbetreuerin um die alkoholkranke Frau. Sie schilderte die Bemühungen der ihr Anvertrauten vom Alkohol loszukommen. Es sei schon lange eine Reha beantragt, die könne aber erst genehmigt werden, wenn die Hausärztin einen Bericht vorlegt. Auf diesen Bericht warte ihre Klientin nun schon mehr als drei Monate, weil die Ärztin offenbar nicht dazu komme, ihn zu schreiben.

Rückfall nach stationärem Entzug

Bereits im Juni habe sie sich in einen stationären Entzug begeben, mangels nachfolgender Therapie sei sie wieder rückfällig geworden. Auch einen Entzug auf eigene Faust ohne ärztliche Begleitung habe sie versucht, sei aber auch daran gescheitert.

Seit die suchtkranke Frau von ihr betreut werde, habe es keine größeren Vorkommnisse gegeben. „Sie ist sehr ruhig, mir tut es leid, dass es nicht schneller geht mit der Therapie“, sagte die Betreuerin.

Neumarkter Staatsanwaltschaft fordert vier Monate Haft

Angesichts der Vorstrafen hatte die Staatsanwaltschaft auf vier Monate Haft plädiert, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden sollten, denn die bisherigen Strafen hätten keine Wirkung gezeigt. Innerhalb der nächsten 1,5 Jahre solle die Frau überdies keinen Führerschein mehr machen dürfen.

Schicken Sie mich nicht in den Knast, sondern in Therapie!Angeklagte vor dem Amtsgericht Neumarkt

Ihre Verteidigerin Prabhlin Sidhu gab zu bedenken, dass ihre Mandantin trotz allem eine günstige Sozialprognose habe, da sie eine Therapie machen und zurück in ihren Beruf kehren wolle. Die Angeklagte bat in ihrem Schlusswort: „Schicken Sie mich nicht in den Knast, sondern in Therapie!“

Diesem Wunsch entsprach Dumke. Er setzte die Freiheitsstrafe von vier Monaten erneut zur Bewährung aus mit der Auflage eine stationäre Therapie zu machen. Dumke: „Ich glaube Ihnen, dass es Ihnen leid tut. Die Tat entspringt ihrer Alkoholabhängigkeit.“