Geld von Mandanten einfach behalten: Ausgerechnet ein Anwalt muss in den Knast

Dass ein Rechtsanwalt zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird, kommt im Amtsgericht Neumarkt selten vor. Am Dienstag aber wurde ein Anwalt wegen Untreue in einem besonders schweren Fall zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Das sind die Gründe.
Richter Marcel Dumke hob die besondere Rolle des Angeklagten hervor, der mittlerweile rund 40 Berufsjahre hinter sich hat. „Im Rechtsstaat müssen sich die Mandanten eines Anwalts auf das, was Sie sagen und tun, verlassen können.“ In diesem Fall seien die Mandanten ihrem Anwalt, der die Situation seiner Mandanten aus seiner persönlichen Notlage heraus missbraucht habe, schutzlos ausgeliefert gewesen.
Geld auf Konto der Ehefrau überwiesen
Als Fachanwalt für Familienrecht habe er mehrfach Gelder, die in Erbauseinandersetzungen von oder für seine Mandanten über seine Konten flossen, nicht ordentlich weitergeleitet oder ihren Eingang verschwiegen.
Weil die Konten seiner Kanzlei damals immer wieder vom Finanzamt gesperrt und gepfändet waren, hatte der Angeklagte in einem Fall sogar am Finanzamt vorbei Gelder strafverschärfend auf das private Konto seiner Ehefrau gelenkt. Davon seien private Lebenshaltungskosten der Familie beglichen worden – dadurch habe er sogar seine Frau dem möglchen Vorwurf der Geldwäsche ausgesetzt, so Dumke.
Obwohl der Angeklagte inzwischen den Löwenanteil des Geldes wieder bezahlt habe, summiere sich der Restschaden immer noch auf gut 68 000 Euro, rechnete Dumke vor. Vermutlich dürften die geschädigten Mandanten auf diesem Schaden wohl auf absehbare Zeit sitzen bleiben. Denn der Angeklagte musste vor rund drei Jahren selbst in die private Insolvenz gehen.
180.000 Euro nicht erhalten
Der Angeklagte bestätigte bereitwillig und reuevoll sämtliche Anklagepunkte. Er habe seit 2003 eine alte Dame in einem äußerst langwierigen Erbverfahren gegen ihren Bruder vertreten, erklärte er. Um Pflichtteile und Vermächtniswerte sei es dabei unter anderem gegangen. Der Bruder habe so lange um jedes Detail prozessiert, bis 2018 seine Mandantin gestorben sei.
Als die Söhne ihm in der Folge das Mandat zu Gunsten eines Hamburger Anwalts entzogen, habe er zwar rund 180 000 Euro als noch unbezahltes Entgelt geltend gemacht. Aber bekommen habe er davon nichts, sondern es sei ihm vorgeworfen worden, das Verfahren falsch geführt zu haben. Diese Verfahren seien bis heute noch nicht erledigt. „Ich kam ins Strudeln, konnte meine Steuern nicht mehr bezahlen, das Finanzamt hat gepfändet.“ Er leugne nichts, es tue ihm sehr leid und er wolle alles tun, um die Sache wieder gut zu machen.
Am Ende verzichteten der angeklagte Anwalt und sein Verteidiger auf Belehrung über die möglichen Rechtsmittel. Angesichts der drohenden Haftstrafe, die in dieser Höhe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden darf, kann man aber damit rechnen, dass sich demnächst ein weiteres Gericht mit der Angelegenheit befassen wird.