Wärmeplanung: Drei Fokusgebiete werden in Schwandorf untersucht

Die Erweiterung des Fernwärme-Netzes ins Rothlindenviertel sowie Inselnetze zur Wärmeversorgung für Fronberg und Büchelkühn hat der städtische Planungs- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig als sogenannte Fokusgebiete der Kommunalen Wärmeplanung festgelegt. Diese drei Fokusgebiete sollen näher unter die Lupe genommen und konkrete Umsetzungspläne erarbeitet werden.
Mit der Kommunale Wärmeplanung befassen sich aktuell viele Kommunen. Doch was steckt dahinter? Kommunale Wärmeplanung bedeutet die Erstellung eines Plans, wie die Wärmeversorgung in einer Stadt oder einer Gemeinde in der Zukunft klimaneutral ausgestaltet werden kann. Dabei geht es laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie insbesondere um die langfristige Umstellung dezentraler fossiler Heizsysteme auf umwelt- und klimafreundlichere Wärmeversorgung.
Viel Erdgas und Heizöl
Für die Große Kreisstadt hat die Firma Zeitgeist Engineering von April bis September 2025 zunächst eine Bestands- und Potenzialanalyse erstellt, die Markus Rößler und Eleny Kryjom dem Planungsausschuss kurz vorstellten. Die Bestandsanalyse, für die sämtliche Wärme- und Stromversorgungseinrichtungen erfasst und analysiert werden, bildet das Fundament der Wärmeplanung.
Daraus geht unter anderem hervor, dass im Bereich Wohnen und Kleinverbraucher 65 Prozent der erzeugten Energiemenge für Heizen und Warmwasser aus Erdgas und Heizöl, 16 Prozent aus Biomasse sowie 14 Prozent aus dem Fernwärmenetz stamme. Im Bereich Industrie und Großgewerbe werden 66 Prozent der Prozesswärme durch Prozessdampf aus dem Müllkraftwerk gedeckt sowie 30 Prozent durch Erdgas. Insgesamt macht Prozesswärme circa 94 Prozent der benötigten Wärme in der Industrie aus.
81 Prozent des Stromverbrauchs im Stadtgebiet sind auf den Bereich Industrie und Großgewerbe zurückzuführen, 16 Prozent auf Wohnen und Kleinverbraucher sowie drei Prozent auf öffentliche Einrichtungen.
Insgesamt summiert sich der thermische Energieverbrauch aller Verbrauchergruppen in Schwandorf auf 842.100 Megawattstunden (MWh) pro Jahr, der elektrische Energieverbrauch auf 242.200 MWh pro Jahr. Das entspricht einen Ausstoß von 209.700 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr im Bereich Wärme und 105 400 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr im Bereich Strom. CO2-Äquivalente sind Maßeinheit, um die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar zu machen.
Bei der Potenzialanalyse haben sich für die Fachplaner von Zeitgeist Engineering fünf Gebiete als mögliche Kandidaten für eine nähere Untersuchung herausgestellt: Fernwärmenetz-Ausbau Rothlindenviertel, Inselnetz Fronberg, Inselnetz Büchelkühn, Inselnetz Kreith sowie dezentrales Gebiet Klardorf. Inselnetz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass für das Gebiet ein eigenes Wärmenetz mit einer oder mehreren Versorgungsquellen errichtet wird. In den dezentralen Gebieten, in denen kein Wärmenetz entsteht, hängt die Umstellung wesentlich von den Bürgern ab, dort können die Kommunen nur Hilfestellung oder Anreize geben. Bei der Auswahl der drei Fokusgebiete folgte der Planungsausschuss der Empfehlung der Fachplaner von Zeitgeist Engineering und der Verwaltung.
Seitens der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS) bestehe großes Interesse an der näheren Untersuchung eines Netzausbaus ins Rothlindenviertel. Die Ergebnisse könnten eine wichtige Orientierung bei der zukünftigen Entwicklung des Fernwärmenetzes geben. Andere Gebiete wie Ettmannsdorf, Hochrain oder Gewerbegebietsentwicklungen gen Süden habe die SWFS für eine detaillierte Untersuchung als weniger prioritär eingestuft.
In Fronberg sehen die Planer durch eine lokale, bereits sehr konkrete Hackschnitzel-Heizwerk-Initiative, gegebene Potenziale von industrieller Abwärme (Fronberg Guss) und Flusswärme wichtige Voraussetzungen für ein Wärmenetz. In Büchelkühn könnte dafür die Wärme aus dem Ablauf der Verbandskläranlage genutzt werden. In Büchelkühn gebe es ein hohes Interesse der Bürger an weiteren Untersuchungen.
Insgesamt zeigte sich bei der Gegenüberstellung von Bestands- und Potenzialanalyse, dass die Potenziale an erneuer barer Wärme größer sind als der aktuelle Verbrauch im Stadtgebiet. Beim Strom übersteigt das Potenzial ebenfalls den aktuellen Verbrauch. Allerdings wurden dafür rein die Mengen verglichen. Weitere Parameter wie Temperatur oder Verfügbarkeit der Energiequellen müssen zusätzlich betrachtet werden.
Im Zuge der Bestandsanalyse wurde ein Fragebogen an die Bürger ausgegeben. Rund 270 Fragebögen wurden ausgefüllt, 80 Prozent der Befragten haben demnach Interesse an einem Anschluss an ein Wärmenetz.
Schwandorfer Energiegipfel
Der Planungsausschuss billigte den Entwurf der Bestands- und Potenzialanalyse zur Kommunalen Wärmeplanung und beauftragte die Verwaltung mit der Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange. Zudem beschloss er die drei Fokusgebiete, die nun detailliert betrachtet und für die eine Umsetzungsstrategie entwickelt wird.
Bis 31. März 2026 müsse dies laut Markus Rößler abgeschlossen sein – inklusive Stadtratsbeschluss. Dann laufe der Förderzeitraum aus. Als nächste Termine für die Kommunale Wärmeplanung kündigte er in dieser Woche einen Energiegipfel mit Vertretern von ZMS, Nabaltec, SWFS und Stadt Schwandorf an, außerdem ein Treffen mit der Bayernwerk Netz AG.