Die SPD will Steve Brachwitz als Landrat

Von Johannes Schiedermeier · 24. Oktober 2025 um 14:48

Nun geht auch die SPD ins Rennen um den Posten des Chamer Landrats. Eine Versammlung aus Kreisvorstand und Jusos hat den Kreisvorsitzenden Steve Brachwitz als „Wunschkandidaten der Partei“ präsentiert. Der 36-jährige gelernte Krankenpfleger aus Roding präsentiert auch gleich Themen für den Wahlkampf.

Die stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD, Sabine Ebert Hennings, stellt fest: „Wir haben uns etwas Zeit gelassen, aber mit Steve Brachwitz geht unser absoluter Lieblingskandidat ins Rennen.“ Brachwitz sei ein Zugpferd der Partei und decke perfekt die wichtigsten Themenfelder ab.

Brachwitz erklärt, dass die SPD sich nach den Ergebnissen der letzten Wahlen entschieden habe, zu ihren Wurzeln in der Sozialpolitik zurückzukehren. Das Ziel bei der Kreistagswahl sei es, die bestehenden vier Sitze im Kreistag zu erhalten – „plus X“, so der Kandidat.

Rennen völlig offen

Seit der Mitteilung von Franz Löffler, dass er nicht mehr antreten werde, sei das Rennen um das Amt des Chamer Landrats völlig offen. „Spätestens da war für uns klar, dass wir da antreten. Ganz abgesehen davon, dass wir als demokratische Partei eine Verpflichtung darin sehen, dem Wähler eine Alternative anzubieten“, so Brachwitz.

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Die Kreistagsliste sei so gut wie voll. Das sei sehr problemlos verlaufen, letzte Lücken schließe man gerade. Die Liste sei eine sehr gute Mischung aus altgedienten SPD-Politikern und neuen, jungen Kandidaten. Als Wahlkampf-Slogan habe man gewählt „Nah dran – ehrlich für unseren Landkreis“.

Müllkosten, ÖPNV, Krankenhaus

Dann präsentiert Brachwitz gleich ein paar Themen, mit denen die SPD punkten will. Durchaus knackige, wie er einräumt. Dazu gehört eine neu aufgesetzte Debatte über den Preis der 60-Liter-Mülltonne. 145 Euro im Jahr seien einfach kein Angebot, wenn andere Landkreise 89 Euro verlangen könnten.

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Brachwitz räumt in der Diskussion ein, dass es ein Wertstoffsystem gebe und die Vergleichbarkeit der Preise und der Angebote schwer herzustellen sei. „Eine Diskussion ohne Denkverbot ist trotzdem sicher eine gute Sache“, so der Kandidat. Rückendeckung erhält er von den SPD-Kreisräten Renate Hecht und Wolfgang Kerscher: „Sich mal Best-Practice-Landkreise anzusehen, kann kein Fehler sein.“

Keine Schaufensteranträge

Wolfgang Kerscher weist aber auch darauf hin, dass man in einem Kreistag mit 60 Köpfen mit einer Vierer-Fraktion halt nicht die Welt auf den Kopf stellen könne. „Und wir waren noch nie diejenigen, die chancenlose Schaufensteranträge gestellt haben, wohl wissend, das wir damit nur die Zeit des Gremiums verbrennen.“

Auch den Öffentlichen Nahverkehr will Brachwitz neu diskutieren. Es könne nicht sein, dass der Landkreis Cham im Bund auf dem vorletzten Platz stehe. Auch hier versprach der Kandidat aber Augenmaß. „Wir wissen, dass wir nicht jedes Dorf im Stundentakt verbinden können. Wir wissen auch, dass wir am Ende nicht die Autos ersetzen werden. Aber wir möchten einfach, dass es gangbare Lösungen gibt für Menschen, die für das Auto zu jung oder zu alt sind.“

Ohne Führerschein kein Mensch

Stellvertretende Vorsitzende Sabine Ebert Hennings findet die „Wohin-Du-willst-App“ gut, kann sich aber Ergänzungen vorstellen wie beispielsweise private Fahrgemeinschaften. Kürzlich habe sie bei einer Diskussion die Meinung gehört: „Wenn du in diesem Landkreis keinen Führerschein hast, bist du kein Mensch.“

Dann kommt Steve Brachwitz zu seinem Paradethema: Der Stationsleiter der Anästhesiepflege im Uniklinikum Regensburg erklärte zur Krankenhauspolitik seine grundsätzliche Haltung: „Grundversorgung gehört für uns in die öffentliche Hand“, so Brachwitz. Das gelte eigentlich auch für Krankenhäuser. Allerdings sind sich alle Beteiligten einig, dass diese Diskussion derzeit im Landkreis aufgrund der bestehenden Strukturen schwer zu führen ist. Grundsätzlich sei man auch einverstanden mit dem Kurs von Sana und dem neuen MVZ in Roding. „Hier muss man sehen, dass es weiter möglichst gut läuft für den Landkreis und gute Initiativen unterstützen“, erklärt Brachwitz. Allerdings wünscht er sich einen Plan B – für den Fall, dass die privaten Anbieter irgendwann einmal das Interesse an der Gesundheitsversorgung auf dem flachen Land verlieren.

Klarheit bei der Energieversorgung

Genau hinschauen will die SPD auch bei den Vereinen. Die gehören laut Brachwitz zum Rückgrat des funktionierenden Landkreises Cham. „Wir werden ein Auge darauf haben, dass auch kleine Vereine die Möglichkeit haben, Räume zu nutzen und an Mittel zu kommen. “ Auch eine zielgerichtete Stärkung des Tourismus sei ein Anliegen.

Nachdem Landrat Löffler nicht mehr antritt, ist das Rennen offen. Und was die AfD betrifft: In der Kommunalpolitik gelten andere Gesetze als in Land und Bund. Hier geht es um Greifbares vor der eigenen Haustür.Steve Brachwitz, SPD-Landratskandidat

Einig waren sich Kreisvorstand und Jusos in der Forderung nach mehr Klarheit für den Bürger bei den regenerativen Energien. Hier sei der momentane Auftritt der Regionalwerke ungenügend. Das äußere sich im wachsenden Widerstand der Bürger gegen die geplanten Windkraftwerke. „Wir müssen es schaffen, das Hand in Hand mit den Bürgern hochzuziehen. Sonst hat das keine Zukunft, wenn die Menschen glauben, dass bei ihnen die Windräder stehen und andere das Geld damit verdienen“, so Brachwitz. Die Aussagen dazu seien derzeit viel zu verwaschen.

Sehr zufrieden zeigen sich alle Beteiligten mit der Kreistagsliste. Renate Hecht hat sich wieder aufstellen lassen und möchte gerne ihre Arbeit als Seniorenbeauftragte fortsetzen. Wolfgang Kerscher hat ebenfalls einen Platz beansprucht. Er sieht eine gelungene Mischung zwischen Jung und Alt. Die Liste sei landkreisweit gut gestreut und versuche, jeweils einen Mann und eine Frau im Wechsel aufzustellen.

Die Sache mit der AfD

Die Rolle des Elefanten im Raum war auch ein Thema: Wie umgehen mit der AfD? „Hier geht es um greifbare Politik vor der Haustür. Das ist eine andere Nummer als in Bund und Land. Hier gelten andere Gesetze, da bin ich zuversichtlich“, so Brachwitz. Seine Stellvertreterin Ebert Hennings stellte fest: „Bei der Landratskandidatin der AfD sehe ich keine Themen und keine Perspektiven, außer Spaltung und Hetze.“ Für die Jusos erklärte Jakob Berg, die AfD habe die letzten Stichwahlen alle verloren. In der Kommunalpolitik bekomme die Partei derzeit keinen Fuß in die Türe.

Noch deutlicher wurde der SPD-Fraktionssprecher im Kreistag, Wolfgang Kerscher: „Die sind entweder nicht da oder nur körperlich. Null Sachverstand, null Sacharbeit. Die sind unter aller Kanone. Sowas habe ich in all den Jahren im Kreistag noch nie erlebt. Die Alternative hat zu keiner Zeit eine geboten.“