Jugendhilfe-Kosten für den Landkreis Kelheim steigen weiter – Lohnplus schlägt durch

Von Martina Hutzler · 24. Oktober 2025 um 19:00

In der Jugendhilfe steigen die Netto-Ausgaben für den Landkreis weiter an – weil die Leistungserbringung deutlich teurer wird. Die Fallzahlen sollen allenfalls moderat steigen laut der Prognose des Kreisjugendamts für 2026. Darin steckt freilich eine gute Portion vom „Prinzip Hoffnung“.

Seit einigen Jahren galoppieren den Landkreisen die ungedeckten Kosten für die Jugendhilfe davon. So auch in Kelheim: Von 2020 auf 2024 haben sich die Netto-Ausgaben mehr als verdoppelt, von rund 7,1 auf 15,6 Millionen Euro. Heuer sind es voraussichtlich schon ca. 16,4 Mio., die der Landkreis aus seinen eigenen Finanzmitteln in die Jugendhilfe steckt. Und für nächstes Jahr hat Jugendamtsleiter Norbert Birnthaler knapp 17,3 Mio. angesetzt, wieder ein Plus von 5,44 Prozent. Selbst dabei bleibt es nur, wenn sozusagen „alles gut geht“ bei der Prognose, die dem Teilhaushalt Jugendhilfe zugrunde liegt. Sprich: wenn die Fallzahlen nur moderat steigen.

Anbieter erhöhen Preise

Denn die Erhöhung des Haushaltsansatzes um fast eine Million bildet in erster Linie „nur“ ab, dass die Leistungen der Jugendhilfe teurer werden. Der Landkreis „kauft“ sie zum größten Teil von externen Anbietern ein, etwa Therapie- und Betreuungseinrichtungen. Diese erhöhten und erhöhen ihre Preise derzeit deutlich, um ihre genauso deutlich steigenden Lohnkosten gegenzufinanzieren.

„Diese alljährlichen allgemeinen Kostensteigerungen wollten wir abbilden, um nicht sehenden Auges auf eine Haushaltsüberschreitung zuzusteuern“, sagte Jugendamtsleiter Birnthaler dieser Tage bei der Präsentation des Etat-Entwurfs 2026 im Jugendhilfeausschuss.

Heuer keine Überschreitung zu erwarten

Voriges Jahr scheint die Prognose geglückt zu sein: „Stand heute bekommen wir 2025 keine Haushaltsüberschreitung“, so Birnthaler. Aber er warnte auch: „Jugendhilfe-Ausgaben lassen sich kaum steuern“ – und schon ein einziger Fall, bei dem zum Beispiel für die Kinder einer Familie eine Heimunterbringung erforderlich wird, kann schnell zu einem Anstieg im sechsstelligen Bereich führen; insbesondere, wenn entsprechender therapeutische Bedarf hinzukommt.

Fälle von Inobhutnahme, etwa wegen drohender Kindeswohlgefährdung, „haben wir in letzter Zeit wieder vermehrt“, berichtete der Jugendamtsleiter. Nicht zuletzt deshalb hofft sein Team, weitere Pflegestellen und -familien zu gewinnen, „die wirklich sehr wertvolle Unterstützung leisten“, wenn sie Kinder, oft ganz kurzfristig, aufnehmen. Heimplätze seien deutlich teurer und zudem immer schwieriger aufzutreiben.

Auf konstantem Niveau – um die 100 – haben sich die ambulanten Fallzahlen bei der Hilfe für seelisch behinderte Kinder eingependelt. Dazu zählen vor allem Schul- und Schulwegbegleitung sowie die „Integrationshilfe“, also beispielsweise Therapien bei Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Lesen Sie hier mehr dazu: Kosten für Schulbegleitungen haben sich verdoppelt

Wegen gestiegener Stundensätze ist der Kostenansatz für den Gesamtposten, die „ambulante Eingliederungshilfe“ zuletzt von 1,3 Mio. (2024) auf 2,3 Mio. (2025) nach oben geschnellt (2026 soll er „nur“ auf 2,4 Mio. steigen). Die Stundensätze „werden nicht von uns verhandelt“, sondern in überregionalen Kommissionen, ergänzte Birnthaler auf Nachfrage von Dr. Andreas Fischer (SLU), der das hohe Kostenplus kritisierte.

Kita-Kosten zunehmend problematisch für Eltern

Erst noch bevorstehend ist der Kostensprung bei der Kindertagesbetreuung. Der Landkreis unterstützt hierbei Familien, die die Kita-Beiträge nicht alleine stemmen können. Diese Fälle nehmen laut Jugendamt zum einen zu: Von 50 im Jahr 2022 kletterte die Zahl auf 209 im Jahr 2024. Zum anderen stiegen auch hier die Kosten der Betreuung. Hinzu komme, dass 2026 das Bayerische Krippengeld für Familien wegfällt. Der Ansatz im Jugendhilfe-Haushalt steigt von 40.000 Euro in 2025 auf 90.000 für 2026.

Landrat Martin Neumeyer nahm den Posten „Schulbegleitungen“ als ein Beispiel dafür, dass die Kommunen auf eine systematische Überforderung zusteuerten: „Solche Hilfen sind wichtig. Aber allein die Kosten für die Schulbegleitungen entsprechen mittlerweile ungefähr 1,5 Prozentpunkten Kreisumlage.“

Und das, obwohl die Kommunen eigentlich nur Aufwandsträger für Sachkosten seien, nicht für Personal. Bund und Land müssten den Kreisen und Städten endlich mehr Geld für die Jugendhilfe geben – „sonst können wir das irgendwann nicht mehr zahlen“, warnte er.

Gesamtausgaben sinken

Bezeichnend ist im Jugendhilfe-Etat 2026 denn auch: Während die Netto-Ausgaben – also was aus der Kreiskasse zu finanzieren ist – um die genannten 5,44 Prozent steigen, sollen laut Plan die Gesamtausgaben sogar um 0,74 Prozent sinken: von heuer 22,02 Mio auf 21,86 Mio. (2026). Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen des diesjährigen Kreishaushalts liegt laut Plan bei knapp 197,8 Mio. Euro. Im Teilhaushalt Jugendhilfe nicht enthalten sind die Personalkosten des Jugendamts selbst. Mit mehr als 70 Beschäftigten ist es die weitaus größte Abteilung im Landratsamt.

Der Jugendhilfeausschuss billigte den Teilhaushalt bei einer Gegenstimme (Andreas Fischer). Final beschlossen wird der gesamte Kreishaushalt vom Kreistag.