Schwierige Baustelle: Unter dem Stadtbach von Waldmünchen geht‘s voran

Ohne Zwischenfälle und einfacher als gedacht – das erste der beiden Stahlrohre sei schon verpresst, berichtet Ingenieur Julian Rasche am Mittwochvormittag beim Ortstermin in der Hammerstraße. in Waldmünchen (Landkreis Cham). Dabei hat es das Projekt wirklich in sich.
Zwei Gruben wurden nahe des Stadtbachs ausgehoben – eine Start- und eine Zielgrube. In der Startgrube wird grade damit begonnen, dass zweite offene Stahlrohr in Richtung der zweiten Grube zu pressen. Das geschieht mit Hilfe von Rammenergie. Laut Holger Köberl, Wassermeister der Stadtwerke Waldmünchen, ist dies ein langsamer Prozess. Nach dem Erreichen der Zielgrube muss noch die Erde aus dem Rohr gebohrt werden.
„Jeder ist froh, dass das erste Rohr drinnen ist. Jetzt muss es nur noch ein zweites Mal funktionieren“, so Julian Rasche. Er schätzt, dass alle größeren Arbeiten bis Mitte November beendet sein werden, wenn das Wetter und der Boden keine Probleme machen. Dann könne auch wieder der Verkehr ohne Ampel weitergehen.
Kein alltägliches Problem in der Hammerstraße
Die Gegebenheiten vor Ort, vor allem die Enge, machen Leitungsbau zu keiner alltäglichen Angelegenheit. Es galt, Platz zu finden für eine Ringwasserleitung und zwei Stromleitungen. Ein Problem: Auf der einen Seite rückt die Bebauung bis an die Straße heran. Gegenüber gibt es zwar einen Gehweg, aber der verläuft oberhalb des Stadtbachs auf der einen Seite und über dem Schaufelbach in Röhren auf der anderen.
Die Bäche fließen dann in Rohren unter der Brücke zusammen, um im Freien Richtung Schwarzach zu strömen. Unter dem Bach eine Leitung zu verlegen, ist auch nicht einfach, weil die Brücke sich auf eine massive Pfeilergalerie stützt, die in die Tiefe reicht.
Idee der Spülbohrung wird verworfen
Die Ingenieure mussten grübeln. Zunächst kam der Plan auf, die Leitung per Spülbohrung unter den Bohrpfählen der Brücke hindurchzuführen. Es stellte sich heraus, dass die Pfeiler, die die Brücke stützen, neun Meter in die Tiefe reichen und wahrscheinlich auf einem Fels aufsitzen.

Deswegen, so erklärt Bauexperte Rasche im Gespräch mit dem Bayerwald-Echo, habe man diese Idee verworfen. Schließlich sei eine Leitung in dieser Tiefe bei Problemen für die Stadtwerke nicht zugänglich. Zudem bestand die Gefahr, dass bei Arbeiten an der Brücke auch die Wasserleitung betroffen sein könnte. Weiterer Punkt: Die Hausanschlüsse wäre auf diese Art und Weise sehr lang geworden.
Lösung: Stahlrohr unterhalb der verrohrten Bäche
Gelöst wird das Problem folgendermaßen: Die Wasserleitung und die beiden Stromleitungen der Stadtwerke werden in einem Stahlrohr unterhalb der verrohrten Bäche verlegt. Dazu ist auf Höhe der Zufahrt des Hauses 25 ein 3,50 Meter tiefes Loch gegraben worden. So kommt man unter die etwa 2,50 Meter tiefliegenden verrohrten Bachläufe.
Stadtbach und Schaufelbach fließen in etwa auf Gehsteigbreite von links und rechts auf die Brücke zu. Auf Höhe der Brücke knicken die Rohre im 90-Grad-Winkel ab. Etwa sechs Meter in beide Richtungen ist deshalb jetzt ein Rohr verlegt worden. Das Stahlrohr (Umfang: 40 Zentimeter) soll von der tiefen Baugrube aus in beide Richtungen verpresst werden. In das Rohr kommen anschließend eine 180er-Wasserleitung und zwei Leerrohre für eine Mittelspannungsleitung, so der Plan.