Ein Schwabe in Waldmünchen: Ein Volontär entdeckt die Trenck-Stadt

„Waldmünchen, wo ist das eigentlich?“ Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir dieser Gedanke durch den Kopf ging, als ich vor acht Monaten zum ersten Mal die Redaktion des Bayerwald-Echos in Cham betreten habe. Als Augsburger ist es jetzt ehrlicherweise nicht der allernächste Weg. Nach insgesamt sieben Wochen, in denen ich hier den Kollegen Martin Hladik vertreten durfte, stellt sich mir die Frage heute nicht mehr. Sieben Wochen als Waldmünchen-Reporter: Es war ein Abenteuer.
Zum ersten Mal ist es Ende April soweit: Glücklicherweise habe ich ein paar Tage vorher eine Führung durch die Stadt bekommen – und eine Liste mit möglichen Themen. Dennoch: Allein in einem Büro zu sein und sich (nahezu) täglich um eine Geschichte zu kümmern, ist für mich als Volontär eine ungewohnte Situation. Eine Woche gilt es zu meistern.
Eine der größten Veranstaltungen steht gleich zu Beginn auf dem Programm: der AVIA Dart Cup in Schönthal mit 128 Teilnehmern. Ein langer Tag in der Halle, ein guter Start in die Woche. Zwischen Gesangsgruppe im Mehrgenerationenhaus und Sicherheitsgespräch im Rathaus – der Beruf des Lokalreporters bringt eine gewisse Vielseitigkeit. Als neugieriger Mensch kommt man einerseits auf seine Kosten, andererseits legen die Geschichten Arbeitsbeginn und -ende fest und machen die Tage bisweilen etwas schwer kalkulierbar.

Im Mai darf ich immer mal wieder für einzelne Tage nach Waldmünchen fahren – eine Abwechslung zum Alltag in Cham, bis zur ganz großen Herausforderung ist es noch etwas hin.
Sportlicher Doppelpack
Eine Woche mit Feiertag zu organisieren ist das eine, drei Wochen im Juli sind dagegen eine andere Hausnummer. Schon das Wochenende vor dem eigentlichen Beginn gibt einen Eindruck von dem, was noch kommt. Darts-Star Mensur Suljovic tritt in Hiltersried gegen die besten Spieler der Hobby-Dart-Championship an. Einen Tag später ist die Waldmünchner Radrundfahrt geplant. Mit einer Mischung aus Übermotivation und sträflichem Leichtsinn habe ich mich im Selbstversuch für die 130 Kilometer angemeldet. Da hätte man sich mal drauf vorbereiten sollen... Das Erlebnis ist dennoch besonders, die Startnummer schmückt seitdem stolz meinen Arbeitsplatz.
Wiederum einen Tag darauf wird der Kohlenmeiler aufgebaut. Aufbau, Entzünden, Löschen, Biergarten und mehrere Bilder vom rauchenden Berg: In den kommenden Wochen lerne ich den 15-Minuten-Wanderweg in- und auswendig. Was jedoch nicht bedeutet, dass in der Zwischenzeit wenig los wäre. So feiert etwa das Trenck-Festspiel an einem überraschend kühlen Julitag Premiere. Den Fehler, sich selbst und die Gehörgänge einmal richtig von der Trenck-Kanone überraschen zu lassen, macht man auch nur einmal. Darsteller und Zuschauer zieht es nach der erfolgreichen Aufführung in den ehemaligen Salzstadel, um Mitternacht erklingt traditionell die Bayernhymne. Es ist einer dieser Tage, an denen ich mir zurück im Auto die Frage stelle, wie Text und Bilder dieses Erlebnis irgendwie passabel einfangen können.
Zumal es ohne Pause weitergeht: Nach der Trenck-Premiere ist vor dem Heimatfest, heuer durch das 75. Jubiläum noch in Kombination mit dem Oberpfälzer Böllerschützentreffen. Alles in Sichtweite vom Redaktionsbüro. Eindrücke sammeln, Fotos machen, schreiben und wieder raus und von vorne.
Festzug, Bieranstich, der Fackelzug des Trenck-Festspielvereins: An Gelegenheiten für gute Bilder fehlt es an diesem Wochenende nicht. Die Krönung ist das Böllerschützentreffen – diesmal mit Ohrenschutz, ein Lerneffekt. Mit den Erfahrungen im Kopf ist die folgende Woche schon fast entspannt. Die Sorge, an einem Tag mal keinen Text zu haben, gibt es im Juli kaum.
Stadtrat und Bauausschuss
Ein letzter Zeitsprung: Mittlerweile ist es September, das Schuljahr hat begonnen, kein Festspiel, kein Heimatfest, kein Kohlenmeiler, dafür eine Bauausschuss- und eine Stadtratssitzung: Neue Erfahrung, auch mal spannend. Vor allem, weil ich Gegenden kennenlerne, die ich bislang noch nicht oder kaum auf dem Schirm hatte.

Ebenso wenig, wie das Bioenergiedorf Schäferei, bei dem die Pilotanlage eines Brennstoffzellenkraftwerks vorgestellt wird. Ein beeindruckendes Projekt: Viele extrem gebildete Menschen – und ein Volontär, der versucht, etwas davon zu verstehen. Glücklicherweise bekomme ich die Erklärungen im Laufe des Vormittags.
Das lange Wochenende wird mit der Malle-Party in Schönthal und Max Weidners Mia san Schlager-Event begangen. Beides nicht ganz meine Musik, aber als Erlebnis nochmal ein ganz schöner Ausklang. Stefan Mross steht inmitten der Schlagerfans auf einer Bierbank, singt Peter Maffays „Ich wollte nie erwachsen sein“, das Licht ist abgedunkelt, dafür leuchten die Taschenlampen der Besucher, das Bild ist schon erinnerungswürdig.
Stellt sich die Frage: Was bleibt? Für mich die Erinnerung an eine fordernde, aber sehr spannende Zeit, in einer Stadt, die ich im Vorfeld definitiv unterschätzt habe und in der ich die Möglichkeit hatte, wirklich einige spannende Menschen kennenzulernen. Und eine Zeit, an deren Ende ich locker zehn unterschiedliche Wege beschreiben kann, auf denen man Waldmünchen erreicht. Schön war’s. Und eines ist sicher: Waldmünchen vergesse ich sicher nicht mehr.