Rollen Autos noch in diesem Jahr über die neue Brücke auf der B85?

Seit gut einem Jahr, seit Sommer 2024, wird an der Bundesstraße 85 auf Höhe Miltach (Landkreis Cham) gebaut. Grund dafür ist, dass eine Brücke, die aus dem Jahr 1938 stammt, ersetzt werden muss. Während die Baustelle seit diesem Jahr über eine eigens angelegte Straße umfahren werden muss, stellt sich die Frage: Kann der Verkehr noch dieses Jahr über die neue Brücke fahren?
Eine Frage, die auch Bauleiter Josef Ruhland vom Staatlichen Bauamt in Regensburg in diesen Tagen beschäftigt. Obwohl: Eigentlich ist er ganz zuversichtlich, dass die Brücke noch dieses Jahr fertig werden kann. Entscheidend dafür sei allerdings ein Faktor: das Wetter.
Frost wäre schädlich
Im Moment seien beide Widerlager und der Pfeiler in der Mitte der Brücke bereits fertig, sagt der Bauleiter auf Nachfrage unseres Medienhauses. Laut Plan sollte der Überbau noch in diesem Monat fertiggestellt werden. „Zum Betonieren müssen die Anschlussstellen aber eine Temperatur von über null Grad haben“, sagt Ruhland. Dabei sei diese magische Grenze für den Beton gar nicht so wichtig. Der erwärme sich von selbst während der Verarbeitung ein wenig, könne aber nicht abbinden, wenn die Anschlüsse gefroren seien.
Wobei Ruhland aus Erfahrung auch weiß, dass in den vergangenen Jahren selbst rund um Weihnachten Frost nicht die Regel war in der Region.
Plus acht Grad notwendig
Noch sensibler – und damit wetterabhängiger – sei allerdings der nächste Arbeitsschritt, bei dem es um die Versiegelung der Flächen gehe, die etwa eine Woche nach den Betonierungs-Arbeiten, also im November angesetzt seien. Die hier zu verarbeitenden Stoffe wie Epoxidharz und Bindemittel reagierten auf Luftfeuchtigkeit und bei Temperaturen unter acht Grad ließen sich die zum Abdichten notwendigen Rollen auch nicht mehr ausrollen. Beides seien aber notwendige Arbeitsschritte, die abgeschlossen werden müssten, bevor Fahrzeuge über die neue Brücke fahren können.
Für den Moment sei er aber noch sehr zuversichtlich, dass der ehrgeizige Plan gehalten und der Verkehr noch in diesem Jahr von der Behelfsumfahrung zurück auf die Bundesstraße geführt werden könne. „In den vergangenen Jahren hatten wir selbst rund um Weihnachten eigentlich immer über acht Grad Außentemperatur“, sagt Ruhland.
Damit liege die Maßnahme sowohl zeitlich als auch finanziell nach über einem Jahr immer noch im Rahmen, sagt Ruhland. Abgeschlossen sei sie aber natürlich selbst dann noch nicht, wenn dieses Jahr der Verkehr schon über die neue Brücke fahren kann. Denn dann stehe immer noch der Rückbau der Behelfumfahrung an. Eine Arbeit, die sehr wahrscheinlich nicht mehr dieses Jahr gemacht werde, was auch nicht notwendig sei.
Der mehrwöchige Rückbau der Umfahrung sei eine Aufgabe, die erst im kommenden Jahr auf dem Plan stehe – und wer weiß: Vielleicht muss die Umfahrung ja doch noch etwas länger als geplant ihren Dienst versehen. Doch auch das sei kein Problem, sagt Josef Ruhland.
Schließlich sei auch die Behelfsumfahrung von vorne herein so massiv wie eine richtige Straße gebaut worden, um den hohen Anforderungen auf der B 85 standhalten zu können – auch bis in das Jahr 2026 hinein, sollte das Wetter unerwarteterweise doch sehr kalt und regnerisch werden.
Das Projekt in Zahlen
■ Baujahr Klinglbach-Brücke: 1938
■ Umfahrung: 6000 Kubikmeter Bodenmaterial werden aufgeschüttet, 3000 Tonnen Frostschutz eingebaut, auf 2200 Quadratmetern Fläche 20 Zentimeter Asphalt aufgebracht. Auch wurde eine Behelfsbrücke aus Stahl für die Umfahrung benötigt, die 31 Meter lang ist.
■ Einfahrt Oberndorf: Sie wird auf aktuellen Stand gebracht und der Radweg von hier bis zur Eismannsberger Straße ausgebaut.
■ Kosten: Alleine die Vorarbeiten kosteten 1,3 Millionen Euro. Für den Ersatzneubau der Brücke mit Behelfsumfahrung und Umbau der Kreuzung Oberndorf veranschlagte das Straßenbauamt übrigens Gesamtkosten in Höhe von rund 2,9 Millionen Euro. wf