Ohne sie wäre „kein Parkplatz frei“ – Verkehrsüberwachung in Kelheim fest in Frauenhand

Karin Schneider und ihre Kolleginnen kennen die Kelheimer (Alt-)Stadt wie ihre Westentasche – und viele Falschparker gleich mit. Mit Geduld, Empathie und Menschenkenntnis sorgen sie für freie Parkplätze und obendrein für mehr Sicherheit.
„Bin schon da.“ Der Satz fällt alle paar Minuten, wenn Karin Schneider und ihre beiden Kolleginnen von der Verkehrsüberwachung auf Kelheims Straßen unterwegs sind. Seit 2024 ist die Abteilung fest in Frauenhand.
Karin Schneider ist seit zehn Jahren dabei. Die „dienstälteste Kollegin“ löst sogar, wenn sie privat unterwegs ist, bei den Kreisstädtern ein schlechtes Gewissen aus, sagt sie und schmunzelt. Wenn sie im Supermarkt an der Kasse steht, entfährt es vielen entschuldigend: „Ich hab’ die Parkscheibe vergessen.“
„Ohne uns gäbe es keinen freien Parkplatz in der Altstadt“, ist Schneider überzeugt. „Nur Dauerparker“, schiebt Kollegin Doris Pink hinterher. Sie ist seit 2024 dabei und war zuvor zehn Jahre Verkehrsüberwacherin in Regensburg. Auch die dritte Kollegin im Bunde Nicole Meier sagt: „Man spürt, dass die Verwarnungen Wirkung zeigen, zumindest eine Zeit lang.“

Auch abends und morgens
Kürzlich hob Bürgermeister Christian Schweiger im Hauptausschuss den positiven Effekt der Verkehrsüberwachung hervor. Weil in der Vergangenheit insbesondere bei Großveranstaltungen selbst Feuerwehranfahrtszonen zugeparkt wurden, waren die Frauen diesen Sommer bei Kreisstadtfest und Race24 abends im Einsatz – und der zeigte Wirkung. Schließlich trage eine gute Parkmoral zur Sicherheit der Kelheimer bei, so Karin Schneider. Deshalb werde das Trio auch beim Spitzlmarkt (31. Oktober) nach dem Rechten sehen. Ebenso solle sich niemand zu bestimmten Uhrzeiten sicher sein. „Wir legen immer wieder mal auch eine Frühschicht ein“, so Meier.
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Bei ihrer Arbeit braucht es Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl. Und mit der Zeit lernt man die Mitmenschen noch besser kennen, sagt Karin Schneider. „Ich merke schon, wenn jemand auf mich zukommt, wie er heute drauf ist.“
Während sie von Bekannten oft hört, dass sie ihren Job nicht machen könnten, mag Karin Schneider ihre Arbeit. Sie biete die perfekte Mischung zwischen Außendienst und Schreibtisch. Was viele nicht sehen, sei die Nachbearbeitung. Sicher ein Drittel der Zeit nehme der Schriftverkehr ein, schätzt Schneider. Auch weil so mancher „Einwände“ geltend zu machen versucht.

Kaum hat Karin Schneider an dem Vormittag den Ludwigsplatz betreten, fällt ihr der erste Falschparker auf. Ein Mercedes hat sich nahe der Drogerie in eine Lücke gestellt, die gar kein Parkplatz ist. Da hilft auch die korrekt eingestellte Parkscheibe nichts. Ein Knöllchen gibt es aber nicht sofort. Die Verkehrsüberwacherinnen warten eine „Kulanzzeit“ ab. Drei Minuten sind die Regel, oft werden es situationsbedingt sieben und mehr, so Schneider.

Weil bester niederbayerischer Schnürlregen vom Himmel fällt, zückt Karin Schneider mit „schottischer Gelassenheit“ ein Plastiktütchen, packt die Verwarnung hinein und klemmt sie hinter den Scheibenwischer. „Es würde sich schnell herumsprechen, wenn es bei Regen keine Verwarnungen gäbe“, sagt sie. Wenige Meter weiter fallen ihr einige „Pappenheimer“ auf. Gemeint sind die Autos von Beschäftigten in der Altstadt, die regelmäßig die Parkscheibe weiterdrehen. Deren Standorte behält Schneider schon mal im „Hinterkopf“.
In alle Stadtteile und Dörfer
Wenn eines der städtischen Dienstautos frei ist, sind Karin Schneider und die Kolleginnen auch in allen Stadt- und Ortsteilen unterwegs. Dann gibt es so wie diesmal in der Stettiner Straße für Autos, die in falscher Richtung parken oder für Pkws, die im Donaupark am Bürgersteig stehen, ein Knöllchen. In der Egerlandstraße klagen ihr Hausmeister der Bau- und Siedlungsgenossenschaft ihr Leid. Regelmäßig, wenn der Müllabfuhrtermin bevorstehe, seien trotz absolutem Halteverbot die Tonnen-Häuschen zugeparkt, so die Männer.

In der Tilsiter Straße dürfen nur Anwohner mit Ausweis parken. Eben hat Karin Schneider ein Knöllchen an einen Mini gehängt und will weiterfahren. Da klopft es an der Beifahrerscheibe. Der Anwohner hält Schneider den vergessenen gelben Ausweis hin. Sie nimmt das Knöllchen zurück.
Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Regensburg und Kelheim, wollte die reporterin wissen. „Die Regeln sind überall gleich. Aber in Regensburg geht es sachlicher zu. Die Leute wissen, sie haben falsch geparkt und akzeptieren die Verwarnung. Die Kelheimer wollen sich oft rausreden: Ich war ja nur ganz kurz...“, verriet Doris Pink zu Schichtbeginn. Andererseits gibt’s in Kelheim für Hilfe auch mal eine Dankeschön-Karte. „Das gäb’s in Regensburg auch nicht.“

Wer nicht lädt, zahlt
• Weitere Orte: Auch am Klinik-Parkplatz wird im Auftrag kontrolliert. Dort weisen inzwischen Schilder auf Mitarbeiter-Parkplätze hin. Doch „die Macht der Gewohnheit“ lasse nach wie vor auch andere dort ihr Auto abstellen, sagt Karin Schneider. Für die Stadtwerke haben die Verkehrsüberwacherinnen ein Auge auf die E-Ladesäulen am Einkaufscenter. Nur wer sein Auto lädt, darf dort stehen.
• „Tarife“: Verwarngelder fürs Falschparken beginnen in Kelheim bei 20 Euro, wer etwa in der Feuerwehrzufahrt steht, zahlt 55 Euro.
• Abgelaufene TÜV-Plaketten kosten je nach Dauer der abgelaufenen Zeit 15 bis 25 Euro.
• Handwerker können Park-Ausweise beantragen, gültig sind diese aber nur mit jeweiligem Arbeitsstättennachweis. Und der wird oft vergessen, sagt Karin Schneider.