Das Kreuz mit dem Parken in und um die Kelheimer Altstadt: Ex-Zahnarzt nennt Lösungen

Ein Parkdeck am Niederdörfl in Kelheim ist für Manfred Labermeier „ein Krampf“. Der Ex-Zahnarzt und Altstadtkenner sieht weit einfachere Lösungen. Für eine Idee wäre Bürgermeister Christian Schweiger sofort offen, sagt er.
Parken in der Kelheimer Altstadt ist ein Dauerbrenner. Manfred Labermeier kennt das Thema in allen Facetten. Seit Jahrzehnten verfolgt der Zahnarzt im Ruhestand die Situation und hätte ein paar Vorschläge, wie sich manch Parkplatz-Dilemma lösen ließe. Das sagt Bürgermeister Christian Schweiger dazu.
Kaum wird in der Kelheimer Altstadt ein Neubau geplant, „steht wie in den letzten 30 Jahren das Thema Verkehr und Parkplätze wieder auf der Agenda“, sagt Labermeier, der als Bub in der Ludwigstraße aufgewachsen ist und dort 40 Jahre seine Zahnarztpraxis hatte.
Stellplatzablöse bringt „null“
„Teure Stellplatzablöse bringt uns nicht weiter, weil dadurch kein einziger neuer Parkplatz entsteht“, kritisiert Labermeier. Zudem sei es Fakt, dass viele Zwei-Stunden-Parkplätze den ganzen Tag blockiert seien, „weil viele permanent ihre Parkscheibe weiterdrehen“.
Dabei seien rund um die Altstadt eine Menge Stellplätze vorhanden, „aber nur für Kurzzeitparker“. Anwohnern ohne Stellplatz und Beschäftigten helfe das nicht weiter, so Labermeier. Hinzukämen Geschäftsleute, die ihre Betriebe in der Altstadt haben. Diese drei Gruppen buhlten mit Kunden und Urlaubern um die Parkplätze.
Als vor zwei Jahren die CSU-Idee für ein Parkdeck am Niederdörfl bekannt wurde, entschloss sich Labermeier „als engagierte Privatperson“, die Parkplatz-Situation in der Altstadt zu analysieren. Ihm ging es dabei insbesondere um fehlende Langzeit-Parkplätze und die Frage, wie man schnell und kostengünstig solche in unmittelbarer Nähe schaffen könne, sagt der 79-Jährige.

Das von der CSU angeregte Parkdeck, in das sich Anwohner etc. einmieten können sollen, und das etwa 120 zusätzliche Stellplätze schaffen könnte, hält Labermeier dagegen „für einen Krampf“. Ähnlich wertet er frühere Pläne am Wöhrdplatz.
Andere Lösungen lägen näher und seien viel einfacher zu realisieren, sagt er. In seiner Analyse hat er die Altstadt in vier Quadranten unterteilt. In alle Himmels-Richtungen sieht Labermeier Stellplätze, die man den drei Hauptzielgruppen – Anwohner, Beschäftigte, Geschäftsleute – zuweisen könnte. Dies wäre obendrein deutlich kostengünstiger, als der Bau eines Parkdecks. Beispiele aus anderen Städten wie Cham zeigten laut Labermeier, dass die Bereitschaft der Bürger zur Miete bzw. zum Kauf von Stellplätzen in solchen Parkanlagen begrenzt sei. Zudem sei die Entfernung entscheidend. Liege ein Standort „weiter als 300 Meter“ von Wohnung oder Arbeitsstätte entfernt, sinke die Bereitschaft rapide. In der Bayerwald-Stadt war eine entsprechende Idee 2017/18 mangels Interesse schnell wieder vom Tisch.
Davon abgesehen dauere die Realisierung eines Parkdecks, weil zunächst Baurecht geschaffen und finanzielle Mittel vorhanden sein müssten.
In seiner Analyse kommt Labermeier auf 175 Stellplätze, die derzeit Wohnungsinhabern und Geschäftstreibenden fehlten. Zu den Beschäftigten gebe es keine Zahlen. Ohne die Parkplätze, die Privatleute in der Altstadt geschaffen haben, „würde es noch viel schlechter aussehen“, sagt er.
Der 79-Jährige sieht rund um die Altstadt und auch in Nebenstraßen Potenzial, um nahe Dauerparkplätze zu schaffen. Entsprechend seiner vier Zonen könne man an den nächst gelegenen Parkplätzen Zonen ausweisen – und so kurze Entfernungen garantieren. Auch jenseits des Kanals ließen sich etwa Zwei-Stunden-Parkplätze an der Friedhofstraße in Dauerparkplätze umwandeln. Für Anlieger im hinteren Teil der Altstadt wäre dies viel näher als ein Parkdeck am Niederdörfl.
Busparkplätze „überflüssig“
Auch weitere Areale könnten in Labermeiers Augen zu Pkw-Parkplätzen umfunktioniert werden. Die Busharfe nahe der Schiffsanlegestelle Altmühltal hält er für überflüssig. „Selten stehen dort überhaupt Busse.“ Die Fahrer könnten die Passagieren vor Ort aussteigen lassen und am Volksfestplatz warten. Nur wenige Tage im Jahr, wenn Volks- oder Fischerfest sei, bräuchte es eine Alternative.

Positiv wertet Labermeier die 30-Minuten-Parkplätze. „Sie haben sich bewährt.“ Nach seinem Geschmack könnten es noch mehr werden. Dies würde noch mehr Platz für Kunden, die in den Geschäften schnell mal einkaufen wollten, schaffen. Die Zwei-Stunden-Parkplätze würden sich automatisch reduzieren.
Manfred Labermeier wünscht sich, dass die Stadt Neues einfach mal testete. „Wenn es nicht funktioniert, kann man es doch wieder andern.“
Diese Sicht teilt Bürgermeister Christian Schweiger. „Ich bin offen dafür.“ Grundsätzlich seien viele Ideen, die scheinbar auf der Hand lägen, eben doch nicht so einfach umzusetzen, weil „sehr unterschiedliche Interessen“ vorhanden sind. Es gebe viele – teils sehr konträre Begehrlichkeiten. „Wir können überall Zwei-Stunden-Parkplätze reduzieren. Aber dann regen sich die auf, die in mehr als nur ein Geschäft wollen oder die noch einen Kaffee trinken gehen wollen und sagen, dass die Zeit nicht ausreicht.“ Mancher wünsche sich von der Stadt drei statt zwei Stunden Parkzeit.
Wenn man nach außen nicht viel höre, bedeute dies nicht, dass im Rathaus nicht am Thema gearbeitet werde. So gebe es in der Bauverwaltung etwa durchaus Gedankenspiele für eine alternative Nutzung der Busharfe beim Niederdörfl. Solche Pläne müssten aber auch in Förderprogramme (Soziale Stadt) eingetaktet werden, so Schweiger. Neue Zonen für bestimmte Zielgruppen könnte man dank digitaler Lösungen, wie der Kennzeichen-Erfassung, die man am Wohnmobilstellplatz bereits erfolgreich nutze, unkompliziert ausweisen. Doch auch der „Datenschutz muss passen.“ Seit einiger Zeit gebe es eine AG „Ruhender Verkehr“. Dazu will Schweiger Labermeier einladen, sagt er.
Analyse und Arbeitsgruppe
• In nächster Zeit will Manfred Labermeier Stadträten, interessierten Altstadtbewohnern und Geschäftsleuten die Ergebnisse und Ideenseiner Analyse vorstellen, sagt er.
• Zur Arbeitsgruppe „Ruhender Verkehr in der Altstadt“ gehörten Vertreter der Stadtverwaltung sowie je ein Mitglied jeder Stadtratsfraktion. Bürgermeister Christian Schweiger kann sich vorstellen, Manfred Labermeier zum nächsten Termin einzuladen, sagt er.