„Urlaub dahoam“ mit Abenteuer-Faktor: Zwei Freundinnen testen die „Löwen- und Wallertour“

Rosa aus Kelheim und Brigitte aus Wackersdorf tauschten Motorrad gegen Fahrrad und strampeln durch drei ostbayerische Landkreise und die Stadt Regensburg. „Wahnsinnsnatur“, herzliche Begegnungen mit „Einheimischen“ und ein unerwartetes tierisches „Drama“ machten ihre viertägige Radlreise einzigartig.
Gesucht waren vom Tourismusverband im Kreis Kelheim zwei Tester für eine heimische Radtour. Den Zuschlag erhielten zwei Freundinnen, die laut Bewerbung „sportlich, erlebnis-lustig und stark wie Löwen“ sind und auch keine Angst „vor großen Fischen“ haben. Die perfekte Wahl für die „Löwen- und Wallertour“, befand das Team um Geschäftsführer Florian Best.
Auf 190 Kilometern quer durch die Landkreise Kelheim, Straubing-Bogen, Regensburg und die Domstadt selbst entdeckten Rosa Ziegler und Brigitte Ehrenstraßer nicht nur besondere Naturschönheiten, sie kamen auch mit manch Einheimischem ins Gespräch – von der Familie, die nahe Rohr ein Sägewerk betreibt, bis zum jungen Dreifach-Papa in Feierlaune oder einem „Schloss-Verwalter“. Eine Optikerin retteten die beiden ganz nebenbei vor einem „Überfall“.
Auffi, auffi: Von null auf 100
Früher gingen Rosa Ziegler (68) aus Kelheim und Brigitte Ehrenstraßer (58) aus Wackersdorf (Kreis Schwandorf) viele Jahre mit dem Motorrad auf Tour. Für diesen Teil der Serie „Urlaub dahoam“ schwangen sich die Freundinnen auf die Sättel ihrer Fahrräder. Rosa war erstmals länger mit ihrem E-Bike unterwegs – dafür bewegte sie den Großteil des Gepäcks. Die „technische Angestellte im Unruhestand“ sieht sich aber nicht als „typische E-Bikerin“. „Ich will schon selbst radeln, der Turbo bleibt bei mir meist aus.“ Freundin Brigitte, „sportliche Beamtin“, ging als Bio-Bikerin auf die Vier-Tages-Tour.

In der Kelheimer Altstadt starteten die beiden und hätten es sich wenig später leicht machen können. Zum Kloster Weltenburg hätten sie auch das Ausflugsschiff nehmen können, wollten sie aber nicht. So gab’s am Weltenburger Berg gleich ein ordentliches „Warm-up“. Damit hatten sie das steilste Stück der ganzen Tour dann aber bereits hinter sich.

Über Abensberg (mit Abstecher zum Hundertwasserturm), Bad Gögging und Rohr ging es nach Langquaid. Fünf Kilometer davor zwang sie ein spontaner Regenguss zum Unterstellen. Da kam das Sägewerk nahe Rohr genau recht. Die beiden Frauen in Haus und Hof, „die Oma und die Mama“, waren erst ein wenig überrascht, dann aber sehr nett. Sie boten Unterschlumpf und bei einem Ratsch ließ es sich gut Brotzeit machen.
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Vor allem die Fauna und Flora an der Großen Laber (von Langquaid bis Sünching im Kreis Regensburg) beeindruckte die Frauen, sagen sie. Der Abschnitt, wo „Graureiher, Falke und Milan“ zuhause sind und fünf Meter vor ihnen ein Reh über die Straße lief, machte ihn so besonders. „Das war wahnsinnig schön.“

Auf dem Weg in den Gäuboden begegnete ihnen so manch (steinerner) Löwe, und im Straubinger Zoo beobachteten sie auch zwei echte. Im Aquarium des Tiergartens bekamen Rosa und Brigitte auch den einzigen lebendigen Waller zu Gesicht. Nur auf ein Foto hatte der Wels null Bock. Er zeigte sein Hinterteil. Eine andere tierische Begegnung hatten die Frauen am Straubinger Stadtplatz. Eine verängstigte Optikerin wagte sich nicht mehr zurück ins Geschäft. Das „Riesenvieh“ entpuppte sich als Heuschrecke. Mit einem Geschirrtuch brachte das furchtlose Duo das Insekt ins Freie. „Mit dem guten Werk“ im Radl-Rucksack ging es weiter gen Regensburg.
Nahe Schönach fiel Brigitte und Rosa ein herrschaftliches Gebäude ins Auge. Schloss Puchhof. Ein Mitarbeiter beäugte sie erst ein wenig argwöhnisch, ließ sich dann aber doch auf ein nettes Gespräch ein. „Wie man selbst ist, so sind die Leute zu einem“, sagen die Freundinnen. Nebenbei erfuhren sie, dass die Schlossherrin, die Gräfin, schon an die 90 Jahre alt ist, aber noch jeden Tag im Büro des Gutshofs sitzt. Gehe es nach ihr, so solle aus dem Areal einmal ein Gnadenhof für Pferde werden.

Wenig später wollten die Freundinnen in einem Biergarten rasten. Doch der war zu. Gegenüber spitzte ein junger Mann aus einer Maschinenhalle und rief kurzerhand: „Fahrt’s in die Scheune rein“. Weil der junge Oberpfälzer demnächst die Geburt seines dritten Kindes feiern wollte, waren bereits Kühlschränke und Biertische aufgebaut. Er gab den Frauen ein Getränk aus. Und eine weitere nette Begegnung reihte sich in ihr Tour-Tagebuch.

Weiter ging es über die Weinbauregion um Bach an der Donau gen Regensburg und von dort über Matting, Oberndorf und Bad Abbach zurück nach Kelheim. Einige steinerne und einen goldenen Waller und zwei große Löwen weiter waren sie zurück in Kelheim.
Auch für Familien geeignet
Fazit: „Es war richtig schön. Die Löwen- und Wallertour ist perfekt für Menschen, die gerne in der Natur sind. Wer einen großen Reißer nach dem nächsten sucht, ist aber verkehrt.“ Für Rosa und Brigitte machten besondere Naturmomente und die Kleinigkeiten am Wegesrand, die Tour perfekt, sagen sie. Diese ist ruhig und auch für Familien geeignet.

Die Unterkünfte (unter anderem das Hotel am Wittelsbacher Markt in Langquaid) „waren top“. Die Rechnung übernahm der Tourismusverband. Das war der Deal fürs Testradeln. Auch die Kulinarik kam nicht zu kurz. Das Duo denkt gerne zurück an eine „Vielzahl schöner Biergärten und Eiscafés – von Bad Gögging bis Oberndorf“.

Zur Länge der Tour: „Drei Tage wären machbar, wir wollten es aber genießen und auch abseits des Wegs etwas sehen, sonst hat man ja keinen Erholungseffekt“, sagen Brigitte und Rosa. Sie besuchten Museen, den Zoo in Straubing, in Regensburg ging es auf Stadtführung, wo sie trotz früherer Besuche noch Neues lernten. Fehlte etwas? „Ein Löwen- und Waller-Logo“ an den Wegweisern wäre schön. Das würde sicher auch Kindern gefallen.“ Die Freundinnen hatten ihre eigenen Maskottchen dabei. Mangels Plüsch-Wels ging mit dem Löwen ein kleiner Hai auf Ostbayern-Fahrt.

Mehr Tour-Infos online unter: www.herzstueck.bayern/de/urlaubserlebnisse