Wer Urlaub in Kelheim macht und Schutz vor Regen, Hitze oder Stress sucht, ist im Schulerloch genau richtig

Von Andreas Loscher · 7. August 2025 um 11:00

Wer in den Sommerferien Schutz vor Hitze, Hektik oder Regen sucht, wird hoch über dem Altmühltal fündig: Im Schulerloch bei Essing empfängt eine uralte Tropfsteinhöhle ihre Gäste mit Stille, Staunen – und konstant kühlen neun Grad. Schon Neandertaler fanden hier Unterschlupf, heute kommen Wanderer, Familien, Schulklassen und Sinnsuchende. Ein Kraftort mit Geschichte, Geologie und Gänsehautmomenten.

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So könnte es sich in der Steinzeit zugetragen haben: Regen peitscht über die Hänge des Altmühltals. Eine Gruppe Neandertaler kämpft sich durch das nasskalte Unterholz. Die Jagd war lang, die Ausbeute mager – nur ein kleines Wildschwein, mehr nicht. Jetzt brauchen die Urmenschen Wärme, Schutz, einen Ort zum Durchatmen. Mit letzter Kraft schleppen sie sich die Felsen hinauf, bis sich vor ihnen eine dunkle Öffnung auftut. Drinnen ist es trocken und still. Bald flackert ein Feuer. Sie braten ihr Fleisch und lehnen sich zurück. Endlich Ruhe.

60.000 Jahre später suchen erneut Menschen Zuflucht in der Schulerloch-Höhle bei Essing hoch über dem Altmühltal – diesmal allerdings nicht vor wilden Tieren. Die Tropfsteinhöhle ist eines der faszinierendsten Ausflugsziele im Landkreis Kelheim und nicht nur bei schlechtem Wetter eine echte Alternative für alle, die in den Ferien zu Hause geblieben sind. Aber auch bei Hitze ist die Höhle ein idealer Zufluchtsort. Zwar ist die Höhle, wie beispielsweise die Burgen und der Donaudurchbruch, ein Hotspot für Touris, aber auch beliebtes Ausflugsziel für Einheimische. Das kann Veronika Gruber, die seit über zehn Jahren die Höhle betreibt, nur bestätigen. Das Schulerloch ist seit jeher beliebtes Ziel von Wandertagen an Schulen.

Kraftort und Lebensraum

Zum Glück geht es heute deutlich komfortabler zu als in der Steinzeit: Statt mit Speeren kommen die Besucher mit Wanderstöcken und Kameras. Und anstelle von Mammut oder Wildschwein gibt es im Bistro selbst gebackenen Kuchen oder Fledermausbrezen zum Weißwurstfrühstück. „Wir haben auch viele Vereinsausflüge oder Frauenbundgruppen“, sagt Veronika Gruber. Die natürlich auch wegen des kulinarischen Angebots den Anstieg zur Höhle absolvieren.

Veronika Gruber kennt das Schulerloch bis ins kleinste Detail. - Foto: Loscher

Wer das Schulerloch erreichen will, muss sich zunächst ein wenig anstrengen: Rund 20 Minuten dauert der Aufstieg vom Parkplatz bei Essing zur Höhle. Es ist ein gut ausgebauter Pfad, auch für ungeübte Wanderer machbar. Oben erwartet die Besucher eine tolle Aussicht über die Altmühl. Ein markanter gelber Turm, der von unten sichtbar ist, markiert den Eingang zur Unterwelt. Und die beginnt gleich hinter der Tür, wenn sich das Tageslicht verliert und es mit einem Mal still wird. Die Temperatur hat hier konstant neun Grad Celsius. Eine Jacke sollte man deshalb nicht vergessen.

Die Tropfsteinhöhle ist rund 420 Meter lang, 180 davon sind für Besucher zugänglich. Besonders beeindruckend ist die riesige Haupthalle mit ihren bizarren Formationen: Stalaktiten, Sinterröhrchen, säulenartige Gebilde. „Manche sehen darin Elefanten, andere Giraffen“, erzählt Gruber. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“ Etwas weiter stößt man auf eine weltweit einzigartige Naturerscheinung: einen Becherstalagmit, ein frei stehendes Wasserbecken aus Kalkablagerungen, das über Hunderttausende von Jahren Tropfen für Tropfen gewachsen ist.

Tausende Jahre brauchen die kleinen Formationen bis sie entstehen. - Foto: Hoffmann/Schulerloch

Alle 30 Minuten beginnen Führungen. Wer teilnimmt, sollte keine Angst vor der Dunkelheit haben, denn wenn die Guides für einen Moment das Licht ausschalten, wird es tiefschwarz. Kein Laut, kein Geräusch. Als würde die Höhle selbst den Atem anhalten. Für Kinder ist das einer der beeindruckendsten Augenblicke, weiß Veronika Gruber aus vielen Führungen mit Schulklassen. „Völlige Dunkelheit“, sagt Gruber, „das ist eine ganz andere Welt.“ In der Dunkelheit wirkt die multimediale Projektion am Ende der Führung umso eindrucksvoller. Donner grollt, Wasser tobt, Dinosaurier erscheinen. Und ja, ein Mammut tanzt durchs Bild. Die Zeitreise von der Entstehung der Erde bis zur Eiszeit wird hier zum Gesamterlebnis aus Bild, Klang und Raumgefühl.

Die Höhle kann aber noch mehr: Im angeschlossenen Museum erfährt man, dass hier schon Neandertaler lebten. Im Eingangsbereich wurden über 2600 Steinwerkzeuge gefunden. Die meisten befinden sich nun in der Archäologischen Staatssammlung. Ebenso wie zahlreiche Funde aus der Bronzezeit – das Schulerloch war über Jahrtausende hinweg Rückzugsort, Lebensraum, vielleicht sogar eine Art Tempelraum. Heutzutage kommen in den Wintermonaten Fledermäuse und verkriechen sich in den stillen Kammern der Höhle. Zwischen November und März bleibt sie deshalb geschlossen.

Doch der Zauber der Höhle endet nicht mit der Führung: Im Sommer wird das Schulerloch regelmäßig zur Konzertbühne. Beliebt sind auch die meditativen Sonderführungen, bei denen sich die Erden-ergien besonders intensiv wahrnehmen lasse. „Manche Menschen spüren die Energie hier sofort“, sagt Veronika Gruber. „Viele finden an diesem Kraftort zur inneren Ruhe.“

Magnetfelder, Schwingungen, tiefes Durchatmen – das klingt zunächst nach Esoterik. Aber wissenschaftlich belegt sei laut Gruber, dass sich der Körper in solcher Umgebung schneller entspanne. „Gerade in stressigen Zeiten ist das eine echte Hilfe für das Immunsystem.“

Kein Ort für Eilige

Kinder lieben besonders die Entdeckertouren: Bei Geburtstagsführungen dürfen sie kleine Schätze suchen und erfahren, wie die Natur über Jahrtausende Tropfen für Tropfen ihren eigenen Palast erschaffen hat. Überhaupt Kinder: Immer wieder bekommt Gruber mit, wenn Familien aus der Region ins Schulerloch kommen, dass sich die Kinder hier auskennen, die Eltern manchmal nicht. Für sie ist das ein untrügliches Zeichen, dass die Kinder schon einmal bei einem Schulausflug hier waren. Für viele sei das die erste Begegnung mit der Höhle. Und manche würden dann im Erwachsenenalter wiederkommen – mit den eigenen Kindern oder auch schon den Enkelkindern. „Und das ist einfach schön“, sagt Veronika Gruber.

Immer wieder wird das Schulerloch zum Konzertsaal. - Foto: Lorenz Erl/Archiv

Die Tropfsteinhöhle ist kein Ort für Eilige. Wer hierherkommt, sollte sich Zeit nehmen – und am besten gleich eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Schulerloch anhängen. Buchenwälder, Steppenheide, bizarre Felsformationen und der weite Blick ins Altmühltal machen diese Landschaft zu einem der schönsten Flecken Niederbayerns – nicht nur bei Sonnenschein. Und nicht nur für Ausflügler und Touristen – auch für Einheimische.

Die Tropfsteinhöhle ist in den Sommerferien täglich geöffnet. Führungen starten ab 10 Uhr alle 30 Minuten, die letzte beginnt um 16.30 Uhr. Erwachsene zahlen 7,50?Euro, Kinder (4–15 Jahre) 4,50 Euro. Hunde dürfen angeleint kostenlos mit. Info: www.schulerloch.de.

Was auch interessant sein kann:

Museen im Landkreis: In der Region rund um Kelheim gibt es zahlreiche Museen und Ausstellungshäuser. In Abensberg zählen das KunstHaus Abensberg und das Stadtmuseum im Herzogskasten zu den zentralen Einrichtungen. In Kelheim informiert das Archäologische Museum über verschiedene Aspekte der Regionalgeschichte. Das Memu in Essing widmet sich 2025 dem „Tierleben“. In Riedenburg sind unter anderem das Kristallmuseum und das Bauernhofmuseum in Echendorf angesiedelt. Weitere Stationen sind das Stadtmuseum Mainburg, das Römische Museum für Kur- und Badewesen in Bad Gögging sowie das Kulturhaus Storchenwirt mit interaktivem Museum in Neustadt an der Donau.

Infos: Nähere Infos und Anregungen für Daheimgebliebene gibt es auf der Internetseite des Tourismusverbandes im Landkreis Kelheim