Naturführungen in Kelheim laden ein zur Beobachtung von Sternschnuppen bis Fledermäusen

Von Andreas Loscher · 31. Juli 2025 um 05:00

Wenn die Berge voll und das Meer fern ist, beginnt das Abenteuer daheim. Die Reihe „Urlaub dahoam“ zeigt, was möglich ist, wenn man einfach mal vor die Haustür geht. Zum Auftakt: zehn besondere Naturführungen im Landkreis Kelheim zwischen Amphibien und Wildbienen.

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Morgen beginnen die Sommerferien – und überall gibt es dieselbe Frage: Was unternehmen, wohin fahren? Während viele Ausflugsziele in Bayern aus allen Nähten platzen und Urlaube in der Ferne teuer oder aufwendig sind, haben die Menschen im Landkreis Kelheim einen klaren Vorteil: Die Natur-Highlights, für die andere lange Anreisen in Kauf nehmen, liegen hier direkt vor der Haustür. Weltenburger Enge, Donau, Altmühltal – die Region lockt Besucher aus aller Welt. Für die Kelheimer aber gilt: Einfach rausgehen genügt.

Im Rahmen der Reihe „Urlaub dahoam“ stellen wir in den kommenden Wochen vor, was sich in den Ferien direkt vor Ort alles erleben lässt. Den Auftakt machen in diesem Jahr die Führungen „Der Natur auf der Spur“, organisiert vom Landschaftspflegeverband Kelheim (VöF) und dem Naturerlebniszentrum des Nationalen Naturmonuments Weltenburger Enge. Zehn Veranstaltungen im August laden große und kleine Entdecker dazu ein, die heimische Natur intensiver kennenzulernen.

Die Seele baumeln lassen

Eine, die das Programm genau kennt, ist Michaela Powolny, Biologin und Projektmanagerin beim Landschaftspflegeverband Kelheim. „Im Vordergrund steht immer das Verständnis für die Natur“, sagt sie. Bei Kinderveranstaltungen sei besonders das Kennenlernen des Naturhaushalts wichtig, also die ökologischen Zusammenhänge. Bei den Veranstaltungen für Erwachsene stehe mehr die Vermittlung, dass man selbst etwas für die Natur tun könne, im Mittelpunkt. „Wichtig ist immer das Bewusstsein zu schaffen, dass in der Natur nicht alles schlechter wird und man sowieso nichts tun kann, sondern dass es möglich ist, etwas zu ändern.“

Unscheinbar, aber wichtig: Die Batnight informiert über die Bedeutung von Fledermäusen für die Natur und das Ökosystem. - Foto: Hans-Jürgen Hirschfelder

Der VöF pflegt nicht nur Feuchtwiesen, Hecken und Streuobstbestände, sondern legt laut eigener Aussage großen Wert auf Umweltbildung. Die Angebote richten sich gezielt an unterschiedliche Altersgruppen und kombinieren praktische Naturerfahrung mit fundierter Information.

Die Führungen vermitteln so nicht nur Wissen über die heimische Tier- und Pflanzenwelt, sondern wollen laut VöF zum bewussteren Naturerleben anregen. Viele der Angebote richten sich gezielt an Kinder und Familien. Andere laden zur stillen Beobachtung oder zum kulturellen Perspektivwechsel ein. Allen gemein ist der Fokus auf den Lebensraum vor der eigenen Haustür und die Einsicht, dass dieser mehr zu bieten hat, als viele vermuten.

Das Programm spiegle die langjährige Erfahrung und die Begeisterung der Organisatoren wider, betont Powolny. „Die Ideen entstehen aus der Arbeit heraus.“ Es sei außerdem schön zu sehen, wie sich die gepflegten Flächen positiv entwickeln. „Das gibt uns die Kraft, weiterzumachen.“ Diese positive Energie wolle man mit den Führungen weitertransportieren. Während und nach Corona hätte es einen regelrechten Run auf die Veranstaltungen gegeben. Die Kindertouren und die inklusiven Veranstaltungen würden immer noch sehr gut angenommen werden. Die Veranstaltungen im Erwachsenenbereich seien da etwas wechselhafter besucht.

Biologin Michaela Powolny - Foto: Hutzler

Je nach Wetter könne es auch passieren, dass „die Nachfrage zu Gunsten des Biergartens einbricht“. Im Großen und Ganzen sei die Nachfrage aber stabil, auch wenn sie sich noch etwas mehr erwachsene Teilnehmer wünschen würde. Bereuen tun es die wenigsten. „Wir haben Stammgäste, die die Veranstaltungen seit Jahren besuchen.“

Powolny persönlich liegt besonders alles was mit Wildbienen, Amphibien und botanischen Spezialisten zu tun hat am Herzen. Die Touren über die Oberndorfer Hänge oder die Lehenberge finde sie aber auch sehr sehenswert.

Die Veranstaltungen

Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Die Teilnehmerzahlen sind begrenzt, Anmeldung jeweils bis zum Vortag unter www.herzstueck.bayern. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung werden empfohlen, bei manchen Führungen auch Fernglas oder Zeichenmaterial. Weitere Infos zu Inhalten, Treffpunkten und Leitungen finden sich auf der Website.

Morgenwanderung: Früh aufstehen heißt es am 6. August bei der Morgenwanderung „Zwitschern – Strudeln – Rauschen“. Start ist um 6 Uhr, Ziel das einzige bayerische Naturschutzgebiet mit Europadiplom. Fünf Kilometer lang geht es durch erwachende Landschaft – begleitet von Vogelstimmen, Wipfelrauschen und dem Strudeln der Donau.

Kreativtour: Künstlerisch wird es am 8. August bei der „Kreativtour im Wald“. Kinder ab sechs Jahren erkunden mit Stift und Zeichenblock das Naturmonument Weltenburger Enge. Die zweistündige und zweieinhalb Kilometer lange Tour mit Rangerin Stefanie Mertl startet um 15 Uhr.

Sternegucken: Ein stimmungsvoller Abendspaziergang findet am 9. August statt. Unter dem Motto „Die Seele baumeln lassen“ geht es von 19.30 bis 22.30 Uhr acht Kilometer lang durch die Weltenburger Enge. Neben Sinneseindrücken stehen Sternschnuppen im Fokus – bei klarer Sicht lässt sich vielleicht der Meteoritenschwarm der Perseiden beobachten.

Ökosystem: Am 13. August thematisiert die Veranstaltung „Wo kommst du denn her?“ den Einfluss eingeschleppter Tier- und Pflanzenarten. Digital-Ranger Matthias Amann erklärt bei der fünfeinhalb Kilometer langen Wanderung ab 14 Uhr, wie Neozoen und Neophyten, also gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten, heimische Ökosysteme verändern.

Naturgeschichte: Am 15. August verbindet die Wanderung „Von Eiben, Mönchen und feindlichen Brüdern“ Natur mit Geschichte. Es geht durch das Schutzgebiet Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten. Beginn: 10 Uhr, Länge: 5,5 Kilometer.

Wandern: „Wandern macht fit! Kommt alle mit!“ heißt es am 22. August für Familien. Die Tour startet um 10 Uhr, führt entlang der Donau bis zum Kloster Weltenburg und kombiniert Naturerlebnis mit Bewegung und kindgerechtem Wissen (Rückweg individuell).

Zeitreise: Am 23. August lädt „Von Feenwäldern und heidnischen Steinen“ zu einem fantasievollen Spaziergang vom Keltentor zum Heidenstein. Museumspädagogin Dr. Astrid Christl-Sorcan begleitet die fünf Kilometer lange Tour durch Farnlandschaften und keltische Spuren.

Fledermäuse: Am 30. August geht es bei der „Batnight“ ab 20 Uhr auf einen vier Kilometer langen Abendspaziergang. Im Mittelpunkt stehen Fledermäuse und ihre Lebensweise, ihr ökologischer Nutzen sowie ihre Gefährdung. Am 31. August können Kinder von sechs bis 13 Jahren bei „Ein Tagquartier für die Fledermaus“ Nistkästen bauen. Der einstündige Workshop beginnt um 15 Uhr, Material wird gestellt. Begleitet wird er von Ranger Andreas Kerner und Forstingenieur Sebastian Kaufmann.