Das JUZ hat wieder auf - der neue Leiter ist zugleich Kelheims erster Streetworker

Jens Mayer übernimmt das Jugendzentrum am Rennweg. Der 37-Jährige wird aber auch „draußen“ unterwegs sein.
Eigentlich sollte künftig ein Duo, eine Frau und ein Mann, den „Job“ von Andrea Hermann-Häring im JUZ fortführen. Als Leiter des Kelheimer Jugendzentrums wie auch als Streetworker. Weil sich in Teilzeit aber niemand fand, schrieb die Stadt erneut in Vollzeit aus. Nun ist die 35-Stunden-Stelle besetzt. „Der Neue“ heißt Jens Mayer.
Mit drei festen JUZ-Tagen geht es für den 37-Jährigen in die Sommerferien. Immer montags, donnerstags und freitags ist Mayer von 15 bis 20 Uhr da (Anm. d. Red.: Mit Ausnahme vom 31. Juli, da ist School’s Out Party im Keldorado). Zu anderer Zeit wird Jens Mayer als Streetworker im Stadtgebiet unterwegs sein und an Orten und Plätzen vorbeischauen, wo sich Jugendliche aufhalten.
Streetworker, kein „Polizist“
Als Erstes habe er sich „auf der Straße“ bei einer Gruppe Jungs, die am Kanal abhingen, vorgestellt, sagt Mayer, der Mitte Juli seine Arbeit in der Kreisstadt antrat. Streetworker hätten allerdings keinen „ordnungspolitischen“ Auftrag, betont Mayer. Manch Kommunalpolitiker erwarte dies mitunter. Bürgermeister Christian Schweiger, der Mayer an dem Abend ebenfalls besuchte, sagt: „Der neue Streetworker der Stadt Kelheim ist keine Art von Polizist, der für Ruhe und Ordnung sorgt. Dafür ist er nicht da.“

Außerhalb des Jugendzentrums sei er „zu Gast im Sozialraum der jungen Leute“, erklärt Jens Mayer, der zuvor in Ingolstadt arbeitete und dort auch lebt. Es gehe darum, Vertrauen zu den jungen Leuten aufzubauen. Und „idealerweise eine Beziehungsebene“, sagt er.
Vorher mit Bus unterwegs
Er sei Ansprechpartner für alle Lebens- und Problemlagen, so der 37-Jährige, der zunächst in Eichstätt „Politik und Gesellschaft“ studierte. Dann „rutschte“ er als Schulbegleiter „in das Pädagogische hinein“ und entdeckte, dass ihm das liegt und Spaß macht, sagt Mayer. „Auch das Beraterische“.
Bei seinem vorherigen Job bei der „Mobilen Jugendarbeit“ in Ingolstadt sei er vor allem auch bei der Job- oder Ausbildungssuche Ansprechpartner gewesen, sagt Mayer. In Ingolstadt arbeitete er in einem mobilen Jugendzentrum. Dort war er mit einem umgebauten MAN-Bus mit Platz für 15 Leute unterwegs. Innen drin gab es eine Musikanlage, Playstation, Liegestühle, Outdoor-Spiele. So viel anders werde seine Arbeit in der Kreisstadt nicht, glaubt der neue Jugend-Ansprechpartner. Nur sei die Anlaufstelle für die Kelheimer Jugendlichen und jungen Erwachsenen von zwölf bis 27 Jahren platzmäßig viel größer. Hier gibt es einen Kicker, einen Billardtisch, eine Tischtennis-Platte, einen Schrank mit vielen Spielen oder auch einen Garten zum Grillen, Chillen oder Spielen.

„Spaß, Spiel und Freizeit“ der jungen Besucher soll im Vordergrund stehen, betont Mayer. Und für ernstere Gespräche könne man sich – wenn gewollt – ins Büro zurückziehen. Darüber hinaus könne er sich auch mal Ausflüge vorstellen. Eine gemeinsame Kanutour etwa oder andere Outdoor-Aktivitäten.
Jens Mayer ist auch privat gern in der Natur unterwegs, sagt er. Früher machte er auch Kampfsport. Karate „bis zum blauen Gürtel“.
Sonst betreibe er in seiner Freizeit mit einem Lehrer aus NRW einen Youtube-Kanal. Mayer sagt, er könne sich vorstellen, dass es auch mit den Jugendlichen Aktivitäten in Sachen Youtube oder Podcast geben könnte, wenn jemand Lust darauf habe. Aber wie bei allem Angebot gehe es nicht nur um Teilhaben, sondern auch ums Mitbestimmen.

In nächster Zeit will Jens Mayer nicht nur für Kelheims Jugend da sein, sondern sich auch bei allen Netzwerk-Partnern vorstellen. Mit Kristin Weisheit, der Schulsozialarbeiterin der WMS, hat er sich bereits bekannt gemacht und ausgetauscht.
Die Zweiteilung seiner neuen Arbeit – fester Anlaufort und Streetwork – finde er spannend, sagt Mayer. Wer sein Gesicht auf der Straße erkenne, dürfe ihn gerne einfach ansprechen. Noch ist es sehr ruhig im JUZ. Vor dem MZ-Besuch hatten zwei Mittelschülerinnen den Kopf durch die Tür gesteckt und überrascht festgestellt, „dass wieder offen ist“. Noch hat sich das noch nicht so herumgesprochen.
Das Kelheimer Jugendzentrum
• Öffnungszeiten: Über die Sommerferien soll das JUZ immer montags, donnerstags und freitags, 15 bis 20 Uhr, geöffnet sein. Es findet sich rechts vor dem Eingang zur Wittelsbacher Mittelschule am Rennweg im früheren Fahrradkeller der Schule.
• Nutzerwünsche: Sollte sich herauskristallisieren, dass Kelheims Jugendliche und junge Erwachsene lieber bis 22 Uhr kommen wollen, könne man die Zeiten entsprechend anpassen, so Mayer.
• Zielgruppe: Das Angebot im JUZ richtet sich an alle Zwölf- bis 27-Jährigen im Stadtgebiet.