Mountainbiken auf den Ur-Trails im Altmühltal: Ein Selbstversuch

Eigentlich mag unser Autor eher den Asphalt – doch mit Mountainbike-Experte Thomas Elsinger entdeckt er im Altmühltal eine neue Welt. Natur, Schweiß und überraschend viel Spaß statt Verkehrslärm: Ein Selbstversuch auf dem „Pure Pleasure“-Trail bei Kelheim – Teil der Serie „Urlaub dahoam“.
Ich mag Tempo. Viel Tempo. Am liebsten flach, mit dünnen Reifen und langen Asphaltgeraden, auf denen mein Gravelbike fast wie von selbst rollt. Kilometer schrubben, Strava-Zeiten jagen, so sieht mein Radalltag aus. Zumindest in meiner Idealvorstellung.
Aber Mountainbiken? Für mich lange ein Relikt der 90er: langsam über Wurzeln kriechen, sich mühsam bergauf quälen. Das klang eher nach Frust als nach Freizeit. Bis mich Thomas Elsinger eines Besseren belehrte – der Mountainbike-Enthusiast nahm mich mit auf den „Pure Pleasure“-Trail bei Kelheim. Als Teil unserer Serie „Urlaub dahoam“ stellen wir in dieser Woche die sogenannten „Ur-Trails“ vor: naturbelassene Routen im Altmühltal, gedacht für alle, die Radfahren nicht nur als Fortbewegung, sondern als Erlebnis verstehen.
Ein echter Enthusiast
Schon beim Treffpunkt bei ihm zuhause wird klar: Das hier wird anders. Elsinger steht mit einem Fully-E-Mountainbike vor seiner Garage, ein Gefährt, das mehr kostet als so mancher Gebrauchtwagen – über 6000 Euro, wie er beiläufig erwähnt. „Probier’s einfach“, sagt er und drückt mir den Lenker in die Hand. Ich schalte den Motor auf „Tour“, die zweitschwächste Stufe. Ein bisschen Schweiß darf es ruhig sein, denke ich mir. Eigentlich wollte ich ganz ohne E-Unterstützung fahren – Elsinger aber rät davon ab. Später werde ich ihm dankbar sein.
Es dauert keine fünf Minuten, da spüre ich: Dieser Mann brennt für den Sport. Der 64-jährige Kelheimer kennt die Trails im Altmühltal wie kaum ein anderer. Seit über 35 Jahren fährt er Mountainbike, beruflich ist er im Fahrradgroßhandel tätig. Und ehrenamtlich kümmert er sich als Wegpate darum, dass die Ur-Trails zwischen Weltenburg, Riedenburg, Painten und Ihrlerstein befahrbar bleiben. Zweimal im Jahr kontrolliert er Teile des Netzes.

Die Ur-Trails Altmühltal sind kein Bikepark mit künstlichen Rampen, sondern ein offiziell freigegebenes Trailnetz im Naturpark. Sechs Rundtouren, verbunden durch Abkürzungen und Zubringer. Alles auf bestehenden Wegen, keine neu geschlagenen Pfade. Das schütze Natur- und Tierwelt. „Mountainbiker werden oft zu Unrecht abgestempelt“, sagt Elsinger, als wir uns zum ersten Anstieg Richtung Obernederhöhle hochschrauben. Natürlich gebe es auch in diesem Sport schwarze Schafe, aber die große Mehrheit verhalte sich rücksichtsvoll.

Die Beschilderung der Routen ist auch mitten im Wald gut sichtbar. Wer möchte, kann sich die GPS-Daten vorab auf ein Navi oder das Handy laden, so findet man sicher den Weg. Jede der Touren hat ihren eigenen Charakter: Der „Goldrush“ punktet mit vielen fordernden Singletrails im Frauenforst, der „Nibelungen Ride“ kombiniert Naturerlebnis mit Kulturstopps wie der Burg Prunn oder der actionreiche „Holy Diver“ führt mit einem Abstecher zum Kloster Weltenburg.
Unser Ziel heute: der „Pure Pleasure“-Trail – 33 Kilometer, 400 Höhenmeter, ein Mix aus Schotter, Singletrails und „flowigen“ Abfahrten, wie Mountainbiker sagen. Zwischen Kelheim und Painten, rund drei Stunden Fahrzeit. Wir müssen aus Zeitmangel über Essing abkürzen und sind daher nur etwa eine Stunde im Trail unterwegs. Kaum ist die erste Steigung geschafft, öffnet sich die Landschaft. Sonnenstrahlen brechen durch das Blätterdach, ein kleiner Weiher glitzert in der Tiefe: Es ist die Kuhtränke bei Ihrlerstein. Wir passieren Palmberg, dann die Donausternwarte.

Der Boden ist weich vom Regen des Vortags, die Kurven rutschig. Ich ertappe mich dabei, wie ich den Lenker noch etwas fest in die Hand nehme und Elsinger langsam aus den Augen verliere. Enge Kehren, kurze Wurzelpassagen, dann wieder Tempo. Beim Bergabfahren hilft der E-Motor leider nicht, hier zählen Technik, Übung und etwas Mut.
Die Trailabschnitte wechseln sich mit Schotterwegen ab. Wir gleiten durch schattige Waldstücke, vorbei an Wiesen und der kleinen Kapelle St. Bartholomä hinab nach Essing. „Das ist das Schöne“, ruft Elsinger über die Schulter. „Hier kommst du hin, wo du mit dem Auto nie hinkämst und zu Fuß nur mit viel Zeit.“

In Essing halten wir kurz auf der alten Holzbrücke, über der Altmühl. „Einer der schönsten Orte im Tal“, sagt Elsinger. Auf der ganzen Tour haben wir noch kein einziges fahrendes Auto gesehen. Für ihn ist genau das der Kern des Sports: weg vom Straßenlärm, hinein in die Stille der Natur.
Natur statt Straßenlärm
Um das erleben zu können, braucht es gar nicht viel – zumindest nicht zwingend eine High-End-Ausrüstung. Ein gutes Hardtail-Mountainbike (nur mit Federung vorne) sollte es laut Elsinger schon sein. Die gibt es schon für ein paar hundert Euro. Wer es komfortabler mag, sollte etwas mehr in ein vollgefedertes Cross-Country-Mountainbike, mit oder ohne Motor, investieren. Am besten eines mit absenkbarer Sattelstütze, für sicheren Stand auf Abfahrten. „Wichtig ist, dass du dich sicher fühlst, dann macht es Spaß“, sagt Elsinger.

Mein Fazit nach einer Stunde Trail-Premiere? Ich bin froh, das E-Bike genommen zu haben. Die Anstiege wären für mich sonst nur mit viel Keuchen zu schaffen gewesen. So konnte ich den Kopf heben, die Landschaft sehen, die Kühle des Waldes genießen.
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Und vor allem den Spaß an den Abfahrten spüren: rasanter, als ich dachte, aber nie überfordernd. Dabei habe ich mehr Natur gesehen als auf jeder Rennrad-Tour, dazu ohne Hektik und Verkehr. Es war nicht die schnellste Tour. Aber vielleicht die schönste.
Weitere Infos zu den Trails finden Sie im Internet auf der Website www.herzstueck.bayern.