Katharina Mayer aus Straubing ist Fischerin – und bewahrt damit eine jahrhundertealte Tradition

Von Andreas Loscher, Verena Brandl · 28. Juli 2025 um 14:00

Auf der Donau bei Straubing zeigt Katharina Mayer, was es heißt eine Fischerin zu sein. Als eine der letzten hauptberuflichen Donaufischerinnen führt sie das Erbe ihrer Familie fort. Eine Geschichte über eine Frau, die sich ihren Platz auf dem Fluss erkämpft hat.

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Fischen gilt als stille Angelegenheit: Morgensonne, Wasserplätschern, ein paar zappelnde Fische. So stellt man es sich vor. Und so beginnt auch dieser Tag im Sommer. Katharina Mayer aus Straubing lenkt ihr Boot zielstrebig über die Donau. Vorne auf der Zille hocken zwei Mitarbeiter, während die 38-Jährige am Heck steht, die Augen auf den Fluss gerichtet. Sie deutet auf eine Stelle, beugt sich über die Kante, zieht kräftig an den Leinen. Fische glitzern auf und landen im Eimer. Seit Jahrhunderten fischen die Mayers hier, Generation um Generation.

Doch dann kippt die Ruhe. Ein Knattern zerreißt die Luft, heiser und ohrenbetäubend, als würde irgendwo ein alter Panzer anspringen. Es ist der Generator in der Mitte des Bootes, der losröhrt. Die Gespräche verstummen. Vögel flüchten. Mit einem stromleitenden Kescher betäuben die Männer nun Fische in einem Altarm der Donau. Das Elektrofischen sei deutlich schonender: Die Tiere müssten so nicht stundenlang im Netz zappeln.

Die Fischerin wirkt völlig unbeeindruckt vom Lärm. Ihr Blick ist aufs Wasser gerichtet, sie wartet. Plötzlich taucht er auf: ein Hecht. Grün, kräftig, voller Zorn. Er windet sich, kämpft. Mayer greift zu, packt den Raubfisch und legt ihn zu den anderen.

Mit sicherem Griff packt die Fischerin den Hecht. - Foto: Loscher

Hier zeigt die Donaufischerei ihr anderes Gesicht: nicht das leise, sondern das laute. Nicht idyllisch, sondern Arbeit. Früh aufstehen, rausfahren, bei Regen oder Sonne, im Winter mit Decke, im Sommer im T-Shirt. Dann Kisten schleppen und Fische ausnehmen. Das gehört alles dazu. Warum tut sich eine junge Frau das an?

Es ist mein Leben

Katharina Mayer

„Weil es nicht nur ein Beruf ist“, sagt Mayer. „Es ist mein Leben.“ Als eine der letzten hauptberuflichen Donaufischerinnen führt sie fort, was schon vor 300 Jahren begann: die Geschichte ihrer Familie auf dem Fluss. „Ich wollte meinem Papa beweisen, dass ich das hinkriege“, sagt sie. „Und Frauen zeigen, dass wir alles schaffen können.“

Als der Vater im Sterben lag

Leicht war dieser Weg nicht. Ihr Vater hatte andere Pläne für Kathi, wie sie genannt wird. „Zu schwer für ein Mädel“, winkte er ab. Also arbeitete Mayer lange in einer Zahnarztpraxis. Bis zu jenem Moment, als bei ihrem Vater Krebs diagnostiziert wurde.

Mit ihrem Vater auf dem Hof. - Foto: Mayer

Als er schwer krank im Krankenhaus lag und ihr Bruder auf dem Oktoberfest bediente, packte sie der Ehrgeiz. „Ich fahr jetzt raus und leg die Netze“, habe sie sich gedacht. Sie kam zurück mit einem ordentlichen Fang und sogar einem Zander, dem Lieblingsfisch ihres Vaters. „Ich bin sofort zu ihm ins Krankenhaus“, sagt sie. Am selben Tag sei er noch gestorben. „Aber ich weiß, er hat es noch mitbekommen.“

Seit diesem Tag gehört die Donau ihr. Erst führte Mayer den Betrieb mit ihrem Bruder, dann allein, nachdem dieser ausgewandert war. Die ersten Jahre seien hart gewesen. Vom System ihres Vaters blieben nur handgeschriebene Zettel. Kunden fürchteten um die Qualität. Aber sie lernte mit jedem Tag dazu: wo die Netze am besten liegen, wie sie einen Laster fährt, wie sie sich Respekt verschafft als Frau in einer Männerwelt. „Ich wollte es mir und meinem Papa beweisen.“

Zwei Mitarbeiter beim Einholen der Netze - Foto: Andreas Loscher

Die Branche steht dabei auf der Roten Liste. „Von der Donau allein könnte niemand mehr leben“, sagt Mayer. 2020 zählte man laut Deutschem Angelfischerverband bundesweit nur noch 346 Berufsfischer. In Bayern gibt es noch rund 400 Fischereirechte für Flüsse und Seen, von denen die Hälfte tatsächlich genutzt wird, aber größtenteils nebenberuflich.

Katharina Mayer mit ihrem Fang - Foto: Loscher

Mayer verdient vor allem mit Zuchtfischen von ihren Weihern am Hof: frisch, geräuchert im eigenen Laden oder als Steckerlfisch auf dem Gäubodenfest. Sogar Feinkost Käfer aus München ist Kunde. Die Donaufische seien meistens schon im Voraus reserviert.

Sie muss laut sein

So schnell stirbt die Donaufischerei also mit Mayer noch nicht aus. Sie hat viele Ideen: veranstaltet Hoffeste, tritt in Podcasts und Fernsehsendungen auf, erzählt ihre Geschichte. Sie weiß: Heute reicht es nicht, ruhig zu sein. Manchmal muss sie eben auch laut sein.

Und doch sind ihr die stillen Stunden am liebsten. Wenn morgens der Nebel über der Donau hängt, dann fährt sie allein hinaus, nur sie und ihr Boot. „Das brauche ich manchmal“, sagt Mayer, „auch wenn ich dafür geschimpft kriege.“ Allein auf dem Fluss zu arbeiten, ist nämlich nicht ganz ungefährlich. Manchmal hat sie dann auch Anglerglück. Ihr größter Fang: ein Waller, rund 2,40 Meter lang und 80 Kilo schwer.

Die Donaufischerin zieht das Seil des Anlassers. Der Außenborder erwacht – angenehm leise im Vergleich zum dröhnenden Generator. Noch einmal blickt sie über den Fluss. Dann fährt sie mit ihren Fischen zurück zum Ufer.

Ihr größter Fang: ein Waller rund 2,40 Meter lang und 80 Kilo schwer - Foto: Mayer