„Bergdoktor“ Hans Sigl bringt „Weiße Weihnacht“ nach Schwandorf

Als „Bergdoktor“ begeistert Schauspieler Hans Sigl seit fast 20 Jahren ein Millionenpublikum. Kurz vor Weihnachten kommt der bekennende Literaturfan mit einer Lese-Tour erstmals auch nach Schwandorf.
Herr Sigl, Sie bezeichnen die Lesereise „Weiße Weihnacht“, die Sie am 19. Dezember auch nach Schwandorf führt, als „lang gehegten Traum“. Wie kam es dazu?
Hans Sigl: Ich habe für den Reclam-Verlag Literaturklassiker aufgenommen und durfte auch beim Bad Homburger Poesie & Literaturfestival mehrmals Lesungen machen. Dieses „antiquierte“ Format Lesung kommt beim Publikum aber sehr gut an, und es hat große Lust darauf. Vergangenes Jahr war ich mit „Werner Momsen“ und seinem Puppenspieler Detlef Wutschik in Norddeutschland mit Comedy Impro unterwegs. Das war dieses Jahr terminlich leider nicht möglich, und deswegen habe ich was Eigenes konzipiert. Ich finde, dass es gerade an Weihnachten das Publikum auch nicht gerade einfach hat. Zu viel Stress und Hektik. Und ich bin ja „emotionaler Dienstleister beim ZDF“ (lacht) – ich schaue, dass es den Leuten gutgeht (Anm. d. Redaktion: „Der Bergdoktor“). Ich möchte mit „Weiße Weihnacht“ ein bisschen Erholung und ein bisschen Freude vor Weihnachten bereiten. Das war der Wunsch dahinter.
Also eine Art Hausarztbesuch.
Hans Sigl: Sozusagen, aber hoffentlich viel angenehmer (lacht). Wenn ich das ganze Jahr vor der Kamera stehe, uns viele Leute besuchen und über den Zaun winken, ist das doch eine schöne Gelegenheit, im Gegenzug mal zum Publikum nach Hause zu kommen und Livekontakt zu haben.
Wie sind Sie bei der Auswahl der Texte vorgegangen? Sucht man nach einem roten Faden für die Konzeption des Abends?
Hans Sigl: Weihnachten folgt ja keiner Dramaturgie, Weihnachten ist ein Herzensfest. Deswegen habe ich Stücke ausgesucht, die mich berührt haben. Ich starte mit einem Klassiker von Hans Christian Andersen: „Der Weihnachtsbaum“. Da weiß jeder, worum es geht, da hat jeder ein Bild dazu. Danach löse ich das aber wieder auf und lese eine von der KI generierte Geschichte, bei der man viel lachen muss. Denn was die KI zu Weihnachten schreibt, zeugt in diesem Fall von kompletter Inkompetenz, aber eben sehr humorvoll. Dann folgen weitere schöne Stücke, die ins Herz gehen.
Der Abend hält aber noch mehr als vorgelesene Passagen bereit.
Hans Sigl: Je nach Veranstaltung habe ich ein Jazz-Trio oder eine Pianistin mit Orgel als musikalische Begleitung dabei. Also entweder ein bisschen legerer oder festlicher. Ich singe dann „Driving Home for Christmas“ und erkläre den Leuten, dass es auch schön sein kann, wenn man im Weihnachtsstau eine Viertelstunde geschenkt bekommt, in der man sich beruhigen kann.
Singen Sie noch mehr Songs?
Hans Sigl: Ich will nicht zu viel verraten, aber es wird ein „Abend ohne Sängerin“, da die kurzfristig abgeworben wurde (lacht). Ich singe ein paar Lieder an und möchte bei Weihnachtsliedklassikern mit dem Publikum auch mal die zweite, dritte oder vierte Strophe singen. Denn die meisten Menschen sind nur bei der ersten halbwegs textsicher. Bei mir ist es ähnlich: Wir singen zu Hause die Weihnachtslieder in Ansätzen. In Deutschland kann man wahrscheinlich an einer Hand abzählen, wie viele Familien bei „Stille Nacht“ die Strophen eins bis vier fehlerfrei singen können. Ich nehme generell die ganzen weihnachtlichen Mythen mit und plaudere darüber mit den Leuten – das wird sehr unterhaltsam.
Kommen Sie bei der Tour selbst ein bisschen herunter und in Weihnachtsstimmung?
Hans Sigl: Ja, klar. Um mit einer Lesung eine so große Stimmung wie Weihnachten hervorzurufen, braucht es eine Bereitschaft des Publikums. Wir schaffen Bilder im Kopf. Diese Projektion wird dann bewusst durchbrochen, weil das wahre Weihnachten eben im Herzen stattfindet. Im großen Kaufhaus findet man auch nur die weihnachtlichen Ingredienzien, machen muss man es zu Hause. Dazu lese ich die ein oder andere Geschichte. In Bayern spricht man ja von der staden Zeit. Aber goar nix is stad, oft ist die Zeit von Stress geprägt. Ich möchte mit dem Publikum einen schönen staden Abend verbringen, der es im Nachgang hoffentlich zu mehr staden Momenten animiert.
Ist Weihnachten generell ein Herzensthema für Sie?
Hans Sigl: Absolut. Für mich ist es der Jahresabschluss, bei dem die ganze Familie zusammenkommt und auf den ich hinfiebere: das Fest des Zusammenkommens, das Fest der Liebe. Aber nicht kitschig, sondern wahrhaftig, ernst und eben auch humorvoll.
Welche Bräuche gibt es im Hause Sigl?
Hans Sigl: Ich schreibe jedes Jahr ein Weihnachtsgedicht für die Familie und halte damit ein bisschen Rückschau. Das ist eine schöne Tradition geworden. Ein Muss ist das Weihnachts-Raclette an Heiligabend: Wir essen stundenlang und reden viel. Dazwischen wird ein bisschen beschert. Dieser Moment ist auch immer viel zu schnell vorbei, aber ich genieße es, dass zumindest ein paar Stunden die Zeit still steht.
Bei Hans Sigl steht angesichts der Projektvielfalt und Schlagzahl ansonsten ja selten die Zeit still. Welche Projekte sind 2026 geplant und welche würden Sie noch auf Ihren Wunschzettel schreiben?
Hans Sigl: Ganz vorn ist natürlich die 20. Staffel von „Der Bergdoktor“. Unfassbar, dass es tatsächlich bereits die zwanzigste ist. Darauf freue mich, und ich bin sicher, dass im Zuge des Jubiläums einiges passieren wird. Bei den Bühnenauftritten ist noch nichts spruchreif. Auf meinem persönlichen Wunschzettel wäre das Format einer Late-Night-Show. Das muss ich mir irgendwann noch basteln. Das ist etwas, das ich wirklich gerne noch machen würde.
Waren Sie zur Weihnachtszeit oder generell schon einmal in Schwandorf?
Hans Sigl: Tatsächlich nein – aber ich freue mich darauf! Ich hoffe, dass ich vor der Lesung ein bisschen auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs sein kann. Vielleicht treffe ich dort ja Menschen, die am Abend zu mir in die Oberpfalzhalle zur Lesung kommen.
Das Interview führte Robert Torunsky.
Und hier gibt es Karten:
Karten für die „Weiße Weihnacht“ gibt es online unter www.der-kartenvorverkauf.de, beim Mittelbayerischen Kartenvorverkauf in der Tourist-Info in Regensburg, in der Avia-Tankstelle an der Regensburger Straße in Teublitz, im Kopiershop 24 in Schwandorf sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.