Offener Haftbefehl: Kontrollaktion in Regensburger Bus endet für Passagier im Gefängnis

Die Kontrolleure des Regensburger Verkehrsverbundes wollten die Tickets sehen und hatten Verstärkung dabei. Dafür wurde sogar eine Spur auf der Nibelungenbrücke gesperrt. Etliche Schwarzfahrer wurden erwischt.
Einer hatte die Passagiere, die am Dienstagmorgen in Steinweg an der Bushaltestelle standen, noch warnen wollen. Allerdings klang das, was der Mann erzählte, auch fast etwas zu spektakulär für den ansonsten ruhig gestarteten Tag in Regensburg. „Die Polizei hat eine Spur auf der Nibelungenbrücke gesperrt und hält die Busse an, damit die Tickets kontrolliert werden können“, rief er sogar noch durch die offenen Türen eines haltenden Busses.
Da hätte es sich einer der Passagiere noch überlegen können. Als der Bus bei der Kreuzung am Donaueinkaufszentrum rechts abbog und Kurs auf die Nibelungenbrücke nahm, schnappten dann etliche Passagiere erschrocken nach Luft. Sie blickten auf eine gesperrte Fahrspur, Blaulichter von Polizeiautos und einen bereits angehaltenen Bus vor der Abfahrt zum Unteren Wöhrd. Da war allen in dem Fahrzeug klar: Der Mann an der Bushaltestelle hatte keinen Schmarrn erzählt.
100 Schwarzfahrer erwischt
„Jetzt brauchen sie auch keinen Fahrschein mehr zu lösen“, kommentierte eine Kontrolleurin die fahrigen Swipebewegungen jenes Passagiers auf seinem Handy. Die Fahrt endete an dieser Stelle für ihn. Nach wenigen Minuten fuhr der Bus weiter.
Das, was die Fahrgäste an diesem Morgen erlebten, war eine gemeinsame Fahrscheinkontrolle der Polizeiinspektion (PI) Süd und des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV). Alleine bei der Schwerpunktkontrolle am Dienstag sind laut RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein etwa 100 Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein angetroffen worden.
Aber damit nicht genug: Markus Reitmeier, Pressesprecher der PI Süd, spricht zudem von drei Personen, bei deren Ausweiskontrolle sich überdies herausstellte, dass die Ermittler nach ihnen gesucht hatten. Eine davon sogar wegen eines offenen Haftbefehls gegen sie. Diese Person habe sich einen Hausfriedensbruch zuschulden kommen lassen. „Der ist nun in der Justizvollzugsanstalt und sitzt seine Strafe ab“, sagt Reitmeier. In den beiden anderen Fällen können Ermittlungen nun weitergehen, da diese Personen zu einer Vernehmung geladen worden waren, diesen Schreiben bisher aber noch keine Folge geleistet hatten.
Kontrollaktionen wie diese finden laut Müller-Eberstein seit mehreren Jahren regelmäßig statt. Die aktuelle hatte der RVV vergangene Woche per Pressemitteilung angekündigt. Zur letzten davon war es laut dem Schreiben Ende August gekommen: 22 Busse mit über 300 Fahrgästen seien damals kontrolliert worden.
Polizei dämpft Aggressionen
Als Vorteil dieser Kontrollen benennt der RVV-Chef vor allem, dass die Überprüfung eines Busses deutlich zügiger erfolge. Zudem trage die Anwesenheit der Polizeibeamten dazu bei, dass Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein in der Regel kooperativer seien und aggressives Verhalten vermieden werde. „Auch die Feststellung der Personalien verläuft in Anwesenheit der Polizei meist reibungslos. Sollte sich ein Fahrgast nicht ausweisen können, kann die Polizeiinspektion Süd die Identität unmittelbar feststellen“, erklärt Müller-Eberstein.
Deswegen kündigt er für die kommenden Wochen und Monate weitere – meist kurzfristig geplante – gemeinsame Kontrollen mit der Polizei an. Auf die Frage, an welchen Stellen es dazu kommen soll, antwortet der RVV-Chef: „Die Kontrollstellen werden ausschließlich in Abstimmung mit der Polizei festgelegt. Dabei werden insbesondere die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt, um sowohl die Sicherheit des eingesetzten Personals – etwa im Hinblick auf den fließenden Verkehr – zu gewährleisten als auch Beeinträchtigungen des Individualverkehrs weitestgehend zu vermeiden.“
Buslinien, auf denen am Aktionstag im August überdurchschnittlich häufig Fahrgäste ohne Ticket angetroffen wurden, prüft der RVV seit August verstärkt auch im Regelbetrieb. Der Anteil der Schwarzfahrer in den Bussen des RVV liegt durchschnittlich bei rund drei Prozent.