Stadt investiert jährlich rund eine Million Euro in den Stadtpass – und 7000 Regensburger profitieren

Mit dem Stadtpass besorgen sich mehrere tausend Regensburger mit kleinem Geldbeutel vergünstigte Deutschlandtickets oder Eintrittskarten für Bad und Konzert. Nun feiert der erfolgreiche Sozialausweis Geburtstag. Die Stadt Regensburg investiert im Jahr rund eine Million Euro und will bald eine App anbieten.
Markus Riedmann hält viel vom Stadtpass. „Geringverdienende haben wenig Geld - und Kultur ist wichtig“, sagt der 45-Jährige. Er selbst hat ihn lange genutzt, weil er aus gesundheitlichen Gründen kaum arbeiten konnte. Riedmann hat mit dem Stadtpass günstige Tickets für das Wöhrdbad, das Theater und das Kunstforum erstanden. „Ich kann damit am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.“ Inzwischen bezieht der Regensburger Rente.
Robert Felix Koller findet den Stadtpass sehr nützlich. Damit hat er für das Deutschlandticket 29 statt 58 Euro bezahlt. Der 38-Jährige ist wegen einer psychischen Krankheit in Rente. Ohne die Vergünstigung könnte er sich das Bahnticket nicht leisten.
Die Stadt lehnte zunächst ab
Damit fährt Koller zur Unabhängigen psychiatrischen Beschwerdestelle Hoffnungsanker des Landesamts für Pflege in Amberg, wo er ehrenamtlich mitarbeitet, und zu seinen Eltern in den Bayerwald.
Der Stadtpass ist vor zehn Jahren ins Leben gerufen worden. Rund 7000 Menschen nutzen ihn. Es sind zum Beispiel Bürgergeldbezieher, Wohngeldberechtigte und Asylbewerber. Rund 2000 haben dank Stadtpass das Deutschlandticket günstig erworben. Weitere 1500 kaufen damit verbilligte Monats- oder Ökotickets des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV). „7000 Stadtpassnutzer – das ist etwa die Hälfte der Berechtigten“, sagt Manfred Hellwig vom Forum gegen Armut, das für den Sozialausweis gekämpft hatte. Viele Berechtigte, vor allem die Älteren, wissen offenbar nichts davon. Deshalb möchte das Forum eine Werbekampagne in den RVV-Bussen starten. Die Tickets kosten meistens die Hälfte. Mehr als 50 Anbieter, vom Westbad über das Theater bis zur Sternwarte, sind dabei.
Zum Jubiläum blickt das Forum gegen Armut kritisch zurück. Die Stadt sei anfangs vom Konzept alles andere als überzeugt gewesen, sagt Hellwig. „Sechs Jahre sorgte das Forum mit Veranstaltungen und Aktionen für Öffentlichkeit.“ Obwohl der Stadtpass 2013 bei der Bürgerbeteiligung zum Armuts- und Sozialbericht in allen Arbeitsgruppen priorisiert worden war, „wurde die Umsetzung vom damaligen Oberbürgermeister Hans Schaidinger ausgebremst“. Deshalb initiierte das Forum gegen Armut ein Bürgerbegehren. Zusammen mit den Sozialen Initiativen, den Gewerkschaften und Attac sammelte es Unterschriften. Als die nötige Zahl beisammen war, reagierte die Stadt. „Die Einführung des Stadtpasses wurde beschlossen und damit ein Bürgerbegehren abgewendet“, heißt es in einer Pressemitteilung des Armutsforums zum Jubiläum. „So kam es, dass wir endlich konkret planen konnten.“
Am 1. Juli 2015 startete der Stadtpass. Heute sei auch die Stadtspitze stolz darauf, diese Möglichkeit zur sozialen Teilhabe geschaffen zu haben. Die Zahl der Nutzer ist laut Manfred Hellwig ständig gewachsen, zuletzt besonders durch die Möglichkeit, das Deutschlandticket für 29 Euro pro Monat zu erwerben. Die Initiatoren begrüßen die städtischen Überlegungen, den Sozialausweis künftig als App anzubieten. Regensburg hat für den Stadtpass im Vorjahr rund 963 000 Euro ausgegeben. Für dieses Jahr wird mit 1,02 Millionen Euro geplant. Es zeige sich aber bereits, dass durch die Kostensteigerungen im öffentlichen Nahverkehr wahrscheinlich bis Jahresende noch mehr benötigt werden wird, sagt Sprecherin Katrin Holzgartner. Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein betont: „Der Stadtpass ist ein wichtiges Angebot, um allen Menschen Zugang zu Mobilität, Kultur und Bildung zu ermöglichen. Wir bauen das Angebot deshalb ständig weiter aus.“
Theater für drei Euro?
Auf Betreiben des Armutsforums wurde auch der Landkreispass eingeführt, freilich ohne vergünstigtes Deutschlandticket. Manfred Hellwig betont, das Forum sehe Stadt- und Landkreispass als wirksames Mittel zur Armutsbekämpfung, das Betroffenen etwa Mobilität ermögliche. „Solange in Deutschland nicht die Ursachen von Armut behoben werden, brauchen wir Unterstützungsmöglichkeiten.“
Bürgergeldbezieher Leopold Schreiner (Name geändert) betont, er könne sich wegen der hohen Lebensmittelpreise keine Theaterkarte leisten, auch nicht, wenn sie nur 25 Euro koste. In der Schaubühne Berlin hat er ein Stück mit Schauspieler Lars Eidinger gesehen. Dort zahlen Menschen mit kleinem Geldbeutel drei Euro.