Ein Tiny House für Pflegebedürftige zeigt innovatives Wohnen am DEZ in Regensburg

Von Mittelbayerische Zeitung · 21. Oktober 2025 um 17:00

Vor dem Donaueinkaufszentrum in Regensburg steht noch bis zum 22. Oktober von 9 bis 15 Uhr ein kleines Häuschen, das einen Blick in die Zukunft der Pflege ermöglicht. Hierbei handelt es sich um das sogenannte „New Care Mobil“ (zu deutsch „Neue Pflege“), präsentiert und entworfen vom Team des Gesundheitscampus Bad Kötzting der Technischen Hochschule Deggendorf (THD).

Das Team reist von Mai bis November, in Form einer sogenannten „Roadshow“, durch Ober- und Niederbayern sowie der Oberpfalz. Vor Ort können alle Interessierten kostenfrei das Wohnmodul besichtigen und mit den Projektmitarbeitern sowie Stellvertretern der Abteilung Pflege des Seniorenamtes der Stadt Regensburg, ins Gespräch kommen.

Das Konzept

Das Tiny House kombiniert modernste Techniken aus dem Pflegebereich mit einer barrierefreien Bauweise, kurzen Wegen und innovativen Geräten, die den Alltag erleichtern. Dazu zählen unter anderem eine Sturzprävention, ein Herdwächter, ein Pflegebett mit Aufstehhilfe, ein Lift-WC, eine Dusche mit Körpertrockner, ein Deckenliftsystem sowie vieles mehr.

Das „New Care Mobil“ am Parkplatz des DEZ - Foto: Viola Wiesbauer

„Die Grundidee war, dass die Person, die in diesem Haus wohnt, so lange wie möglich komplett selbstständig leben kann“, sagt Stefan Lindner, Projektmitarbeiter. Zusätzlich sollen auch An- und Zugehörigen sowie Pflegefachkräfte entlastet werden.

Demonstrationsobjekt und Reallabor

Die Firma Wolf aus Osterhofen hat das Wohnmodul nach der Idee der THD gebaut - nicht mit dem Ziel des Verkaufs, sondern als Demonstrationsobjekt und Reallabor. Es soll zeigen, wie Menschen auf diese neue Wohnform reagieren und inwieweit sie bereit sind, dieses moderne Pflegekonzepte in ihren Alltag zu integrieren. „Wenn man zusammen in einem Haus wohnt und die pflegebedürftigen Personen dazuholt, kann es erfahrungsgemäß oftmals zu Konflikten kommen“, sagt Lindner. In dem Tiny House können die Menschen selbstständig leben und trotzdem Teil des Familienlebens sein.

Die Besucher sollen die Möglichkeit erhalten, die Innovation selbst auszuprobieren, um sich ein Bild davon zu machen, wie moderne Technologien den Pflegealltag erleichtern können. „Die Technik entwickelt sich so schnell weiter, daher ist es schön, die Möglichkeit zu haben, diese im Hochschulkontext zu sehen“, sagt Silvia Berthold vom Seniorenamt.

Finanzielle Umsetzung

Einige Geräte werden bereits von der Krankenkasse übernommen, sofern ein entsprechender Bedarf besteht. Das gesamte Tiny House wird derzeit noch nicht finanziell durch die Krankenkasse unterstützt, jedoch befindet sich dieses Thema bereits in aktiver Diskussion. Neben dem Kauf wird auch ein Leasing-Modell in Betracht gezogen. Die Fachstelle für Wohnen und Technik der Stadt Regensburg bietet bereits Beratungen zur Wohnraumanpassung und Wohnformen im Alter an.

Die Kombination aus analoger und digitaler Technik eröffnet neue Möglichkeiten, pflegende Angehörige und Fachkräfte im Alltag gezielt zu entlasten. So bleibt mehr Zeit für das, was in der Pflege wirklich zählt: Der direkte Dienst am Menschen. Technik soll dabei nicht ersetzen, sondern unterstützen.