Gift mitten in Chamer Familien-Wohngebiet gefunden: Polizei ermittelt

Ist in Cham wieder ein Hundehasser unterwegs? Am Galgenberg hat ein Hund jetzt offenbar ausgelegte Giftpäckchen erwischt – er musste zum Tierarzt. Die Besitzer haben Anzeige erstattet, bestätigt die Polizei.
„Wie krank ist die Welt?“, fragt sich Silke K. seit Montag. Der kleine Hund ihrer Eltern, den sie und ihr Freund mehrmals in der Woche bei sich am Galgenberg zu Besuch haben, hat mittags beim Spielen hinter dem Haus plötzlich etwas im Maul. „Mein Freund hat sie gleich hergerufen und ,Aus‘ gerufen, aber Luna hatte das Päckchen schon mit den Zähnen durchstoßen“, beschreibt K. den Vorfall. „Weil wir ja nicht wussten, was sie vielleicht schon erwischt hat, sind wir sofort zum Tierarzt“, erklärt die Chamerin. Dort wird Luna mit einer Spritze dazu gebracht, ihren Mageninhalt zu entleeren. „Jetzt hoffen wir einfach, dass alles gut geht“, sagt K.
Zettel mit Warnung in Nachbarschaft verteilt

Noch am Montagnachmittag verteilt sie in der Siedlung Zettel mit Warnungen, läutet bei allen Hunde- und Tierbesitzern in der Nachbarschaft. „Und gerade als ich damit fertig war, ruft die Nachbarin gegenüber mir zu, dass sie auch ein blaues Päckchen gefunden hat. In ihrem Vorgarten. Das Päckchen war an einer Seite sauber aufgeschnitten, dass das Granulat frei lag.“ Auch die Nachbarin hat einen Hund, einen Labrador. „Ganz lieb, ist nicht laut, tut niemandem was. Wie Luna“, ist K. fassungslos.
Als sie mit ihrer Tochter zur Polizei nach Cham fährt, entdeckt die 17-Jährige noch ein weiteres Plastiksäckchen an der Grundstücksgrenze bei der Garage. Diesmal war der Beutel bereits sichtbar angefressen. „Wer weiß, wie viele solche Tütchen noch irgendwo herumliegen“, befürchtet K. Zumal sie sicher ist: „Das kann alles kein Zugfall sein. Um zu uns in den Garten hinter dem Haus zu kommen, muss man dicht an der Garage vorbei und dann hinten über den Zaun steigen. Oder man muss den Garten komplett umrunden. Da kommt man nicht einfach so zufällig hin.“ Die Tierliebhaberin ist sprachlos: „Das ist einfach nur abartig.“
Polizeibeamte rückten in Wohnsiedlung an
Am Montag rückten dann auch noch Beamte der Polizeiinspektion Cham zum Wohngebiet am Galgenberg aus. Die kleinen Beutelchen waren demnach auf mindestens zwei verschiedenen Grundstücken gefunden worden.
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Ähnliche Beutel werden in Baumärkten oder über Internetshops verkauft. Der Inhalt, wie auch auf den Beutelchen am Galgenberg zu lesen: Rodentizid. Rodentizide sind chemische Mittel zum Bekämpfen von Nagetieren wie Ratten und Mäusen. Das Gift wird häufig als Fraßköder angeboten und enthält Wirkstoffe, die die Blutgerinnung hemmen, so dass es eine innere Blutung verursacht. Der Einsatz dieser Mittel unterliegt strengen Regeln – wegen der hohen Gefährlichkeit auch für Menschen, Haustiere und Umwelt.
Gift ist auch für Mensch und Haustiere gefährlich
Bei der Anwendung von Coumatetralyl, was in den Beutelchen am Galgenberg offenbar zu finden war, ist auf Schutzmaßnahmen für Umwelt, Mensch und Nicht-Zieltiere zu achten. Wie ein Polizeisprecher bestätigt, werden die Beutel derzeit untersucht. „Die Ermittlungen sind noch am Anfang.“
Immer wieder sorgen Köderfunde im Landkreis für Aufregung unter Hundebesitzern. In der Vergangenheit wurden bereits präparierte Würstchen oder Thunfisch-Happen gefunden, mit Glassplitter oder Rasierklingen darin versteckt. Auch Giftköder wurden bereits desöfteren im Landkreis nachgewiesen. Ein Hund starb nach dem Fressen von mit Rasierklingen präparierten Ködern, die er auf der Gassirunde um einen Baggerweiher erwischt hatte. Ein Hundetrainer verlor vor sechs Jahren zwei seiner Hunde, nachdem ein Unbekannter in Wurststückchen versteckte Teppichmesser in seinem Garten ausgelegt hatte.
„Ich hoffe, dass die Leute in der nächsten Zeit besonders wachsam sind“, sagt K. „Unsere Luna lassen wir jetzt natürlich nicht mehr allein in den Garten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir nicht gleich bemerkt hätten, dass sie etwas erwischt hat.“