Erholung hinter Mauern in Cham: Hochwasserschutz soll Stadt auch attraktiver machen

Natürlich – es wird wieder eine Baustelle. Und zwar eine, die das Stadtbild lange prägen wird, zumal schon jetzt dort gebaut wird, wo frühestens ab 2028 der Hochwasserschutzbau für Stadellohe startet. Die Chamer scheinen sich daran gewöhnt zu haben – die Klagen darüber sind verhalten. Vielleicht auch, weil sie sich auf das freuen, was am Ende herauskommen könnte: eine neue Chamer Freizeitwelt am Wasser.
Eine Reihe von Ideen zum künftigen Stadtbild am Regen stellten jetzt die Landschaftsarchitektinnen des Büros Lichtgrün dem Stadtrat vor. Es gehe darum, die Mauern des Hochwasserschutzes hinter Grün und Kunst zu verstecken und mehr Lebensqualität durch den Schutzbau zu generieren, erläuterte Bürgermeister Martin Stoiber vorweg.
Eislauf und Volleyball an der Flutbrücke?
Lichtgrün-Chefin und Landschaftsarchitektin Ruth Fehrmann und ihre Mitarbeiterin Tatjana Arzmiller stellten ihre Visionen für die künftige Raumnutzung am Regen vor. Es gehe um die Sozialfunktion am Gewässer. „Es gibt viele Ideen, die umsetzbar sind“, so Tatjana Arzmiller. Überplant hat das Büro nicht nur die Stadellohe, sondern hat bei der Rossschwemme und dem Bernhard-Wicki-Wäldchen begonnen, um die gesamte Flusslänge entlang der Stadt zu nutzen.

An der Rossschwemme etwa sollen neue Stufen im Fluss einen Übergang schaffen. Zudem sei hier gut eine Kneippanlage denkbar. Das Wicki-Wäldchen lade zur Gestaltung eines Waldspielplatzes ein. Zwischen Schierer und Flutbrücke könne man sich im Winter eine Eislauffläche vorstellen, die im Sommer zum Beachvolleyballfeld wird, während gegenüber ein Stadtbalkon Erholungsraum bieten soll, so die Landschaftsarchitektinnen. Weiter oben am Fluss sehen die Fachplanerinnen einen Flößerpark, ähnlich der Flusslandschaft der Landesgartenschau in Furth im Wald, wo etwa Kanuten anhalten können. Dazu sollen Kunst und Licht die Mauern gestalten und ein Erlebnispfad einladen.
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Vom Wasserwirtschaftsamt stellten Abteilungsleiter Peter Jaud und Projektleiter Christof Volderauer den geplanten Bau vor. Fünf Schöpfwerke seien entlang der Schutzmauer geplant, die um die Ortsteile Stadellohe und Quadfeldmühle gebaut werden soll. Die Mauer schließt auch an die noch zu bauende neue Flutbrücke an, umkreist das Freizeitgelände über den Deich und endet an der B20, um sich auf der anderen Straßenseite ab der Scheurer-Kreuzung entlang der Janahofer Straße fortzusetzen, nach dem Netto-Markt über die Straße und den Parkplatz zu laufen bis zum Firmenparkplatz des Unternehmens Ludwig Schierer.
Neues Bauland entsteht
Hinter den Mauern verlaufe jeweils inne eine „Verteidigungsstraße“, um bei Hochwasser etwa Feuerwehrkräfte einsetzen zu können. Es gebe 14 mobile Verschlüsse, etwa bei Straßen, die zu betreuen seien. Innerhalb des geschützten Raums werde aus gut 11 000 Quadratmetern Grünland neues Bauland. Dafür werde in der Loiblinger Au eine große Flutmulde mit Aueninsel als Ausgleich angelegt.

Nirgendwo werde es durch den Schutz eine Verschlechterung für Anlieger des Flusses geben, betonte Volderauer. Bei den Grundstücken, die man für den Mauerbau erwerben müsse, gehe es meist um kleine Stücke. 33 private Besitzer seien betroffen. Größere Fläche brauche man nur von drei Besitzern – von den Firmen Max und Ludwig Schierer sowie vom Netto-Markt, wo die Mauer über den Parkplatz laufe. Hier gehe man jetzt in die Verhandlungen. Laufe alles ohne Verzögerungen, sei 2028 der frühestmögliche Baubeginn. Für Bürgermeister Stoiber passt das gut, denn dann sei die Flutbrücke und die neue Verkehrsführung fertig.
Fast 16 Millionen Euro Kosten
2002 war es das Jahrhunderthochwasser, das weite Teile der Stadt entlang des Regens absaufen ließ und die Planungen für einen künftigen Hochwasserschutz anstieß. Ein erster Bauabschnitt für den Floßhafen ist umgesetzt, ein zweiter soll nun frühestens ab 2028 für den Ortsteil Stadellohe am Eingang zur Innenstadt folgen. Dafür stellte das Wasserwirtschaftsamt jetzt weitere Detailplanungen, den Zeit- und Kostenplan vor.
Im Dezember wird der Baugrund der Mauern erkundet, aktuell finden bereits Vorgespräche zum nötigen Grunderwerb statt. 33 private Grundstücke braucht das Wasserwirtschaftsamt zum Bau. Steht die Finanzierung, gibt es eine Bürgerinfo und die Einreihung zur Planfeststellung, bevor frühestens ab 2028 gebaut werden kann. Kosten wird das Gesamtprojekt nach aktueller Schätzung etwa 15,6 Millionen Euro.