Bavarian-Rapperin Ria Reiser aus Mainburg jodelt in Japan – Fans kommen im „Kini“-Look

Die „First Lady des Bavarian Rap“ wird Maria „Ria“ Reiser genannt. Jetzt ging die Künstlerin aus Mainburg im Landkreis Kelheim fremd – sie jodelte, in Japan. Höhepunkt waren Auftritte bei der Expo in Osaka. „Zwei Dirndl hab’ ich jedes mal durchgeschwitzt“, erzählt sie. Der Einsatz lohnte sich: Die Japaner waren aus dem Häuschen. Sie kamen in Tracht und „Kini“-Outfit.
Die Hallertauerin hat ein flinkes Mundwerk. Sagt sie selbst. „Beim bairischen Rap braucht man einen schnellen Zungenschlag, beim Jodeln auch“, so die 45-Jährige. Dass sie mit Jodel-Reggae und -pop ihre gesangliche Laufbahn begann, wissen wenige. Auch Andi Starek wusste es nicht. Den Musiker aus Erding kennt Reiser aus einem Verein zum Erhalt der bayerischen Mundart.
„Heuer im Frühjahr war ein Treffen des Vereins und Andi erzählte mir von einer Anfrage für die Bayern-Tage bei der Expo“, berichtet Reiser, die sofort einbrachte: „I ko a jodln!“ Starek, der vor einigen Jahren die „Tokio Spitzbuam“, besetzt mit Japanern, gründete, ließ sich Hörproben von „Ria“ schicken. „Dann war ich dabei.“ Erfahrung für solche Gastspiele brachte sie von Auftritten im Hofbräuhaus Las Vegas und bei der Expo in Dubai 2022 mit.
Oktoberfest-Schlager auch im Repertoire
Freilich musste erst ein Programm eingespielt werden. „Ein Teil sollte Boarisch mit Jodeln sein, ein zweiter Oktoberfest-Schlager“, so Reiser. Starek trommelte Musiker zusammen, die sich „Stehmass Musi“ titulierten. Die Mainburgerin musste daheim zunächst wieder ihre Jodel-Kenntnisse auffrischen. „Das ist Mundakrobatik vor dem Herren: Kehlkopf- und Zungenschlag, Jodelmelodie und -sprache.“ In drei gemeinsamen Proben wurden die Lieder eingespielt.

Nach der Ankunft in Tokio war kaum Zeit, sich an die 35 Grad Celsius („Es herrschte eine Hitzewelle“) zu gewöhnen. Es ging unmittelbar weiter nach Moriya – Mainburgs Partnerstadt. Dort gab es den ersten Auftritt. „Die Einheimischen gingen voll mit, sie schunkelten, machten Polonaise und sangen mit. Das galt auch für die folgenden Konzerte“, sagt Reiser. Tags darauf wurde in Yokohama in einem Beer-Restaurant aufgespielt.
Mit dabei waren auch die „Tokio Spitzbuam“ sowie die japanische Jodlerin Miupis, die sich auch „Miss Oktoberfest“ nennt. „Von der Technik hatte sie ein super Niveau drauf, sie sang auch auf Bairisch.“ Dass es in Tokio einen Jodelclub gibt, zeigt die Freude der Japaner an der alpenländischen Sangeskunst. „Die Begeisterung spiegelte sich auch bei den Auftritten wider.“ Die Zuhörer kamen in Tracht, in Weiß-Blau, einer hatte eine Fahne mit Bild von König Ludwig II., dem „Kini“, um sich geschwungen, ein anderer trug einen Kimono geschürzt mit einem Deutschlandgürtel.

Eine Reise zum Berg Fuji hinterließ bei den Gästen „wunderschöne Eindrücke“. Besucht wurde auch ein Brauer, der vom Tegernsee stammt und sein Bier mit Fujiwasser herstellt. Auch ein Grüner-Tee-Bier bietet er an. „Das hat mir am besten geschmeckt“, sagt die Hallertauerin. In den Großstädten seien sie „stundenlang rumspaziert“. Überall fiel Reiser auf: „Es ist alles sauber, es läuft trotz Menschenmassen entspannt und mit gegenseitiger Rücksichtnahme ab.“
Jodel-Mantras und Selfies
Die Expo in Osaka war für die bayerischen Musiker schlicht ein Erlebnis. „Täglich kamen 250.000 Besucher, vor dem Deutschland-Pavillon standen die Menschen drei Stunden an.“ Dort traten Reiser und ihre Kollegen an drei Tagen in Folge jeweils zweimal auf. „Ich hatte drei Dirndl mitgenommen. Zwei habe ich bei den Auftritten durchgeschwitzt, das dritte hing zum Trocknen rum“, erzählt „Ria“. Die Fans gingen erneut voll mit. Selbst bayerische Jodel-Mantras, die Reiser anstimmte, kamen gut an. „Danach waren Fotos mit uns gefragt oder Autogramme.“
Nach zehn Tagen ging es zurück in die Heimat. „Bei mir blieb die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner hängen.“ Und als Liebhaberin asiatischer Küche hat die 45-Jährige die Zubereitung der Speisen imponiert. „Alles wird frisch gemacht, ist sehr hochwertig. Kein Wunder, dass die Menschen dort so alt werden.“

Ihre bajuwarischen Fans bekommen Ria Reiser wieder am 14. November zu hören. Sie tritt im „JUZE Greenhouse“ in Schrobenhausen auf. „Ich kehre natürlich zu meinem Bavarian Rap zurück. Aber ich werde auch Traditionelles und Jodel-Reggae einstreuen.“ Mit Akkordeon und Gitarre begleitet sie sich selbst. Als weiteres Projekt spricht sie derzeit Kinderbücher auf Bayerisch ein, bald zu hören auf Audible.
Musik werde sie weiterhin machen, blickt die alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern (11 und 10 Jahre) auch in die Zukunft. „Aber ich bin ganz ehrlich: Seit 25 Jahren bin ich am Start und kann gerade so davon leben. “ Aktuell betritt sie ein völlig neues Feld: den Finanz- und Investmentsektor. Sie kann nicht nur jodeln.