Nach 24 Jahren: Trains Bürgermeister will nicht mehr kandidieren – Das sind die Gründe

Von Lucia Pirkl · 18. Oktober 2025 um 19:00

Eigentlich hatte Gerhard Zeitler, Bürgermeister aus Train (Landkreis Kelheim), im Sommer noch angekündigt, bei der Kommunalwahl im März noch einmal kandidieren zu wollen. Jetzt hat er seine Meinung revidiert. Und das sind die Gründe dafür.

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Für die wichtigste Information des Abends ließ sich Bürgermeister Gerhard Zeitler Zeit. Ganz zum Schluss der Oktober-Sitzung, als achte Anmerkung beim Punkt „Informationen und Anregungen“, spricht er dann die wohl gewichtigsten Sätze, die Zeitler in seiner Zeit als Bürgermeister bis dato geäußert hat. „Nächstes Jahr bin ich 30 Jahre in der Gemeinde. Die Gemeinde liegt mir sehr am Herzen. 24 Jahre davon habe ich Verantwortung gehabt, und das habe ich gerne gemacht.“ Die Gemeinde stehe bestens da, die Weichen seien gestellt, „mein Ziel war es immer, die Gemeinde voranzubringen“, sagt er. Und dann kommt die Neuigkeit des Abends: „Ich habe mich entschieden, 2026 die Verantwortung zurückzugeben.“ Zeitler wird bei der Kommunalwahl im März nicht mehr kandidieren.

Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, beteuert er. Aber Dienstaufsichtsbeschwerden gegen ihn und diverse Anschuldigungen hätten ihm letztendlich den Abschied doch erleichtert. „Bis 2030 sind die wichtigsten Baumaßnahmen alle geregelt“, sagt ein bewegter Zeitler.

Parteikollegen bedauern den Schritt

Dass Zeitler nicht mehr kandidieren will, das wussten seine Parteifreunde freilich schon. Parteikollege Georg Niesl (Unabhängige Liste) ergreift daraufhin das Wort und sagt: „Dass du mit der Entscheidung ringst, wussten wir ja. Wir bedauern den Schritt sehr. Von unserer Seite wäre die Unterstützung gewiss gewesen.“ Niesl ließ Zeitlers Leistungen Revue passieren: In seine Zeit fielen unter anderem die Renovierung des Zehentstadls, die Erweiterung der Schule und des Kindergartens, der Bau des Bauhofs oder Regenrückhaltebecken. Die Rücklagen seien verdoppelt worden, „das sind grandiose Leistungen, auf die du stolz sein kannst“. Auch kulturell habe Zeitler viel geleistet. Niesl nennt etwa die Musikschule oder das Kreativforum Schlossplatz. „Man darf auch nicht vergessen, dass du von den 24 Jahren 18 Jahre keine Mehrheit hattest im Gemeinderat.“

Niesl könne nachvollziehen, wenn Zeitler sage, dass einmal Schluss sein müsse. „Es bleibt zu wünschen, dass künftig nicht der Kampf gegen den Bürgermeister im Vordergrund steht.“ Stephan Schmidt (Unabhängige Liste) fügte an: „Das ist nicht nur für die Gemeinde sondern auch für die VG Siegenburg ein Verlust.“ Und Zeitler antwortete: „Ich hoffe, die Bürger verstehen es. Auch ich habe nur ein Leben. Und in dieser Konstellation möchte ich nicht mehr weitermachen.“

Auch ich habe nur ein Leben. Und in dieser Konstellation möchte ich nicht weitermachen.Gerhard Zeitler

Dass es mitunter arg knirscht im Gebälk des Gemeinderats, das sieht man bisweilen schon ab der ersten Minute. Normalerweise ist der Punkt „Genehmigung des öffentlichen Teils der Niederschrift aus der letzten Sitzung“ eine reine Formalität. In vielen Gemeinderatssitzungen wird dieser Punkt schnell abgehakt. In Train wollte Armin Stiegler (CSU) die Niederschrift so nicht stehen lassen. „Über die Notwendigkeit des Wasserzulaufs wären wir in der Januar-und Julisitzung informiert worden. Ich habe nachgeschaut, das steht nicht drinnen in den Protokollen.“ Zeitler hielt dagegen, er habe darüber informiert. Franz Obermeier (CSU) meinte, in der Julisitzung sei kein Ton darüber erwähnt worden. Zeitler verwies erneut darauf, dass er es gesagt habe und fügte etwas genervt hinzu: „Wenn ihr es nicht gehört habt, ist es mir auch egal.“ Obermeier wollte eine erneute Abstimmung über die Niederschrift. Drei lehnten die Genehmigung ab.

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Auch der zweite Punkt auf der Tagesordnung beanspruchte Einiges an Zeit. Eigentlich sollte nur eine Bauvoranfrage behandelt werden. Im Bauausschuss habe man das Vorhaben eines Münchners, der das besagte Grundstück im Übrigen noch gar nicht gekauft hat, bereits besprochen. Der plane, ein Gebäude zu erstellen, das die gesetzlich vorgesehenen sieben Meter Bauabstand zum Nachbargrundstück unterschreiten würde. In einer Voranfrage wollte der Bauwillige wissen, ob sein Plan überhaupt von der Gemeinde genehmigt würde. Zeitler meinte: „Das ist einfach zu viel der Überschreitung.“ Man sehe direkt ins Nachbargrundstück rein.

Nachbarschaft anhören

In der anschließenden Diskussion ging es darum, ob man mit einem gemeindlichen Placet nicht Begehrlichkeiten wecke, ob es genüge, die Nachbarn unterschreiben zu lassen, um das gemeindliche Einvernehmen erteilen zu können. Stiegler mahnte an, die nachbarschaftliche Beteiligung sei wichtig, die müssten der Grenzüberschreitung zustimmen.

Tanja Dirscherl (Unabhängige Liste) fand, dass man doch als Gemeinde gleich sagen könnte, man sei dagegen und nicht erst den letztendlichen Bauantrag abwarten solle, wenn man das Vorhaben ohnehin schon kritisch sehe.

Auch Zeitler mahnte, es nicht den Nachbarn zu überlassen, sondern selbst zu entscheiden. Stiegler pochte noch einmal auf die nachbarschaftliche Beteiligung. Einstimmig einigte man sich dann darauf, dass die Gemeinde die Erlaubnis nur erteilen kann, wenn die Nachbarschaft der Überschreitung der Baugrenzen zustimmt, und zwar schriftlich. Eine Garantie für eine künftige Baugenehmigung ist das freilich nicht.