Freie Wähler kritisieren CSU und Kelheimer Landrat heftig

Von Roland Kugler · 17. Oktober 2025 um 15:00

Dass Saals amtierender Bürgermeister Christian Nerb von den Freien Wählern seinen Sessel im Rathaus gegen den im Landratsamt tauschen möchte, gab er bereits bekannt. Jetzt nominierte ihn seine Partei offiziell und einstimmig zum Kandidaten für die Landratswahl am 8. März. Die Stimmung bei den Freien Wählern ist optimistisch und aufbruchsvoll: Nerb skizzierte seine wichtigsten Ziele, und startete einen Frontalangriff auf den amtierenden Landrat.

„Wir brauchen frisches Blut, und einen guten neuen Landrat“, sagt Ludwig Wachs, stellvertretender Landrat, bei der Nominierungsversammlung im Saaler Gasthaus in der Heide. „Die CSU sagt immer nur: Wir müssen. Wir müssen das Gymnasium in Rohr kaufen, wir müssen die Kaiser-Therme verkaufen, wir müssen die Sparkasse fusionieren, wir müssen das Mainburger Schwimmbad zusperren“, sagt Dennis Diermeier, Vorstand der Freien Wähler. Das stimme jedoch alles nicht, und damit es anders werde und mit der Politik im Landkreis wieder bergauf gehe, brauche es einen neuen Landrat, nämlich Christian Nerb.

Auch Hubert Faltermeier, vor Neumeyer selbst 24 Jahre lang Landrat in Kelheim und anschließend für die Freien Wähler im Landtag, warb für Nerb. Er stehe für Bodenständigkeit, Bürgernähe und Sachverstand, Das seien „Garanten, die die Freien Wähler zu einer gestaltenden Kraft gemacht haben, und in der aktuell schwierigen Zeit für den Landkreis gebraucht werden“, sagt Faltermeier. Unterstützung für Nerb gab es nicht nur von der Prominenz, sondern auch von der Parteibasis: Alle 62 Stimmberechtigten votierten in geheimer Wahl für Christian Nerb als Landratskandidaten. Der hatte zuvor in seiner Rede Martin Neumeyer, der erneut Antritt und Landrat bleiben möchte, heftig kritisiert, und die Versammelten zu Jubel und stehendem Applaus hingerissen.

„Es ist ein Ausverkauf des Landkreises festzustellen“, sagt Nerb. Als Beispiele führt er die Schließung des Mainburger Hallenbads an und den Verkauf der Bad Abbacher Kaiser-Therme. Diese sei die jüngste von allen bayerischen Thermen und habe das geringste Defizit, trotzdem werde eine Sanierung abgelehnt. „Das geht nur, weil der Bürgermeister in Bad Abbach und der Landrat bei der CSU sind“, sagt Nerb. Diese habe im Kreistag die Mehrheit, noch, sagt Nerb. Deshalb bekomme der Markt Bad Abbach auch 1,25 Millionen Euro vom Landkreis geschenkt, obwohl dieser hoch verschuldet sei.

Auch gegen die Zurückstufung des Mainburger Krankenhauses will sich Nerb als Landrat einsetzen. „Wir wollen unbedingt, dass dort weiterhin eine Notfallmedizin angeboten wird. 43 000 Menschen werden von ihr in und um Mainburg versorgt. Es darf nicht sein, dass jemand, der sich in den Finger schneidet oder eine Platzwunde hat, dreißig Kilometer nach Pfaffenhofen fahren muss“, sagt Nerb.

Geld könne anderswo eingespart werden – beispielsweise beim geplanten Neubau der Förderschule Thaldorf. Diese solle in Kelheim neben dem Keldorado entstehen, dabei sei ein Neubau in Thaldorf wesentlich günstiger. Auch der Austausch der Geschäftsführung im Kelheimer Krankenhaus habe den Landkreis viel Geld gekostet. Nerb wirft dem Landrat zudem grundsätzlich fehlende Kommunikation und schlechten Umgang vor, zum Beispiel bei der geplanten Fusion der Kelheimer Sparkasse mit Ingolstadt. Nachdem diese gescheitert war, sei Neumeyer verärgert gewesen und zwei Vorstandsmitglieder, die sich kritisch geäußert hatten, seien abberufen worden.

Auch Gabi Schmid und Ernst Ranftl, die für die Freien Wähler für den Kreistag kandidieren und im Landratsamt arbeiteten, kritisierten den Landrat. „Ich weiß, was für ein Chaos wir im Landratsamt momentan haben. Es geht keiner mehr gerne rein“, sagt Ranftl. „Ich will ein Landrat sein, der die Menschen mitnimmt. Ich will mit dem Personal reden, in die Gemeinden hinaus gehen, informieren und Rede und Antwort stehen. Es kann nicht sein, dass sich ein Landrat in Mainburg nicht mehr sehen lassen kann“, sagt Nerb.