Breite Mehrheit für Elly-Maldaque-Schule in der Regensburger Innenstadt

Die Von-der-Tann-Grundschule soll künftig Elly-Maldaque-Grundschule heißen. Das Ergebnis der Abstimmung im Bildungsausschuss des Regensburger Stadtrats am Donnerstag über die Umbenennung der Von-der-Tann-Grundschule im Stadtzentrum nach der 1930 aus dem Schuldienst entfernten Lehrerin Elly Maldaque war ein klares. Die Debatte davor aber war hitzig. Die CSU hatte es im Vorfeld als „völlig irre“ bezeichnet, eine Schule nach einer „Kommunistin“ zu benennen. Nun bekam sie die Quittung dafür.
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) sagte zu Beginn: Den Punkt auf die Tagesordnung zu setzen, sei „kein Irrsinn und kein Wahnsinn von mir, sondern ganz einfach ein ganz normaler Vorgang im gesetzlichen Ablauf“. Die Schule habe die Umbenennung beantragt, nun habe sich die Stadt damit zu befassen, dann die Regierung.
SPD-Stadtrat Alexander Irmisch erklärte: „Mit der geplanten Umbenennung wird eine junge Frau, die sich auch sozial engagierte und sich eben nicht mit der sozialen Not der Menschen in unseren Stadt zufriedengeben wollte, gewürdigt, und an ihr Wirken als Lehrerin und das Unrecht, das ihr mit einer rechten Hetzkampagne widerfuhr, erinnert.“ Er fragte die CSU, welcher Teufel sie geritten habe, „das damalige Opfer erneut zu diffamieren?“ Es habe keine Belege für eine Mitgliedschaft Maldaques in der kommunistischen Partei gegeben, sondern nur Kontakte.
Für Schwächere da
Brücke-Stadtrat Thomas Mayr sagte in Anlehnung an einen Ausspruch von CSU-Fraktionschef Michael Lehner: „Ich finde es völlig irre, dass man auf den Gedanken kommt, dieses in unseren Zeiten sensible Thema für seinen perfiden Wahlkampf zu missbrauchen.“ Die sehr fortschrittliche Pädagogin Maldaque habe sich um Schwächere gekümmert, was ihr zum Verhängnis geworden sei. Er kritisierte die CSU mit den Worten: „Ihr führt diese Diffamierung und Schändung, die bereits in der Weimarer Republik ein Skandal war, im Jahre 2025 ungeniert fort.“ Die gesamte Schule stehe hinter der Umbenennung, das sei „kein Schnellschuss“. Theresa Eberlein (Grüne) gab ihm recht. Sie ergänzte: „Ich finde es entsetzlich, dass es an dieser Stelle nach wie vor auch Kräfte gibt, die der Diffamierungskampagne von vor etwa 100 Jahren auch heute noch auf den Leim gehen. “
Als AfD-Stadtrat Thomas Straub die Debatte mit den Worten kommentierte: „Man merkt, da kochen schon die Emotionen hoch“, sorgte er für Lacher im Ausschuss. „Mit der Umbenennung erfolgt auch eine gewisse Diskreditierung des Ludwig von-der-Tann“, so erklärte er seine Stimme gegen Elly Maldaque. Von-der-Tann war ein gegen die Franzosen siegreicher General.

CSU-Stadträtin Bernadette Dechant verwies darauf, dass es immer wieder – gescheiterte – Versuche gegeben habe, die Schule, eine Straße oder das Theater an der Uni nach Maldaque zu benennen. Das zeige: „Das Thema ist ideologisch aufgeladen. Und es eignet sich nicht für eine sachlich-fundierte demokratische Erinnerungskultur, die verbindet statt spaltet.“ Die Quellenlage belege, dass Maldaque „total überzeugt als Kommunistin“ gewesen sei. „Der Kommunismus in seiner Umsetzung ist kein Vorbild für unsere Kinder.“ Die Ideologie habe Millionen Opfer gefordert. Die Umbenennung sei „linke Symbolpolitik“, „politisch verantwortungslos“. Kerstin Radler (Freie Wähler) sagte, sie habe auf den Rat der CSU hin Wikipedia konsultiert, sei allerdings zur Überzeugung gekommen: „Für Maldaque hieß Kommunismus vor allem, zu einem liebevollen und selbstlosen Menschen zu werden.“
Rehabilitiert vom Ministerium
ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner verwies wie mehrere Vorredner auf die Rehabilitierung Maldaques im Jahr 2023 durch das schon damals FW-geführte Kultusministerium. Irmgard Freihoffer (BSW) erklärte, Kommunismus könne auch bedeuten, dass das Gemeinwohl einen höheren Stellenwert habe. Auch Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) nannte die Umbenennung nach einer Lehrerin „passend“.
Andrea Kasperbauer, Rektorin der Von-der-Tann-Grundschule, sagte nach der Entscheidung, sie sei „schon froh“. Es sei nicht das Ziel gewesen, dass der Wunsch der Schulfamilie politisiert werde. Es gehe dabei auch darum, dass Frauen die Hauptarbeit im pädagogischen Bereich leisteten, das aber nicht in dem Maße gewürdigt werde. Elly Maldaque sei „ein Symbol dafür, was einem Menschen passieren kann in Zeiten, in denen es keine Meinungsfreiheit gibt, keine Gleichberechtigung und keine Toleranz“.