Kulturkampf im Stadtrat: Darf sich Regensburger Schule nach „Kommunistin“ benennen?

Von Juliana Ried · 10. Oktober 2025 um 05:00

Im Stadtrat steht der nächste Kulturkampf an. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und Bildungsreferentin Sabine Kellner-Mayrhofer schlagen am Donnerstag dem Bildungsausschuss vor, die Von-der-Tann-Grundschule am Rande der Innenstadt auf Wunsch der Schulfamilie umzubenennen in „Elly-Maldaque-Grundschule“. CSU-Fraktionschef Michael Lehner sagt: „Ich finde das völlig irre, dass man auf den Gedanken kommt, nach einer Kommunistin eine Schule zu benennen.“

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Die Schule dagegen sieht die 1930 aus dem Dienst entlassende Lehrerin Elly Maldaque als „Opfer einer von rechtsextremen Kreisen lancierten Kampagne“ – und beruft sich damit auf das Kultusministerium. Lehrer, Eltern- und Schülervertreter hätten sich einstimmig für den neuen Namen ausgesprochen, heißt es in dem Protokoll von Rektorin Andrea Kasperbauer, das der Beschlussvorlage für den Bildungsausschuss ebenso beiliegt wie eine Begründung des Anliegens.

Rektorin: Leistung von Frauen in der Pädagogik muss gewürdigt werden

Darin schreibt Kasperbauer: Es gebe in Regensburg keine staatliche Schule, die nach einer weltlichen Pädagogin benannt sei, obwohl Frauen im Lehrberuf deutlich überrepräsentiert seien. Damit werde die Leistung von Frauen in der Pädagogik nicht wertgeschätzt beziehungsweise sogar ignoriert. „Da Elly Maldaque zehn Jahre an der Von-der-Tann-Grundschule unterrichtete und von Kindern wie Eltern sehr geschätzt wurde, bietet sich ihr Name für die Schule an.“ Ihre Entlassung habe auf nicht-beweisbaren Vorwürfen beruht, schreibt Kasperbauer – und verweist darauf, dass Kultusminister Michael Piazolo Maldaque 2023 rehabilitiert habe.

Tatsächlich beantwortete der damalige Minister Piazolo ein Schreiben des Regensburgers Kurt Raster, der die „Wiederherstellung der Ehre“ von Maldaque forderte, unter anderem mit den Worten: „Die Begleitumstände, die zu ihrer Entlassung führten, sind dubios; insbesondere die Rolle der Wegbereiter des nationalsozialistischen Terrorregimes ist unsäglich und deutet darauf hin, dass Frau Maldaque Opfer einer von rechtsextremen Kreisen lancierten Kampagne geworden ist.“ Ihm sei wichtig, „dass auch unsere Schülerinnen und Schüler von den Verbrechen der Vergangenheit erfahren und daraus Lehren für unsere Gegenwart ziehen“.

Die Von-der-Tann-Schule erklärt auf ihrer Internetseite, Elly Maldaque habe eine enge Freundin gehabt, die der kommunistischen Partei angehört habe, sei aber selbst nie Mitglied gewesen – was Lehrern verboten war. „Sie wurde Opfer der damaligen politischen Verhältnisse“, heißt es dort.

CSU-Fraktionschef Lehner sagt: Sicher sei Maldaque ein Opfer gewesen – wie viele andere auch – aber eben auch eine Kommunistin. „Der Kommunismus ist kein Vorbild für Schüler. Die Ideologie dahinter ist menschenverachtend und absolut tödlich. Was die Oberbürgermeisterin reitet, so eine Vorlage zu unterschreiben, ist mir schleierhaft.“

Oberbürgermeisterin: Elly Maldaque war Opfer eine Kampage

Die OB sagt, die Frage, ob das Thema auf die Tagesordnung komme, habe sich angesichts der klaren Regeln für eine Schulumbenennung nicht gestellt. Abgesehen davon stehe sie dem Wunsch „absolut positiv“ gegenüber. Maldaque sei Opfer einer Diffamierungskampagne gewesen. „Ich finde es großartig, wie sich die Schulfamilie dafür einsetzt, dieser Frau ein Denkmal zu setzen.“ SPD-Fraktionschef Thomas Burger nennt die Kritik der CSU „gefährlich, weil es dazu dienen könnte, dass man diese Diffamierung von damals verharmlost“. Maldaque sei sozial sehr engagiert gewesen, habe sich für kommunistische Ideen interessiert, aber nie politisch agitiert. Auch von den beiden anderen großen Fraktionen im Stadtrat bekommt die Schule Rückendeckung. Daniel Gaittet (Grüne) sagt, seine Fraktion unterstütze ihren Vorschlag, über den er sich sehr gefreut habe. Freiherr von der Tann sei als General ohne Bezug zu Regensburg ein „sehr zweifelhafter Namensgeber“. Thomas Thurow (Brücke) erklärt: „Wenn die Schulfamilie das gerne möchte, haben wir damit überhaupt kein Problem.“

Zimmi Zimmermann, Elternbeiratsvorsitzende der Schule, kommentiert die Haltung der CSU-Fraktion mit den Worten, der neue Name sei „Ausdruck einer aktiven Erinnerungskultur und Würdigung der Opfer demokratiefeindlicher Anschauungen“. „Die Umbenennung sendet daher gerade in Zeiten zunehmender rechtsextremistischer und antidemokratischer Umtriebe ein wichtiges und starkes Zeichen für Gleichberechtigung, Toleranz und Demokratie.“

Zur Person Elly Maldaque

Forschungsstand: Dem Literaturportal Bayern zufolge zeigen neueste Forschungen zu Elly Maldaque, „dass ihr die Gnadenlosigkeit eines autoritären Obrigkeitsstaates zum Verhängnis wurde, der den Nationalsozialismus möglich machte“.

Schicksal: Nach der Entlassung aus dem Schuldienst stand Maldaque, die nicht verheiratet und verbeamtet war, vor dem Nichts; sie kam mit Verfolgswahn in die Heilanstalt Karthaus-Prüll und starb mit 36 an Lungenentzündung und Herzinsuffizienz.