Die Zahl der Passanten sinkt deutlich: Die Regensburger Altstadt steht unter Druck

Die Zahl der Passanten im Welterbe sinkt deutlich – Größter Konkurrent ist das Donau-Einkaufszentrum im Regensburger Norden: Bald mit dem Modemagneten Primark
Die Gesandtenstraße hat stets zu den beliebtesten Flaniermeilen gehört. Und auf dem zentralen Haidplatz mit den Freisitzen tummeln sich an Sommersamstagen gewöhnlich Hunderte Menschen. In diesem Jahr aber ist der Immobilienmakler Roland Trummer, der mit seinem Team alle zwölf Monate die Passanten in der Altstadt zählt, erschrocken. In der Einkaufsstraße ist die Frequenz um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken und auf dem historischen Platz sogar um 20 Prozent. Deutlich zugelegt hat nur die südliche Maxstraße.
„Das ist eine Stichprobe“, kommentiert Maria Müller vom Kaufleute-Verein Faszination Altstadt die Juni-Zählung, deren Ergebnis Trummer vor wenigen Tagen bekanntgegeben hat. „Ich finde es schwierig, daraus eine fundierte Aussage abzuleiten.“ Denn viel hänge vom Wetter oder der Zahl der am Donau-Ufer liegenden Kreuzfahrtschiffe ab. Die Altstadtmanagerin verweist auf das Herbstfest vom letzten Wochenende. Von den Geschäftsleuten habe sie durchwegs positive Rückmeldungen erhalten. Freilich zählt Trummer stets an Samstagen ohne Großveranstaltung.
Sparen die Leute?
Maria Müller räumt ein: „Die Frequenz könnte besser sein. Ganz klar.“ An gut besuchten Samstagen vor Corona seien nach Hochrechnungen bis zu 30.000 Menschen im Welterbe unterwegs gewesen. „Doch Kaufkraft und Frequenz haben das Vor-Corona-Niveau nicht mehr erreicht.“ Dabei gibt es etliche neue Läden: Frauenzimmer Curvy und Frida in der Unteren Bachgasse, Raubirl Hinter der Grieb, Violas Delikatessen in der Brückstraße, Gloria Peterssons Modegeschäft in der Neue-Waag-Gasse. Auch hält Regensburg mit hochkarätigen Veranstaltungen dagegen, vom Jazzweekend bis zum DillyDally Designmarkt.
„Die Leute halten ihr Geld zusammen“, urteilt Müller. Die Industrie spart Jobs ein. Das und die politische Großwetterlage verunsichere.
Die Altstadt ringt aber auch mit zwei starken Konkurrenten: dem Donau-Einkaufszentrum (DEZ) und den Arcaden. Im Februar beschäftigte sich der Stadtrat mit einer Studie der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung. Demnach hat das DEZ nach der Kaufhofschließung die Altstadt als größten Einzelhandelsstandort abgelöst. Das DEZ leidet im Gegensatz zum Stadtzentrum kaum unter Leerständen. Die zwei Prominentesten füllen sich demnächst. Die Modekette Primark, die auch Beautyprodukte und Accessoires verkauft, wird Anfang Dezember eine 2400 Quadratmeter große Filiale eröffnen. Das DEZ biete mit seiner hohen Frequenz, guten Erreichbarkeit und dem Branchenmix ein attraktives Umfeld, sagt die Geschäftsführerin von Primark Deutschland, Sandra Luxem-Bremen.

DEZ-Geschäftsführer Thomas Zink freut sich sehr über den Neuzugang, der weitere Kundengruppen anziehen soll. „Primark strahlt in die Region aus“, sagt er. „Wir bekommen täglich Anfragen, wann die Eröffnung ist.“ Auch für Landspezialitäten Kruschwitz gibt es einen Nachfolger: Pizzeriabetreiber Enzo Perrupato wird an dem zentralen Stand bald italienische Feinkost offerieren. Der Schuster Rapid Key & Go wiederum erweitert.
Samstags 40.000 Besucher
Thomas Zink ist zufrieden mit den Besucherzahlen. „Es läuft stabil.“ An einem hervorragend frequentierten Samstag strömen bis zu 34.000 Kunden ins Donau-Einkaufszentrum.
Center Managerin Maxi Thea Frank von den Arcaden ist ebenfalls zufrieden mit der Frequenz. Im Sommer gab es eine Flaute, doch seit August legen die Kundenzahlen wieder zu. Vor kurzem hätten an einem Spitzensamstag 40.000 Menschen in dem Shoppingcenter eingekauft oder gegessen. Frank meint, dass das an der Bahnhofs- und Universitätsnähe liegt. Aber natürlich ziehen auch die Marken für jüngere Zielgruppen: Zara, Bershka. Pull&Bear und H&M. Dass Modefilialist Mango von der Altstadt in die Arcaden gewechselt ist, kommt der Managerin entgegen. Die Arcaden wollten auch Kundinnen mittleren Alters mit mehr Kaufkraft anziehen. Für die vier Leerstände haben bereits Interessenten angefragt. Die Gastro-Ecke beim Eingang auf der Bahnhofsseite wandelt sich. Metzger und „Nordsee“ haben aufgehört. Deutsches, panasiatisches und indisches Fastfood folgen.
Natürlich haben Einkaufszentren attraktive Aspekte: Einheitliche Öffnungszeiten, Unabhängigkeit vom Wetter, exzellente Erreichbarkeit, viele Branchen an einem Ort plus Post und Apotheke. Dennoch kann die Altstadt hoffen: Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern sagt, der Bau von Einkaufszentren habe im Freistaat 2024 stark nachgelassen. „Der Trend: Dorthin gehen, wo das Leben ist. Einen Cappuccino mit Blick auf den Dom trinken, das macht in der Innenstadt mehr Spaß.“ Genauso die Weihnachtsmärkte. Doch diese Anziehungskraft müsse „ausgespielt werden“. Citymanager müssten für Feste, Freisitze und Sauberkeit sorgen.
Maria Müller betrachtet das Welterbe als Gesamterlebnis. „Wir ergänzen uns mit den anderen Standorten.“ Hier gibt ihr Ohlmann recht. Doch das Verhältnis muss immer wieder austariert werden.