Kelheims Ärzte von morgen: Zwei Brüder gehören zu den ersten Landkreis-Stipendiaten

Von Martina Hutzler · 15. Oktober 2025 um 19:00

Anderen Menschen helfen, Faszination für das Naturwunder Mensch: Mit solchen Motiven sind fünf junge Erwachsene ins Medizinstudium gestartet. Und erhalten künftig finanzielle Hilfe vom Landkreis Kelheim – weil sie hier später dann auch praktizieren wollen. Wir stellen die ersten Landkreis-Stipendiatinnen und -Stipendiaten vor.

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Der Treffpunkt fürs Gespräch mit Jonas (19) und Felix (22) Muggendorfer liegt nahe: Im Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas absolviert Jonas gerade einen Teil seines „Pflegepraktikums“, bevor sein drittes Semester startet. Drei Monate lang lernen angehende Mediziner die Perspektive der Pflegekräfte im Krankenhaus kennen, sammeln Stationserfahrung. Sein älterer Bruder hat das schon hinter sich, hat schon das erste Staatsexamen in der Tasche und sein erstes ärztlich geprägtes Praktikum („Famulatur“) absolviert, in der Kardiologie. Beide Brüder sind sich sicher, dass Medizin die richtige Berufswahl ist und dass sie diesen Beruf später in ihrer Heimat ausüben wollen.

Früh hineingeschnuppert

Hier, in Kelheim, ist bereits ihr Vater niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin. „Mich hat fasziniert, was der Papa so macht“, erinnert sich Jonas – Gelegenheiten wie eine Impfung nutzte er als Kind, um sich die Praxis mal genauer anzuschauen. Den Ausschlag gab bei ihm ein Praktikum in der Schulzeit: Nach einer Woche in einer (anderen) Praxis war die Berufswahl entschieden. Sein Bruder hat die Materie noch ausführlicher erkundet.

Felix „wollte nach dem Abi nicht gleich studieren“ und schob ein Jahr Bundesfreiwilligendienst beim Roten Kreuz dazwischen, das er für die Ausbildung zum Rettungssanitäter nutzte. Sie konfrontierte ihn mit unterschiedlichsten Einsätzen, Diagnosen und Behandlungsoptionen: „sehr facettenreich!“ Mit Menschen zu arbeiten, ihnen zu helfen, das gab für ihn den Ausschlag bei der Berufswahl. Über die Möglichkeit, an der Uni Regensburg zu studieren, sind beide heilfroh: „Wir sind schon sehr mit der Heimat verwurzelt!“ Und das ziemlich bodenständig.

Felix ist in Kelheimwinzer Jugendwart bei der Feuerwehr und Organist der Pfarrei. Jonas kickt beim ATSV, fährt in Kelheim Mountainbike und ist beim TC Rot-Grün Mitglied. Unter der Woche Studentenleben und der Austausch mit Studierenden aus In- und Ausland; am Wochenende mit der „alten“ Clique in und um Kelheim aktiv sein: Das sehen beide als ideale Kombination.

Entsprechend empfinden sie eine wesentliche Vorgabe des Stipendiums nicht als Bürde, sondern als erhoffte Perspektive: Für die 400 Euro monatlichen Zuschuss müssen sie sich verpflichten, nach der Facharzt-Ausbildung im Landkreis Kelheim zu praktizieren (siehe Info). Auch die Einschränkungen bei den Fachrichtungen, auf die man sich später spezialisiert, sind für die Brüder akzeptabel: Es sei ja sinnvoll, dass der Landkreis damit einem voraussichtlich drohenden Ärztemangel gegensteuert.

Für beide ist derzeit die Option „Hausarzt“, also Allgemeinmedizin, der Favorit – auch und gerade weil man sich nicht auf ein Spezialgebiet festlege: „Man sieht täglich die unterschiedlichsten Krankheitsbilder und kann Menschen in verschiedensten Bereichen helfen – entweder gleich selbst, oder indem man sie bei Bedarf zum Spezialisten oder ins Krankenhaus schickt“, begründet Jonas.

Zufriedenheit ist wichtiger als Verdienst-Maximierung

Dass die Verdienst-Aussichten womöglich in manchen Spezialgebieten besser wären, ist für die beiden kein Kriterium. „Man verdient auch als Allgemeinarzt genug, und das Wichtigste ist, mit dem eigenen Beruf zufrieden zu sein.“ All das haben beide im Bewerbungsschreiben und dann -Gespräch erläutert – offenbar überzeugend für das Auswahlgremium.

Die daraus resultierende Finanzspritze erleichtere das Studium deutlich, bestätigen die Brüder. Allein die Kosten fürs Pendeln nach Regensburg seien hoch. „Und neben Studium, Lernen und Praktika kann man nicht allzu viel jobben“, sagt Felix, der seine Kasse ab und an mit einer Rettungsdienst-Schicht aufbessert.

Die „Unmengen an Stoff – es gibt ja so viele Fächer und Spezialgebiete, die alle mal behandelt werden müssen“ – sind, samt zugehörigen Prüfungen, die erste Hürde, die beide zu bewältigen haben. Dazu die vorgeschriebenen Praktika, die drei Staatsexamina und danach die Facharzt-Ausbildung: Insgesamt zehn Jahre lang muss der Landkreis Kelheim warten, bis sich seine Investition in Studierende medizinisch „auszahlt“.

Drei weitere Stipendiaten

Neben den Brüdern Muggendorfer sind drei weitere Studierende im neuen Medizinstipendienprogramm des Landkreises Kelheim aufgenommen worden:

Ines Krottenthaler studiert an der Martin-Luther-Uni in Halle Medizin, demnächst 3. Semester. Im heimischen Bad Abbach hatte ihre Mutter in der MZ vom Stipendium gelesen und es der Tochter erzählt. „Mich hat der regionale Aspekt begeistert“, denn später will die 19-Jährige „zurück in den Landkreis Kelheim“, wo die Familie lebt. Fürs Pflegepraktikum war Ines am Krankenhaus Kelheim, in der Inneren Medizin und Kardiologie. Letzteres ist ihr Favorit, seit sie als Zehntklässlerin ein „Science Camp“ der OTH zur Herz-Physiologie mitgemacht hat. „Ich könnte mir auch gut vorstellen, hier im Krankenhaus zu arbeiten.“ Das Geld aus dem Stipendium helfe ihr sehr: Neben dem Lebensunterhalt sind „vor allem die Medizin-Bücher fürs Studium sehr teuer.“

Phillip Richard Berger sieht die 400 Euro monatlich ebenfalls als „große Hilfe“ und Entlastung der Eltern, zumal auch sein Bruder studiert. Zugleich bietet ihm das Stipendium die Perspektive „back to the roots“: Die ersten zehn Lebensjahre hat er in Bayern verbracht; seine Eltern sind mittlerweile hier im Landkreis wieder als Ärzte tätig. Und auch Phillip kann sich später ein Leben mit Familie „am Land“ gut vorstellen. Aktuell studiert er in Dresden, im demnächst 7. Semester. Noch hatte er an der Uni nicht alle Fachgebiete, „aber Allgemeinmedizin und auch Psychiatrie finde ich spannend“. Von daher sieht er auch in der mit dem Stipendium verbundenen fachlichen Verpflichtung kein Problem.

Corinna Böck hat bereits Molekulare Medizin bis zum Bachelor studiert. Bei dem forschungs- und laborbetonten Studiengang merkte sie, dass „ich in der Arbeit schon gerne Kontakt mit den Menschen hätte“. Und so ist sie jetzt am „Medizincampus Niederbayern“ für Humanmedizin eingeschrieben. Damit absolviert sie die ersten sechs Semester in Regensburg, die vier klinischen Semester dann an den Kliniken Straubing, Passau, Landshut.

Den Weg zum Stipendium haben der 22-Jährigen ebenfalls die Mama und deren MZ-Lektüre eröffnet. Beim Lesen des Artikels übers neue Stipendium stellte Corinna fest: Das trifft eigentlich alles auf mich zu“. Denn sie will später „möglichst nahe der Heimat“ als Ärztin tätig sein, bekräftigt die Pförringerin.

Die fachliche Vorgabe passt ebenfalls: Kinderheilkunde gehört zu den „erlaubten Studiengängen. „Und die Pädiatrie habe ich mir schon immer gut als Berufsfeld vorstellen können“. Die Studentin arbeitet auch in einer Kinderarzt-Praxis mit neuro-pädriatischem Schwerpunkt. Die Finanzspritze vom Landkreis erleichtere ihr das Studium, auch wenn sie von den Eltern unterstützt werde, ergänzt die angehende Medizinerin.

Das Stipendium

Angebot: Als Medizinstipendiat des Landkreises erhält mann 400 Euro monatlich für maximal 12 Semester (Regelstudiendauer). Die Förderung muss man nicht zurückzahlen.

Vorgabe: Man verpflichtet sich zur Facharztausbildung in Allgemein-, Innerer Medizin, Pädiatrie, Neurologie oder Psychiatrie und dazu, dann im Landkreis Kelheim mindestens fünf Jahre lang medizinisch tätig zu sein (Vollzeit; bei Teilzeit entsprechend länger).

Mehr Infos zum Stipendium auf gesundheitsregionplus-kelheim.de