Ein Herz für die Sozialpolitik: „Mister Rente“ aus Abensberg denkt nicht ans Aufhören

Von Lucia Pirkl · 15. Oktober 2025 um 11:00

Hans Wemmers hilft mit 90 Jahren Menschen in Abensberg und in Siegenburg (beides im Landkreis Kelheim) im Antragsdickicht – und zwar seit mehr als 41 Jahren.

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Mit 63 Jahren ging Hans Wemmers in Rente. „In den wohlverdienten Ruhestand“, würde so mancher sagen. Ein oft zitierter Begriff, der so rein gar nicht widerspiegelt, wie Wemmers seine Tage verbringt. Denn Wemmers ist ein viel beschäftigter, ja, ein gefragter Mann – und das mit 90 Jahren. Er ist Versichertenberater der deutschen Rentenversicherung und nimmt seine Beratertätigkeit sehr ernst.

Bürostuhl statt Sessel

Andere würden ihre Tage lesend auf dem Sessel verbringen, wohlverdient die Beine hochgelegt. Wemmers hingegen sitzt am liebsten auf seinem Bürostuhl in seinem Haus. Einmal die Woche berät er die Menschen sowohl in Abensberg als auch in Siegenburg und auf Nachfrage bei sich daheim. Die Rente, generell die Sozialpolitik, die lässt ihn nicht los.

Für Sozialpolitik hat sich Wemmers, der aus dem Ruhrgebiet stammt, schon immer interessiert. „Seit 70 Jahren bin ich in der Gewerkschaft“, sagt Wemmers. Bombenhagel, Kapitulation, Wiederaufbau – Wemmers hat all das selbst erlebt. Hat erlebt, wie sein Vater, Bergbauer, sich nicht von den Nazis verbiegen ließ, wie der Onkel Haltung zeigte. Auch Wemmers beginnt zunächst im Bergbau, macht eine Schlosserlehre, landet dann in der Petrochemie, die ihn über Duisburg und Burghausen nach Münchsmünster führt. In der Aumühle wird er schließlich sesshaft.

Der für sein Engagement vielfach ausgezeichnete Wemmers setzt sich schon lange für Gerechtigkeit ein, unter anderem in der Gewerkschaft IGBCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie), lange Zeit als Betriebsratsvorsitzender und auch als Kreisvorsitzender des VdK. „Ich hatte damals überlegt Mitglied zu werden. Drei Monate später war ich Kreisvorsitzender.“ Sich wegzuducken, wenn Verantwortung gefragt ist, ist nicht sein Ding. Erst als er einen Nachfolger aufgebaut hatte, zog er sich aus diesem Amt zurück.

In einem Alter, in dem sich andere vielleicht, wenn sie noch können, einen größeren Rasenmäher anschaffen, weil sie nun endlich Zeit für den Garten haben, viele, viele Stunden im Verein oder vielleicht im Wirtshaus verbringen, hat Wemmers einfach mit dem weitergemacht was er schon mehr als vier Jahrzehnte lang macht: „Mir war klar, wenn ich 1998 aufhöre zu arbeiten, dass ich dann was weitermachen muss. In der Ecke zu sitzen und nix zu machen, das konnte ich mir nicht vorstellen.“

In der Ecke zu sitzen und nix zu machen, das konnte ich mir nicht vorstellenHans Wemmers

Die Rentenberatung macht er seit 1984. „Ich hatte zuerst neben meinem Beruf zu Hause beraten. Dann hat mich die Stadt gefragt, ob ich das bei denen im Büro machen möchte.“ Vor allem bei der Antragstellung lauern so manche Fallstricke. Wemmers weiß bestens Bescheid, wie man die umgeht. Dabei hilft ihm ein Programm von der Rentenversicherung auf seinem Laptop. Er weiß , wo er was ausfüllen muss und kann den Antrag auch gleich wegschicken. Andere Gleichaltrige würde die Technik vielleicht abschrecken, Wemmers aber sagt: „Wenn es nicht mit dem Laptop ginge, sondern wie früher mit der Hand, dann würde ich es auch nicht mehr machen.“

Dienstags gibt‘s keine Rente

Wemmers weiß, dass so manche Formulierung bares Geld kostet, es manches Mal schwer zu durchblicken ist, wenn man sich in der Materie nicht auskennt. Den Menschen dabei zu helfen, das Optimum auszuschöpfen, ist ihm ein wichtiges Anliegen.

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Hat er denn schon einmal überlegt, aufzuhören? „Überlegt, ja. Aber die Antwort war immer ,nein‘, weil ich es einfach gerne mache.“ Seine Frau hält ihm dabei den Rücken frei, „Sie macht alles im Haus und im Garten, ich bin da mehr oder weniger nur die Hilfskraft“, sagt er scherzhaft.

Zumindest dienstags aber ruht die Rente, da geht es mit Freunden ab aufs Rad. Von wegen „Ruhestand“: Rasten tut Wemmers auch dann nicht.