Beim Hellring in Langquaid feierten Tausende das älteste Wallfahrerfest der Region

Das traditionsreiche Wallfahrerfest zu Ehren der Heiligen Ottilie, das bereits 1267 urkundlich erwähnt wurde, ist bayernweit einzigartig und fester Bestandteil der Langquaider Markttradition.
Wenn sich die Blätter bunt färben und die Luft nach Herbst duftet, beginnt in Langquaid wieder die Hellring-Zeit. Von Donnerstag bis Montag verwandelte sich der Ortsteil Hellring erneut in ein farbenfrohes Fest aus Tradition, Wallfahrt und Geselligkeit – und wurde zum Treffpunkt für Wallfahrer, Einheimische und Gäste aus der gesamten Region.
Die Familien Hans Brunner und Konrad Hirthammer sowie die Oldtimerdeifl'n Hellring luden in diesem Jahr zum Hellring 2025.
Fünf Tage lang verband das Fest Glaube, Brauchtum und Gemeinschaft. In den Höfen der „Hellring-Wirte“ wurden knusprige Enten, Gänse, Schweinebraten, Wildgerichte und Brotzeiten serviert. Das seltene Schankrecht, das nur während des Hellrings gilt, erlaubt es den Bauern, selbst zu kochen und auszuschenken – ein jahrhundertealtes Privileg, das bis heute gepflegt wird.

Neues Konzept entwickelt
Eröffnet wurde das Fest am Donnerstagabend mit dem Bieranstich durch Bürgermeister Herbert Blascheck im Ottilienhof. Festwirt Tobias Hirthammer, der erstmals die Ansprache zum Bieranstich hielt, zeigte sich stolz: „Für uns ist der Hellring mehr als ein Fest. Er ist Teil unserer Geschichte und ein Stück Heimat. Wenn der Hof voller Menschen ist, die feiern, essen und lachen, dann spürt man, was Gemeinschaft bedeutet.“
Gemeinsam mit seiner Frau Michaela und Schwester Julia hatte Hirthammer ein neues Konzept entwickelt: Auf dem Heuboden entstand eine Partyzone für das jüngere Publikum.
Mit der Band Überdüber am Freitag und den Stoasberger Lumpen am Samstag herrschte ausgelassene Stimmung. „Ein Gast meinte: „Der Hellring ist endlich zurück!„ – das hat uns sehr gefreut“, erzählt Hirthammer.
Am Hellring-Sonntag pilgerten zahlreiche Gläubige zur barocken Ottilienkirche, die zwischen 1733 und 1735 erbaut wurde. Viele dankten der Heiligen Ottilie oder erbaten ihren Segen.
Am Nachmittag entfaltete sich dann das bunte Dultleben: Kinder drehten fröhlich ihre Runden auf dem Karussell, an Losständen wurde gespielt, und der Duft von Zuckerwatte, Mandeln und Bratwürsten lag in der Luft. Die Warendult lockte mit Fieranten, handgefertigten Produkten und kulinarischen Schmankerln. Besonders beliebt war erneut das Puppentheater, das zahlreiche Familien begeisterte. Ein weiterer Publikumsmagnet war der Bereich der Oldtimerdeifl’n Hellring im Klingseis-Hof. Dort sorgten ein beheiztes Zelt, Weißbierbar, Steaksemmeln und selbst gemachte „Kiachln“ für regen Zulauf.

Einziger Verein auch dabei
„Als einziger ortsansässiger Verein gehört es sich, dass wir beim Hellring mitmachen“, sagen die Vorsitzenden Tobias Klingseis und Michael Huber. Der junge Verein, 2024 gegründet, und mit derzeit 68 Mitgliedern, verwendet seine Einnahmen für Inventar und gemeinsame Ausflüge.
„Es ist jedes Jahr ein Erlebnis, mit der ganzen Familie hierherzukommen“, meint Susanne aus Langquaid. „Die Kinder freuen sich auf das Karussell und das Puppentheater – und wir Eltern genießen die gemütliche Stimmung.“
Auch Bürgermeister Ludwig Robold aus Ergoldsbach ließ sich das traditionelle Ganserl schmecken und erzählt: „Ich war von 1971 bis 1990 Kaminkehrer in Langquaid und komme seither jedes Jahr hierher. Man trifft viele Bekannte, führt gute Gespräche – und das Gebet zur Heiligen Ottilie gehört natürlich auch dazu.“

Für den 22-jährigen Michael aus Schierling war vor allem der Heuboden das Highlight: „Die Stimmung dort war richtig gut – super Musik, nette Leute und trotzdem das Gefühl, Teil von etwas Traditionellem zu sein!“ Der Hellring verbindet Jung und Alt, Tradition und Moderne – und zeigt, dass gelebtes Brauchtum auch 2025 nichts von seiner Faszination verloren hat.