Waldmünchener Bäckerei Philipps hat nach Brand weiter zu – doch es gibt gute Nachrichten

Von Johannes Lesser · 11. Oktober 2025 um 05:00

Es war ein großer Schock mitten in Waldmünchen (Landkreis Cham): Um 1.35 Uhr in der Nacht zu Fronleichnam Ende Juni alarmierte die Leitstelle Regensburg sechs Feuerwehren wegen eines Brandes in der Schulstraße. Zwei Stunden dauerten die Löscharbeiten. Opfer des Brandes wurde die Bäckerei Philipps inklusive Backstube. Knapp vier Monate später gibt es immer noch einiges zu tun, dennoch blickt Firmenchef Christian Philipps zuversichtlich nach vorne und räumt mit einem Gerücht auf.

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„Ich weiß heute noch, wie es sich angefühlt hat und welches Lied im Radio lief, als ich Richtung Bäckerei gefahren bin. So etwas vergisst man nicht“, berichtet er über die Brandnacht. Im Juli 2013 übernahmen er und seine Familie den Betrieb. Einer mit viel Tradition: Es sei der älteste noch bestehende Handwerksbetrieb der Stadt, der schon vor der Übernahme eine 167-jährige Geschichte hatte.

Man habe, so Philipps, „immer zukunftsorientiert gearbeitet, um den Standort möglichst starkzuhalten“. So wurde etwa das Team von 18 auf 32 Mitarbeiter aufgestockt. Sie bekommen auch weiterhin das volle Gehalt. „Ich glaube, der Betrieb“, so der Firmenchef, „war, ist und wird immer ein wichtiges Herzstück der Stadt sein. Deswegen gilt es, das wieder aufzubauen und das Beste draus zu machen.“

Betritt man die Backstube im hinteren Bereich des Gebäudes, werden die Ausmaße des Schadens sichtbar. „Die Decke ist nicht mehr drin, die Elektrik wird als Nächstes rausgetan“, erklärt Philipps. Letztere muss komplett neu gemacht werden. Auch die Wasser- und Ölleitungen werden erneuert. „Das ist ein langwieriger Prozess, weil man auch bei der Deckendemontage erst sehen konnte, was noch so alles Verstecktes kommt. Das konnte man vorher nicht abschätzen“, sagt er.

Komplett erneuern

Darüber hinaus wurden die Maschinen zum Reinigen ausgelagert, das Haus komplett gereinigt und wieder bewohnbar gemacht. Während des Brands stand alles im Rauch und die Rußpartikel verteilten sich überall. Manche Sachen müssen auch komplett neu gekauft werden – mit teils recht langen Lieferzeiten. Auch im Laden muss einiges gemacht werden. „Das dauert einfach leider Gottes alles“, so Philipps, der jedoch ergänzt: „Alles in allem ist es auf dem Weg. Es wird alles gut, aber wir müssen noch ein bisschen geduldig sein.“

Bedeutet aber auch: Der Laden soll auf jeden Fall wieder öffnen. Gerüchte, wonach die Bäckerei leer bleibt, seien „Blödsinn“, stellt Christian Philipps klar: „Wir wissen, wo wir herkommen.“ Außerdem hänge er an der Stadt und dem Betrieb, bei dem sich auch ein paar Dinge ändern werden, neues Erscheinungsbild und neues Sortiment inklusive: „Wir machen Philipps 2.0 sozusagen.“ Am wichtigsten sei jedoch, „dass nichts dran ist, dass wir was schließen, sondern mit Vollgas alle drei Standorte in die Zukunft führen“. Neben Waldmünchen gibt es noch Standorte in Eschlkam und Cham. Wann sich die Türen wieder öffnen, hängt mit dem Fortschritt der Arbeiten im Gebäude zusammen.

Von vorne erinnert nur wenig an den Brand. - Foto: Johannes Lesser

Das ursprüngliche Ziel sei es gewesen, bis zur Stutzbockerlzeit zum Jahresende wieder zur Normalität zurückzukehren. „Aber ich denke, realistisch betrachtet wird es wahrscheinlich ins neue Jahr gehen“, sagt Philipps. Was nicht bedeutet, dass es ein Jahr ohne das traditionelle Hefegebäck werden muss: Man könne ja zur Wiedereröffnung ein Frühlingsstutzbrockerl-Spezial machen.

Chef in Dreierfunktion

Für Christian Philipps selbst sind es aktuell bewegte Tage. In Dreierfunktion arbeitet er aktuell an der Sanierung, behält die Zukunft der Firma im Auge und kümmert sich um die ersatzweise Produktion in Schwandorf. Dort kann er übergangsweise die Geräte eines Kollegen mitnutzen. Neben der Bäckerei gehört auch ein Onlineshop zur Firma. Aufgrund der aktuellen Situation allerdings nur in „einer ganz runtergedrosselten Version“ mit dem 360-Grad-Brot, mit dem die Bäckerei weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde.

Gastronomiekunden hat die Firma in ganz Deutschland, auch sie versucht das Team derzeit zu versorgen. „Damit die Geschäftsbeziehungen, die wir uns aufgebaut haben, nicht einfach durch dieses Vorkommnis gänzlich gekappt werden und so ein langfristiger Schaden vermieden werden kann“, beschreibt es Philipps und ergänzt: „Wenn die Maßnahme abgeschlossen ist und wir wieder aufmachen können, dann müssen wir wieder auf eigenen Füßen stehen.“

Einen reinen Fokus auf das Online-Geschäft schließt er allerdings klar aus: „Die Grundausrichtung der Firma ist definitiv die, dass wir unsere Läden haben wollen und unser Online-Geschäft. Beides ist unser Geschäftsbereich und beides ist sehr, sehr wichtig geworden.“

Es ist also erst mal noch Warten angesagt, doch läuft alles nach Plan, könnte die Wartezeit zu den nächsten Broten dann doch überschaubar sein. Vielleicht entschließt sich das Team ja zur Eröffnung zu einem Phönix-Gebäck – es würde passen.