Experte stellt im Waldmünchner Stadtrat Konzept zum Sturzflut-Risikomanagement vor

Von Johannes Lesser · 8. Oktober 2025 um 17:59

Es ist ein Thema, das die Stadt schon seit Jahren umtreibt: Wie kann Waldmünchen besser vor Sturzfluten und den damit verbundenen Gefahren für Gebäude und Bewohner geschützt werden? Eine Möglichkeit, wie das aussehen kann, wurde dem Stadtrat am Dienstagabend präsentiert.

Bereits 2019 ließ die Stadt ein Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept durch das Ingenieurbüro Dr. Ammer entwickeln, erklärte Bürgermeister Markus Ackermann in einer kurzen Rückschau. Zur Sicherheit wurde 2023 dann eine zusätzliche Untersuchung in Auftrag gegeben – das Ergebnis ist nach gut zweieinhalb Jahren ein umfangreiches Konzept zum Sturzflut-Risikomanagement, das als Grundlage für mögliche Umsetzungen dienen soll. Als Orientierung diente ein Leitfaden des Bayerischen Landesamts für Umwelt.

Detailliertes Modell

Florian Brodrecht ist Gesellschafter und Bereichsleiter im Starkregen- und Risikomanagement der Firma Spekter aus Herzogenaurach. In gut einer halben Stunde stellte er den Stadträten das Konzept in Kurzform vor. Untersucht wurde das gesamte Einzugsgebiet Waldmünchens.

Um einschätzen zu können, wo das Wasser abfließen kann, fertigte das Büro ein sehr detailliertes digitales Modell des Geländes an. In einem weiteren Schritt wurden auch die jeweiligen Bodentypen untersucht. Anhand der Erkenntnisse konnte simuliert werden, wie sich Starkregen in der Region verhält. „Es lässt sich gut erkennen, welche Gebiete wie stark betroffen sein würden“, erklärte Experte Brodrecht.

Darüber hinaus sprach sich das Büro mit den Feuerwehren und dem Bauhof ab, ob sich die Modelle mit den bisherigen Erfahrungen decken. Im Fazit wurden drei Gefahrenbereiche mit einem höheren Schadenspotenzial beschrieben: der Ulrichsgrüner Bach beziehungsweise Schaufelbach, der Stadtbach und Geigant.

Informationen auf Anfrage

Welche Bereiche in welchen Szenarien wie stark betroffen wären, lässt sich aus den sogenannten Starkregengefahrenkarten ablesen. Als Informationsquelle für die Anwohner empfehlen die Verfasser des Konzepts die Einrichtung eines entsprechenden Auskunftssystems. Dort könnten Anwohner auf Anfrage den sie betreffenden Bereich der Karte erhalten. In Passau werde ein entsprechendes Modell bereits eingesetzt.

Doch wie kann man sich vor den Gefahren schützen? Darum ging es im zweiten Teil der Präsentation. Eines stellte Brodrecht voraus: Die einzelne Maßnahme, um alle Risiken einzudämmen, gebe es kaum. Insgesamt sind es sechs Handlungsfelder, aus denen ein entsprechendes Konzept entwickelt werden kann. Zu ihnen zählen die technischen Bereiche wie bauliche Schutzmaßnahmen oder ein Mess- und Überwachungssystem sowie die nicht-technischen, etwa die Informationsvorsorge und das Krisenmanagement.

Brodrecht zeigte ein Diagramm, in dem dargelegt wurde, wie häufig Hochwasser in welchem Bereich auftreten und in welchen Bereich die entsprechenden Maßnahmen fallen. So reichen bei den vergleichsweise häufigeren Starkregenfällen im niedrigeren Bereich zu einem großen Teil Maßnahmen der betroffenen Einzelhaushalte aus. Darunter fällt etwa der Schutz gegen einen Kanalrückstau, gegen einen Wassereintritt durch die Lichtschächte und die Kellerabgänge.

Auch Maßnahmen zum Schutz des Ulrichsgrünbachs wurden untersucht. - Foto: Simone Auerbeck

Auch potenzielle bauliche Maßnahmen aus dem bereits vorhandenen Konzept wurden überprüft. Darunter der Bau eines Rückhaltebereichs im Ulrichsgrünbach bei Heinzlgrün und daran anschließend eine Erhöhung der Abflusskapazitäten in Waldmünchen. Als Alternative zeigte Brodrecht ein Konzept mit mehreren kleineren Dämmen entlang des Baches auf, inklusive einer Simulation für einen möglichen Rückstau.

Konkrete Maßnahmen

Auch zum Zufluss des Stadtbachs in die Stadt und zu zwei geplanten Rückhaltungen bei Geigant stellte das Team des Büros Untersuchungen an. Was die konkrete Umsetzung angeht, empfiehlt das Büro zunächst eine Machbarkeitsprüfung in unterschiedlichen Bereichen.

Alle Handlungsmöglichkeiten lassen sich in Sofort-, kurz- und mittel- bis langfristige Maßnahmen unterscheiden, wobei der bauliche Teil in der Regel in die letzte Kategorie fällt. Um extreme Niederschlagsereignisse rechtzeitig zu erkennen, schlägt das Konzept zudem den Aufbau von Niederschlagssensoren im Einzugsgebiet und Pegelsensoren an den jeweiligen Gewässern vor.

Markus Ackermann lobte den Vortrag als „äußerst gelungene Darstellung“, aus der klar geworden sei, wo sich die entsprechenden Stellschrauben befinden. „Wir haben einen Berg an Hausaufgaben vor uns“, stellte er in Bezug auf die vorgeschlagenen Maßnahmen fest.