Bekifft am Steuer ist teuer: So schnappte die Polizei Schwandorf gleich zehn Drogenfahrer

Von Martin Kellermeier · 10. Oktober 2025 um 19:00

Zehn Drogenfahrer sind innerhalb von 24 Stunden bei einer Schwerpunktkontrolle in Schwandorf aus dem Verkehr gezogen worden. Mitten am Tag, zwischen 10 und 16 Uhr nachmittags, setzten sich die vorwiegend jungen Fahrer bekifft hinters Steuer. Fühlten sie sich nach der Cannabis-Teillegalisierung zu sicher?

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Die Teillegalisierung von Cannabis, die als Nicht-Aprilscherz am 1. April 2024 in Kraft getreten ist, hat nach Ansicht von Polizeisprechern der Region bestimmt damit zu tun, dass sich Fahrer offenbar recht sicher damit fühlen, nach dem Drogenkonsum am Straßenverkehr teilzunehmen.

Das Gesetz erlaubt in gewissem Rahmen den Besitz, den Anbau und den Konsum von Cannabis durch Erwachsene ab 18 Jahren. Der Grenzwert für Autofahrer liegt seitdem bei einem THC-Wert von 3,5 Nanogramm – statt vorher einem Nanogramm. THC ist der Wirkstoff von Cannabis.

Drogenkonsum ist im Blut länger nachweisbar

„Viele Konsumenten haben es vielleicht nicht so im Blick, dass sich Cannabis im Körper nicht linear abbaut“, erklärt Polizeioberkommissar Stefan Dirnberger von der Schwandorfer Polizei. Das heißt: Wer Drogen konsumiert, kann sich nicht darauf verlassen, dass die Wirkstoffe ähnlich wie bei Alkohol über Nacht im Körper verschwunden sind.

Viele Konsumenten haben es vielleicht nicht so im Blick, dass sich Cannabis im Körper nicht linear abbaut.

Stefan Dirnberger, Polizeioberkommissar

Um weiter zu sensibilisieren, haben sich deshalb die Beamten unter der Leitung von Polizeioberkommissar Matthias Meier in den vergangenen Tagen zu einer Schwerpunktkontrolle in Sachen Drogen im Bereich der Großen Kreisstadt entschieden. Der Anstoß dazu kam aus dem Polizeipräsidium Oberpfalz.

Sie informierten über die Aktion: Schwandorfs Vize-Polizeichef Florian Meier (l.) und Polizeioberkommissar Stefan Dirnberger beteiligten sich an den Kontrollen. - Foto: Martin Kellermeier

Dafür wurden unter anderem Kontrollstellen beim Schützenheim an der Wackersdorfer Straße oder beim früheren Maschek-Autohaus an der Regensburger Straße aufgebaut. Auch in der viel befahrenen Bellstraße im Stadtsüden wurde fleißig kontrolliert. In Summe konnten laut Polizeisprecher Dirnberger innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Verkehrsteilnehmer überprüft werden.

Verengte oder erweiterte Pupillen können Anzeichen sein

Für die eingesetzten Beamten war es dabei gar nicht so einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Merkmale, die auf möglichen Drogenkonsum hinweisen, seien von Mensch zu Mensch verschieden. „Der eine hat verengte oder erweiterte Pupillen, der andere wirkt schläfrig und deutlich verlangsamt in seinen Reaktionen, der nächste nuschelt, wieder ein anderer geht unsicher oder fährt auffällig“, erklärte Dirnberger auf Anfrage der Mittelbayerischen.

Ein klares Ergebnis bringt letztlich nicht einmal der Schnelltest, der vor Ort bei der Kontrolle mit einer Urinprobe durchgeführt wird, sondern nur eine Blutuntersuchung. „Der Drogenschnelltest kann Substanzen wie Cannabis, aber auch härtere Drogen wie Methamphetamin oder Kokain erkennen“, weiß der Polizeioberkommissar.

Ein Schnelltest zeigt, ob beim kontrollierten Fahrer Drogen im Spiel sind. - Foto: Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Auffällig: Die Verkehrsunfallstatistik der Oberpfalz zeigt, dass 2024 bei 65 Verkehrsunfällen die Fahrzeugführer unter dem Einfluss von Drogen oder sonstigen berauschenden Mitteln standen – ein Anstieg von 12,1 Prozent zum Vorjahr. Auch bei den festgestellten sogenannten „folgenlosen“ Drogenfahrten wurden oberpfalzweit 1307 Verkehrsteilnehmer zur Anzeige gebracht, ein Anstieg von 149 Delikten im Vergleich zum Vorjahr.

Alle Drogenfahrer bei der Schwerpunktkontrolle waren jünger als 50 Jahre

Bei der Schwerpunktkontrolle in Schwandorf wurden insgesamt neun Männer und eine Frau festgestellt, die unter Drogeneinfluss am Steuer saßen. Sie waren zwischen 22 und 44 Jahre alt.

Fast alle standen unter dem Einfluss von Cannabis. Nur ein 22-jähriger Transporterfahrer aus Schwandorf hatte härtere Drogen zu sich genommen. Der Mann, der zunächst schwindelte, gab nach einem positiven Schnelltest zu, regelmäßig Crystal Meth zu konsumieren. Die Autofahrt war für den 22-Jährigen damit beendet. Er musste den Schlüssel an einen Arbeitskollegen weitergeben und einen Bluttest über sich ergehen lassen. Weil in einem Behältnis, das er mit sich führte, auch noch Reste von Crystal Meth festgestellt wurden, dürfte zudem ein Strafverfahren auf den 22-Jährigen zukommen.

Auf die Verkehrsteilnehmer, die in Schwandorf bei ihrer Drogenfahrt erwischt wurden, warten nun empfindliche Folgen: mindestens 500 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Noch gravierender wird es, wenn ein Polizeibeamter Auffälligkeiten beanstandet. „Dann gilt: Der Fahrer wird als fahruntüchtig eingestuft, der Vorfall wird zum Staatsanwalt gebracht. Sehr häufig wird der Führerschein umgehend eingezogen, ein Strafverfahren eingeleitet und eine MPU angeordnet“, erklärt Polizeioberkommissar Stefan Dirnberger.