Polizei stellte in Schwandorf etliche Cannabis-Pflanzen sicher – Kommissar Zufall half mit

Im sonst so ruhigen Wohnviertel im Egelsee-Gebiet herrschte kürzlich helle Aufregung. Polizisten durchsuchten dort ein Mehrfamilienhaus. Unterstützt wurden sie von Einsatzkräften der Kripo. Sie hatten einen Drogendealer im Visier, der offensichtlich ordentlich im Geschäft war.
Der Polizeieinsatz Anfang vergangener Woche blieb nicht unbemerkt. Schnell hatten Anwohner die Fahrzeuge der Ermittler, darunter mehrere in Zivil, entdeckt. Sie parkten vor einem Mehrfamilienhaus hintereinander am Straßenrand.
Nach und nach brachten Beamte mehr als einen Meter hohe Cannabispflanzen aus dem Haus und verluden sie in einen Transporter. Der typische Cannabis-Geruch war zeitweise meterweit zu riechen. „Da wird man ja schon vom Vorbeigehen high“, sagte eine Spaziergängerin und schüttelte mit dem Kopf.
Pflanzen waren von der Straße aus zu sehen
Die Pflanzen waren es wohl auch, die die Ermittler zu dem Tatverdächtigen führten. Wie am Rande des Einsatzes zu erfahren war, standen sie seit Wochen unübersehbar auf einem Balkon, der sich im ersten Stock auf der Straßenseite befindet. Kommissar Zufall spielte bei dem Ermittlungserfolg offenbar die entscheidende Rolle. So soll eine Streife, die wegen eines anderen Einsatzes im Wohnviertel unterwegs war, die Pflanzen am Balkon gesehen und die Maschinerie in Gang gesetzt haben.
Wie vor Ort ferner zu hören war, waren Nachbarn die Cannabispflanzen schon deutlich länger aufgefallen. Doch offenbar duldeten sie die Situation und scheuten sich, die Polizei zu rufen. „Man will ja keinen Ärger mit seinen Nachbarn“, erklärte ein Anwohner. Doch komisch sei ihm das freilich schon länger vorgekommen.
Natürlich schossen nach dem aufsehenerregenden Polizeieinsatz wilde Spekulationen ins Kraut. Steht dieser gar in Zusammenhang mit einem Vorfall aus dem Frühjahr? Hier war nur wenige 100 Meter weiter, im Ochsentradweg, ein unterirdisches Drogendepot entdeckt worden. Ein Hinweis des Grundstückseigentümers hatte die Polizei bereits im März zu dem Versteck geführt, in dem ausschließlich Methamphetamin gelagert worden war. Es war eine beachtliche Menge, wie es damals aus Ermittlerkreisen hieß.
Auch mehrere Tüten mit Cannabis sichergestellt
Hat der Tatverdächtige, der in der nun durchsuchten Wohnung offenbar etliche Cannabispflanzen hortete, auch damit etwas zu tun? Anwohner, mit denen die MZ am Rande des Polizeieinsatzes sprach, wollen das nicht ausschließen.
Melanie Bäumler, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz, bestätigte auf Nachfrage, dass es Anfang vergangener Woche zu dem besagten Polizeieinsatz gekommen ist. Sie sagte auch, dass die Ermittler die hochgewachsenen Cannabispflanzen zufällig entdeckt hätten.
„Es bestand der Verdacht, dass die gesetzlich erlaubte Menge Cannabis deutlich überschritten wurde“, erklärte Bäumler. Per Durchsuchungsbeschluss verschafften sich die Ermittler letztlich Zutritt zur Wohnung. Neben den besagten Pflanzen fanden die Polizisten auch mehrere Tüten, die gefüllt waren mit Cannabis. Insgesamt soll es sich um eine Menge im dreistelligen Grammbereich handeln.
Verdächtiger ist amtsbekannt
Die Polizei machte kurzen Prozess und stellte die Pflanzen und Beutel sicher. Der Tatverdächtige, ein 22 Jahre alter Deutscher, der wegen mehrerer Drogendelikte polizeibekannt sein soll, war bei der Durchsuchung nicht vor Ort. Vielmehr handelte es sich bei dem durchsuchten Objekt um die Wohnung eines Familienangehörigen des Beschuldigten.

Der 22-Jährige konnte aber im Nachgang dingfest gemacht werden und wurde zur Polizeidienststelle gebracht. „Aufgrund der Menge besteht der Verdacht, dass er mit den Drogen gehandelt hat“, so Polizeisprecherin Bäumler.
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Dabei werde natürlich auch überprüft, ob es Zusammenhänge mit anderen Fällen, beispielsweise auch mit dem unterirdischen Drogendepot in der Nachbarschaft, gebe. Man ermittle in alle Richtungen, hieß es.