Blutige Rache-Schießerei um „meine Money“ in Neutraubling – Opfer schwer verletzt

Es ging um ein Problem, Rache und „meine money“: Bei einer wüsten Schießerei in Neutraubling wurde ein Mann schwer verletzt. Nun steht fest: Ein mögliches Urteil gegen die mutmaßlichen Täter wird milder ausfallen, als ursprünglich angedacht.
Rückblick: Es ist der Nachmittag des 17.September 2024. Der spätere mutmaßliche Haupttäter (23) aus Neustadt an der Donau organisiert sich laut Anklage einen Fahrer. Mit dem Auto geht es nach Riedenburg, von dort weiter nach Nittendorf. In beiden Orten werden weitere Männer eingesammelt. Schlussendlich sitzen vier Personen im Auto, so die Anklage. An einer Tankstelle im Regensburger Osten soll der mutmaßliche Haupttäter einen Mann dazu veranlasst haben, das spätere Opfer anzurufen. Die Truppe fährt mutmaßlich weiter nach Neutraubling. An einem Schnellrestaurant ruft einer der Angeklagten noch einmal beim Opfer an – er soll vor das Haus gehen. Das haben die Ermittlungen der Behörden ergeben.
„Nimm das“: Schüsse in den Oberschenkel eines Neutraublingers
Die Vierer-Truppe rollte laut Anklage vor das Haus des späteren Opfers. Es kommt demnach zum Streit. Unvermittelt habe der Haupttäter eine Pistole gezogen, sie an den Oberschenkel des Neutraublingers gehalten. Es entspinnt sich laut Anklage eine kurze Konversation. „Und jetzt?“, fragte der mutmaßliche Täter. „Keine Ahnung“, antwortete das Opfer. Dann seien zwei Schüsse gefallen. Parallel dazu habe der Neustädter „Nimm das“ gesagt.
Das Opfer gab laut Anklage dann selbst noch drei Schüsse ab. Die mutmaßlichen Täter sollen sich zunächst aus dem Staub gemacht haben, kehrten jedoch schnell wieder zurück. Aus dem Auto heraus soll der Neustädter noch einmal mehrfach auf das Haus des Opfers gefeuert haben. Dabei soll er „das ist meine money“ und „meine Mutter“ gerufen haben. Ein weiterer Angeklagter soll „Du wirst Albträume haben! Ich werde dich in deinen Träumen verfolgen“ geschrien haben. Um kurz vor 22 Uhr flohen die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft. Noch in der Nacht wurden sie allerdings von der Polizei festgenommen.
Das Opfer wurde durch den Schuss in den Oberschenkel schwer verletzt. Er musste mehrfach operiert werden. Wer dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann, soll nun ein Prozess vor dem Landgericht Regensburg zeigen.
Schießerei: Lebenslange Haft ist vom Tisch
In der Anklage heißt es, die Angeklagten hätten auf der sittlich untersten Stufe stehend gehandelt. Sie hätten mit Selbstjustiz Rache nehmen wollen, für ein nicht näher bekanntes Problem. Die Ermittlungsbehörden werteten die Tat als gemeinschaftlich verübten versuchten Mord. Den Angeklagten hätte damit eine lebenslange Haftstrafe gedroht. Hätte.
Tatsächlich weigerte sich das Landgericht allerdings, eine entsprechende Anklage zuzulassen, wie beim ersten Prozesstag bekannt wurde. Richter Gaßmann teilte mit, dass die Staatsanwaltschaft Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt habe. Diese habe das Oberlandesgericht Nürnberg jedoch zurückgewiesen. Die Folge: Den Männern wird nicht mehr ein gemeinschaftlich verübter versuchter Mord vorgeworfen. Stattdessen muss sich der mutmaßliche Haupttäter wegen versuchten Totschlags verantworten. Den drei weiteren Angeklagten wird zum Teil Beihilfe dazu vorgeworfen.
Schießerei in Neutraubling: Angeklagte schweigen – vorerst
Ursprünglich war auch noch ein fünfter Mann angeklagt. Das Verfahren gegen diesen wurde allerdings eingestellt. Er wird nun als Zeuge geführt.
Die Angeklagten haben sich im Rahmen des Ermittlungsverfahrens zum Teil bereits zu den Tatvorwürfen geäußert. Am ersten Prozesstag schwiegen die Männer allerdings. Ihre Anwälte kündigten zum Teil an, dass sie ihr Schweigen im Rahmen des Verfahrens brechen wollen.
Der Prozess wird fortgesetzt. Nach jetzigem Stand soll Mitte Dezember ein Urteil fallen.