85. Geburtstag von Manfred Zollner: Er hat Europas größten Elektronikproduzenten geschaffen

Doppeltes Jubiläum für Europas größten Elektronikproduzenten: Im Sommer feierte die Zollner Elektronik AG ihr 60-jähriges Bestehen. Manfred Zollner hat das international tätige Unternehmen 1965 in Zandt im Landkreis Cham gegründet – damals noch als Ein-Mann-Betrieb. Am Donnerstag, 9. Oktober, feiert der Seniorchef nun seinen 85. Geburtstag. Mit der Mediengruppe Bayern hat er auf sein Leben als Unternehmer zurückgeblickt.
Als er 1965 das Familienunternehmen als Elektrofachgeschäft mit Installationsbetrieb aus der Taufe hob, habe er sich es nicht vorstellen können, was daraus einmal werden wird, sagt Manfred Zollner. „Das konnte sich damals niemand vorstellen.“ Es sei auch nicht der Gedanke im Vordergrund gestanden, ein Unternehmen dieser Größe aufzubauen. „Mein Ziel war es, Arbeitsplätze in der Region zu schaffen, und das habe ich auch geschafft.“
Und wie: 1970 wird aus der Ein-Mann-Firma ein kleiner Industriebetrieb mit neun Mitarbeitern. Die Beschäftigtenzahl wächst stetig: Als das Unternehmen 16 Jahre später sein erstes Zweigwerk im rund 30 Kilometer entfernten Lam eröffnet, sind bereits über 680 Menschen bei Manfred Zollner angestellt.
Zollner Elektronik aus Zandt hat heute über 13.000 Beschäftigte
Heute hat der sogenannte EMS-Dienstleister – die Abkürzung steht für „Electronics Manufacturing Services“, was soviel wie „Auftragsfertigung elektronischer Komponenten“ bedeutet – 26 Standorte in insgesamt zehn Ländern, darunter neben Deutschland in China, Thailand, Costa Rica oder den USA. Mittlerweile sind über 13 000 Beschäftigte Teil des Familienunternehmens – viele davon immer noch in Ostbayern, wo der Elektronikproduzent neun Werke betreibt.
Wie vor 60 Jahren befindet sich der Zollner-Hauptsitz weiterhin in Zandt. Der richtige Ort, um ein Unternehmen zu gründen und aufzubauen? „Mit dem Wissen von heute hätte man den Standort vielleicht anders gewählt“, sagt Manfred Zollner. Das Gelände in der Oberpfälzer Gemeinde sei schließlich nicht eben. „Durch das stetige Wachstum des Unternehmens waren immer wieder umfangreiche Aufschüttungs- und Erweiterungsarbeiten notwendig.“ Sicherlich einfacher wäre eine ebene Fläche gewesen, sagt Zollner: „wie beispielsweise in Vác in Ungarn“ – dort betreibt das Familienunternehmen seit 1988 ein Werk.
Für Zandt sprach vor allem eines: „Hier hatte ich eine Garage und so habe ich gestartet.“ Eine andere Möglichkeit habe es für ihn nicht gegeben. „Mein Ziel war es, 50 Arbeitsplätze zu schaffen. Dass sich daraus ein internationales Unternehmen entwickelt hat, ist die Leistung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt der Seniorchef.
Manfred Zollner senior: Auch mit 85 will er noch täglich ins Büro
Geleitet wird die Aktiengesellschaft, deren Anteile sich vollständig in Besitz der Familie Zollner befinden, heute von den Söhnen des Firmengründers, Ludwig, Manfred und Christian. Zusätzlich gehören dem Vorstand zwei familienfremde Manager an: Thomas Schreiner und Markus Aschenbrenner.
Jubilar Manfred Zollner senior steht dem Aufsichtsrat des Konzerns vor. Das bedeutet aber nicht, dass er auf dem Firmengelände in Zandt nicht mehr präsent ist. Auch mit 85 Jahren will er noch täglich ins Büro kommen. Wie bereits seit einiger Zeit „aber nur vormittags – die Nachmittage verbringe ich zu Hause“. Solange die Gesundheit es erlaube, wolle er das beibehalten, sagt Zollner. „Was würde ich denn zu Hause machen?“
Blickt er zurück auf über 60 Jahre Firmengeschichte, will Zollner gegenüber der Mediengruppe Bayern keine besonders schwierige Phase für das Unternehmen benennen. „Im Grunde ist jeder Tag eine Herausforderung.“ Man müsse sich den Aufgaben immer wieder neu stellen und Durchhaltevermögen zeigen. „Nur so lässt sich langfristig Erfolg sichern.“ Angst um die Zukunft seines Unternehmens hat Manfred Zollner mit Blick auf die aktuelle Krise großer Wirtschaftsteile aber nicht. „Ich habe im eigentlichen Sinne keine Sorgen mehr, ich bin im Ruhestand“, erklärt er. Die Verantwortung liege heute in den Händen seiner Nachfolger – „und sie erfüllen diese Aufgabe bestens“.
Ein Elektronikprodukt im Handel, auf dem die Marke Zollner prangt, wird man übrigens auch in Zukunft nicht finden. „Wir entwickeln und fertigen grundsätzlich keine eigenen Produkte, sondern arbeiten ausschließlich im Auftrag unserer Kunden“, sagt der Seniorchef – mit einer Ausnahme: Der aktuelle Further Drache, der größte Schreitroboter der Welt, ist das einzige firmeneigene „Produkt“. Das 2010 fertiggestellte Projekt habe ihm besonders am Herzen gelegen, sagt Zollner. „Die Planung dauerte rund zwei Jahre, der Bau ein weiteres Jahr.“
Zahlreiche Auszeichnungen für den Oberpfälzer Firmengründer Zollner
Nach Vollendung wurde Manfred Zollner die Ehrenbürgerwürde der Stadt Furth im Wald verliehen. Den Status hat er auch in Cham und in seiner Heimatgemeinde Zandt. Bereits 1996 wurde Zollner mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 2010 bekam er dann das Große Verdienstkreuz. Der Freistaat verlieh ihn zudem 2001 den Bayerischen Verdienstorden. Zollner wurde außerdem mit der Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft ausgezeichnet.
Trotz 85 Jahren Lebenserfahrung und den zahlreichen Auszeichnungen falle es ihm schwer, einen konkreten Rat an junge Unternehmerinnen und Unternehmer zu geben: „Die Gründerzeit meiner Generation war eine ganz andere als die heutige.“ Wichtig für Jungunternehmer sei allerdings: „Durchhaltevermögen und immer neue Ideen – dann wird es schon.“