Siemens Mobility baut Fertigung für Batteriesysteme: 200 Arbeitsplätze entstehen

Von Christian Eckl · 29. September 2025 um 16:52

Spatenstich in Luhe-Wildenau bei Weiden: Bayerns Wirtschaftsminister lobt die Innovationsbereitschaft der Oberpfälzer und keilt gegen urbane Regionen, weil sich dort Bürgerinitiativen gründen, wenn jemand investieren will. Siemens Mobility, die Zug-Sparte des Konzerns, macht deutlich: Man investiert Millionen, weil man auf den Standort Deutschland setzt - und schafft 200 Arbeitsplätze.

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Wer Batterien hört, denkt zwischenzeitlich unweigerlich an China: Die Chinesen haben mit Abermilliarden an staatlichen Subventionen die Produktion von Batteriezellen ins Reich der Mitte geholt. Die Europäer sind da chancenlos – mehr oder weniger. Die Northvolt-Krise des schwedischen Herstellers könnte den Steuerzahler Milliarden kosten. Das wird mit diesem Werk nicht passieren – allein schon deshalb, weil Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nur zwei verhältnismäßig kleine Checks aus dem Steuerzahler-Säckel vorbeigebracht hat: Am Montagmorgen erfolgte der Spatenstich für die neue Fertigung für Batteriesysteme des Konzerns Siemens Mobility – da geht es um die ganz großen Batterien, für Lokomotiven nämlich. Da wirkten die beiden Förderschecks über knapp 640 000 Euro und knapp zwei Millionen verhältnismäßig klein. Immerhin: Aiwanger sagte zur Freude der Gäste beim Spatenstich, dass das nicht sein Geld sei – sondern eben das des Steuerzahlers.

200 neue Arbeitsplätze

35 Millionen Euro investieren Siemens Mobility, ein Investor, der die Hallen fertigstellt, und der Freistaat durch die Förderung in die nördliche Oberpfalz. Auf 20 000 Quadratmetern entsteht die hochmoderne Produktionsstätte, in der ab 2027 insgesamt 200 Mitarbeiter Batteriesysteme für Schienenfahrzeuge fertigen. Ausgestattet werden damit die Siemens-Regionalzüge, Lokomotiven externer Kunden sowie weitere Schienenfahrzeuge.

Siemens Mobility gehört zur Siemens AG und zählt zu den führenden Anbietern im Bereich Schienenverkehr, Bahnautomatisierung, Bahnelektrifizierung und intelligentem Verkehrsmanagement. Man wolle ein „Bekenntnis zu Deutschland als Produktions- und Innovationsstandort leisten“, sagte Siemens-Mobility-CFO Karl Blaim im Rahmen der Feierlichkeiten zum Spatenstich.

Eine Batterie in einem Zug ist etwas grundlegend anderes als im Auto. Das ist eine andere Liga.

Karl Blaim, CFO Siemens Mobility

Keinen Zweifel ließ er daran, dass Batterien für Züge eine „ganz andere Liga“ sind als für Elektroautos. Blaim machte auch deutlich, dass die Schiene natürlich als Verkehrsmittel insgesamt umweltfreundlicher ist, als würden alle Passagiere eines Zuges ins Verbrenner-Auto steigen. Doch der Einsatz der Dieselloks, über deren Auslaufen wieder einmal die Europäische Union derzeit sinniert, ist die schmutzigere Variante. Bisher sei Siemens Mobility auf Zulieferer angewiesen gewesen. „Aber wir haben uns entschieden“, sagte Blaim. „Wir nehmen das Heft selber in die Hand.“ Rund 15 000 Triebzüge müssten ersetzt werden, wenn in Europa die Dieselloks von der Schiene müssen. „Das ist eine gigantische Aufgabe, aber eine noch größere Chance für die Region hier“, sagte der Siemens-Mobility-CFO.

Immerhin hatte der bestens gelaunte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (links) zwei Förderschecks dabei. Karl Blaim, CFO von Siemens Mobility, nahm sie dankend an. - Foto: Christian Eckl

Aiwanger nutzte den Anlass, um sich für den ländlichen Raum als Wirtschaftsstandort auszusprechen und über die „Speckgürtel“, wie er wörtlich sagte, auch ein wenig lustig zu machen. Er begrüße es, wenn sich eine Kommune und die Bürger zu einer Investition bekennen würden und nicht gleich „die nächste Bürgerinitiative“ (BI) aus dem Boden sprießen würde. Nun, das geschieht derzeit an verschiedenen Standorten – beispielsweise soll bei Rohr im Landkreis Kelheim (Niederbayern) eine Logistikhalle für den Online-Handelsgiganten Amazon gebaut werden. Die Bürger aber haben sich zu einer BI zusammengeschlossen – auch weil sie glauben, dass ihr Standort wenig von der Ansiedlung hat. In Luhe-Wildenau aber warten 200 teilweise hoch qualifizierte Arbeitsplätze darauf, auch von Einheimischen besetzt zu werden.

Der Wirtschaftsminister legte in der Nordoberpfalz dann auch ein Bekenntnis zu erneuerbaren Energien ab, sagte aber auch, dass Speicher nötig seien wie jene, die ab 2027 in dem neuen Werk gefertigt werden sollen. Allein das Unternehmen Bögl aus dem Landkreis Neumarkt habe derzeit Aufträge über 4000 Masten für Windkraftanlagen. Es gehe also durchaus etwas voran.

Bei Bögl im Landkreis Neumarkt sind 4000 Masten für Windräder bestellt.

Hubert Aiwanger (FW) , Wirtschaftsminister

Die künftig in Luhe-Wildenau gefertigten Batteriesysteme sind hochkomplex: Sie müssen nicht nur genügend Strom zur Verfügung stellen, um die Züge zu bewegen. Auch die Batterie-Management-Systeme sind Bestandteil der Elektro-Lösung für den Schienenverkehr. Diese werden von Siemens Mobility zusammen mit einer Münchner Firma, dem Unternehmen Stercom, entwickelt. Das System überwacht und steuert die Batterie, sie sorgt für einen energieeffizienten Stromverbrauch. Auch die Lebensdauer ist ein wichtiges Thema bei Batterien in dieser Dimension. Übrigens bezieht Siemens für seine Batteriesysteme die notwendige Zellentechnik keineswegs aus China, das sich in den vergangenen Jahren zum größten Produzenten mit Hilfe riesiger staatlicher Investitionen schummelte. Die staatlichen Subventionen sorgen sogar für Überkapazitäten, die den Weltmarkt unter Druck setzen. Doch die Zellen, die in Luhe-Wildenau künftig verbaut werden, stammen vom japanischen Hersteller Toshiba.

Bisher nur Vormontage

Schon bisher produziert Siemens Mobility Batteriesysteme am Standort in der Nordoberpfalz, aber lediglich die Vormontage konnte bisher hier vonstatten gehen. Das wird sich bald ändern – ein Bekenntnis zum Standort Deutschland.