Debatte um Abriss des Ex-Kaufhofs am Neupfarrplatz – kauft die Stadt das Gebäude?

Der Wahlkampf hat längst begonnen. Kein Wunder, dass auch die größte Brache der Regensburger Altstadt dabei Thema wird. Bürgermeisterin Astrid Freudenstein plädierte jetzt für einen Abriss des Ex-Kaufhofs. Dagegen wehrt sich ein Regensburger mit einer Petition. Derweil verhandelt die Noch-Oberbürgermeisterin mit Ex-Ministerpräsident Roland Koch über einen Kauf.
Seit über einem Jahr steht das frühere Warenhaus Kaufhof nun leer. Darüber, welche Auswirkungen der Leerstand auf den Handel außenrum hat, gehen die Meinungen auseinander. Fest steht: Viele Regensburger bewegt die leerstehende Immobilie. Jetzt hat sich die im Wahlkampf befindliche CSU-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein für den Abriss ausgesprochen – ein Architektur-Experte aus Regensburg findet das falsch.
Architekt Johannes Zettel hat eine Petition auf change.org gestartet. Der Immobilien-Experte aus Regensburg spricht sich für eine nachhaltigere und kreativere Herangehensweise an städtebauliche Projekte aus. „Es gibt weltweit tolle Umbauprojekte. Ein Abriss ist mir zu einfach und nicht mehr wirklich zeitgemäß“, sagt Zettel. Er betont, dass besonders die Möglichkeit, moderne Architektur in die Altstadt zu integrieren, eine spannende Herausforderung darstelle. „Die Chance, moderne Architektur in die Altstadt zu bringen, finde ich super“, fügt er hinzu.
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Laut Zettel wurde der Fehler einer großflächigen Struktur bereits gemacht, doch statt ihn zu wiederholen, sollten die Verantwortlichen jetzt pragmatisch damit umgehen. „Die Argumentationen bezüglich Anfahrt und Parken sind mir in diesem Stadium der Petition noch nicht wichtig. Wir sollten versuchen, progressiv und kreativ zu denken“, erklärt der Immobilien-Experte. Für ihn ist es entscheidend, dass Regensburg als Stadt an einem Wendepunkt stehe, mit einer wachsenden Bevölkerung, die zwischen 150 000 und 200 000 Einwohnern pendeln dürfte. „Wir können uns in Regensburg gerne auch mal was trauen“, so Zettel. „Es kann doch nicht sein, dass jemand aus Malmö auf einen Kongress fährt, und wir sind Weltkulturerbe, aber er landet im Audimax oder im Jahnstadion. Und an den zwei Tagen sieht er gar nichts von der Stadt“, so Zettel.
„Konzerte und Kongresse“
„Wenn’s nach mir geht, abreißen – und was wirklich Gutes für unsere Stadtmitte tun“ – das sagte die Bürgermeisterin in dem Video, das Zettel zu seiner Petition bewegte. Allerdings geht es im Video dann um eine andere Frage: Wie die Stadt nämlich mit Obdachlosen umgeht. Es scheint, als würde ein Passant Freudenstein auf die Situation ansprechen. Gerade um den Kaufhof herum nächtigen häufig Obdachlose – immer wieder wird das auch von den Geschäftsleuten beklagt. Tatsächlich seien die „Freischläfer“ das größte Problem, man würde den Obdachlosen nämlich Unterkünfte zur Verfügung stellen, sagte die Bürgermeisterin im Video.

Petent Zettel sieht in dem Gebäude eine Chance: „So können die unteren Geschosse dieses Gebäudes in einen großen Saal für kulturelle Veranstaltungen – Konzerte, Comedians, Kabarett, Theater, Firmenveranstaltungen et cetera – umgewandelt werden“, meint er. Kleinere Veranstaltungs- und Seminarräume in den oberen Geschossen sowie Co-Working-Spaces zur Unterstützung von Freiberuflern und Start-Ups sowie vielleicht sogar ein kleines Hotel mit Restaurant „in diesem großen Baukörper“ würden das Gebäude optimal nutzen. Nach Informationen dieser Zeitung hatte sich bereits ein Unternehmen aus München, das Hotels betreibt, für eine teilweise Nutzung des Gebäudes interessiert. Doch die Verantwortlichen der Kaufhof Regensburg GmbH unterbrachen plötzlich die Verhandlungen darüber. Es folgte, wie bekannt, der Versuch, einen Kauf eines israelischen Investors ins Spiel zu bringen. Der stellte sich als Taxifahrer aus Tel Aviv heraus.
Damals kaufte die Stadt das Gebäude nicht über ihr Vorkaufsrecht. Man hatte Angst, dem gescheiterten und inzwischen inhaftierten Investor Rene Benko über dunkle Kanäle Geld hinterherzuwerfen. Benko wird nun der Prozess gemacht. Das Gebäude war zeitweise faktisch in seinem Eigentum, als er mit seiner Signa den Kaufhof-Konzern kaufte.
Ermittlungen, ob das legal war, gibt es offenbar nicht. Zumindest bestätigen oder dementieren die österreichischen Ermittlungsbehörden solche Recherchen nicht. In der ersten Anklage vor dem Landesgericht Innsbruck geht es um die Villa am Hungerberg und ein Geldgeschenk an seine Mutter Ingeborg. Die war zeitweise auch als wirtschaftlich Berechtigte im Zusammenhang mit dem Kaufhof aufgetreten.
Kaufoption prüfen
„Vermögensverschiebungen aus dem Signa-Reich ins Reich der Privatstiftungen sind schon länger Gegenstand in diversen Ermittlungssträngen der Wirtschaftskammer der Staatsanwaltschaft“, schreibt uns eine österreichische Journalistin, die im Fall Benko recherchiert. Doch der Kaufhof-Deal aus Regensburg komme in den Verfahren nach ihrer Kenntnis nicht vor.
Derweil sagt die Stadt auf Anfrage, man führe nach wie vor Verhandlungen. Der Eigentümer lässt sich, wie berichtet, vom früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch vertreten. Der lehnt ein Interview derzeit ab.
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagt: „Wir stehen regelmäßig in Kontakt mit den von der Kaufhof Regensburg GmbH für Verhandlungen beauftragten Personen. Sobald konkrete Ergebnisse aus etwaigen Erwerbsverhandlungen für das Kaufhausgebäude vorliegen, werden wir den Stadtrat und die Öffentlichkeit unverzüglich informieren.“
Richtigstellung
In der Ausgabe vom 16. September 2025 hieß es auf Seite 17 unter der Überschrift „Debatte um Abriss des alten Kaufhofs“, die Immobilie sei in die Laura Privatstiftung unter Leitung der Mutter von René Benko veräußert worden. Hierzu stellen wir richtig, dass die Mutter von René Benko zu keiner Zeit an der Leitung der Laura Privatstiftung beteiligt gewesen ist. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.