Zieht neuer Automatenladen am Regensburger Bahnhof Drogenszene an?

Vier Automaten stehen in dem Laden in der Hemauerstraße, der früher eine Änderungsschneiderei war. Zum Teil sind sie befüllt, mit Zigaretten und ein paar Getränkeflaschen und -dosen. Davor stehen Kartons, leere Spiralen liegen auf dem Boden. Das Geschäft unweit des Regensburger Bahnhofs wirkt seit Monaten, als werde es bald eröffnet. Inzwischen ist es von der Stadt genehmigt – auch wenn die Kritik diesmal besonders groß ist.
Die Baugenehmigung für die Hemauerstraße sorgte kürzlich im Planungsausschuss des Stadtrats für eine hitzige Debatte. Grünen-Stadtrat Hans Teufl mutmaßte, wenn in dem „nicht unbelasteten Bereich“ 24 Stunden ein Automatenladen offen sei, würde dieser eventuell auch von Drogenabhängigen als „Konsumraum“ genutzt.
Brücke-Stadtrat Florian Rottke sagte: „Das Problem ist nicht primär, dass wir da einen Raum schaffen, wo Menschen sich Drogen spritzen können, sondern dass um diese Läden herum überall in der Stadt erhebliche Ruhestörungen, erhebliche Beschädigungen, sehr viele Probleme entstehen.“ Auch gebe es Schwierigkeiten mit dem Jugendschutz. Für den Laden am Bahnhof gelte: „Jetzt gießen wir dort, wo wir ohnehin schon viele Probleme haben, sozusagen Öl ins Feuer“. Die Oberbürgermeisterin wies das zurück. Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) erklärte: „Wir haben keine Handhabe, hier keine Genehmigung zu erteilen.“ Möglich sei nur, dass Polizei, Ordnungsamt oder Sozialarbeiter ein „verstärktes Augenmerk“ auf solche Bereiche hätten.
CSU: Automatenläden sind „nicht nur schlecht“
Rottke hielt dagegen: „Über einen Bebauungsplan können wir natürlich genau so etwas auch regeln, den Nutzungsmix an Geschäften, den wir da haben wollen.“ Planungsreferent Florian Plajer gab zu bedenken, ein Bebauungsplan für bereits bebautes Areal sei ein „relativ hoher Aufwand“. CSU-Fraktionschef Michael Lehner nannte die Kritik an den Kiosken dagegen „DDR 2.0“. „Es ist das Recht dieses Menschen, dort einen Automatenladen reinzumachen.“ Diese seien „nicht nur schlecht“, etwa weil man sich 24 Stunden am Tag eine Pizza holen könne.
Andere Kommunen versuchen, gegen Automatenläden vorzugehen. Der Stadt Fürth gelang das in einem Fall, zumindest vorerst. Sie stellte ein Baugesuch zurück, um für das Gebiet einen Bebauungsplan zu erarbeiten, der solche Läden regulieren soll. Dieses Vorgehen hielt auch einer Klage stand. In Regensburg gilt laut Stadtsprecherin Katrin Butz: „Die Situation in Bezug auf Automatenläden wird durch die jeweiligen Fachstellen – Stadtentwicklung, Bauordnung, öffentliche Ordnung, Stadtplanung – kontinuierlich angeschaut und bewertet.“ Derzeit werde noch kein Bedarf gesehen, zum Beispiel mit einem Bebauungsplan oder einer Sanierungssatzung einzugreifen. Aktuell seien acht Automatenläden im Zentrum genehmigt und einer im Süden. Die ersten beiden wurden 2023 beantragt. Es gingen „immer wieder vereinzelte Beschwerden wegen Lärmbelästigung und herumliegendem Müll im Umfeld von Automatenläden ein“, so Butz. Ob eine – rechtlich mögliche – Beschränkung der Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen sinnvoll sei, prüfe die Stadt derzeit.
Sucht-Expertin sieht 24-Stunden-Kioske kritisch
Marion Santl, Referatsleiterin Suchthilfe und Sozialpsychiatrie bei der Caritas, sieht die Automatenkioske „sehr, sehr kritisch“. „Wir wissen ganz klar: Eine erhöhte Verfügbarkeit steigert das Risiko für riskanten Konsum.“ Das sei hier gegeben, weil es 24 Stunden am Tag etwa Alkohol und HHC-ähnliche Produkte mit psychoaktiven Eigenschaften gebe. Auch wenn es eine Altersprüfung gebe, sei „das Risiko viel größer, dass hier ein Missbrauch stattfindet“.
Die Befürchtung, dass hier Drogen konsumiert werden könnten, teilen die Caritas-Experten nicht – weil die Läden in der Regel überwacht sind. Streetworker Ben Peter sagt: „Ich würde davon ausgehen, dass Drogenabhängige direkt vor einer Kamera nicht konsumieren.“ Der künftige Betreiber des Automatenladens in der Hemauerstraße reagierte nicht auf eine Anfrage der MZ.