Regensburger Antifa demonstriert gegen Antisemitismus – und kritisiert andere Linke

Von Philip Hell · 7. Oktober 2025 um 14:57

Es gibt kaum ein Thema, das derzeit derart spaltet wie der Konflikt zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas. Wie groß die Differenzen gerade in der politischen Linken sind, wurde am Montag auf dem Regensburger Schwanenplatz sichtbar.

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Dort demonstrierten am Abend in etwa 50 Menschen „gegen jeden Antisemitismus“, wie es im Aufruf zur Kundgebung hieß. Aufgerufen hatte „ein Bündnis von Linken und Antifaschisten“ anlässlich des Jahrestags des Überfalls auf Israel. Die Hamas sei eine „antisemitische Terrorbande“, heißt es in dem Aufruf. Dabei sei die Kritik am Antisemitismus ein zentrales Element für die politische Linke. Antisemitismus finde sich auch „in sich selbst für progressiv haltenden linken Kreisen“. In einer komplexen Welt voller Widersprüche seien Schuldzuweisungen natürlich verführerisch. Ein derartiges Schwarz-Weiß-Denken sei allerdings antisemitisch grundiert, schreiben die Veranstalter aus dem linksextremen Spektrum. Bei der Veranstaltung waren mehrere Fahnen der Antifaschistischen Aktion (Antifa) zu sehen. Die Polizei zeigte im Rahmen der Kundgebung verstärkt Präsenz.

Regensburger Demonstranten fordern Solidarität mit Jüdinnen und Juden

Dabei müsse man Widersprüche aushalten, heißt es in dem Aufruf weiter. Was wiederum heiße, Israel nicht zu verklären, betonen die Veranstalter. Das bedeute auch, sich gegen die rechte Regierung zu stellen, ebenso wie gegen die Kriegsverbrechen in Gaza.

Den Demonstrierenden gehe es vor allem um Solidarität. Mit den Opfern des 7. Oktober, mit den Geiseln der Hamas, mit der palästinensischen Zivilgesellschaft, die seit Jahren unter dem Regime der Hamas leidet, aber auch mit Jüdinnen und Juden in Deutschland.

„Viele machen bereitwillig mit“: Antifa-Sprecher kritisiert andere Linke

Im Rahmen der Kundgebung gab es mehrere Redebeiträge, die zum Teil vom Band abgespielt wurden. Darunter auch ein linker Israeli. Zudem sprachen Vertreterinnen und Vertreter vom feministischen Kollektiv Eben.Widerspruch, der anarchistischen Gruppe Regensburg, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten und von Anita F., der wohl bekanntesten antisfaschistischen Gruppe in Regensburg. Sie alle schlossen sich dem Aufruf der Veranstalter an und gedachten der Opfer des 7. Oktober.

In den zum Teil anonymen Redebeiträgen wurde allerdings immer wieder deutlich, wie tief die Gräben in der linken Szene sind, wenn es um den Konflikt im Nahen Osten geht. Der Sprecher von Anita F. sagte etwa, dass die Terror-Organisation ihr Handeln als gerechtfertigten Widerstand glorifiziere. Bestimmte gesellschaftliche Diskurse würden instrumentalisiert und zur Sache Palästinas gemacht. Wie beispielsweise Antikolonialismus und LGBTIQ. „Viele machen da bereitwillig mit.“ Damit verkomme ein komplexer Konflikt zu einer Schablone von Gut gegen Böse. „Dabei ist die Hamas verantwortlich für die katastrophale Versorgungslage der Menschen im Gazastreifen und für den erneuten Ausbruch des Konflikts mit Israel.“ Die Hamas habe schon mehrfach die Möglichkeit von Frieden zerstört. „Die Hamas opfert palästinensische Frauen, Kinder und alte Menschen für diesen Krieg.“ Je mehr Leid, desto mehr Propagandabilder gegen Israel habe man. Dennoch verfange gerade in linken Kreisen diese Inszenierung der Terror-Organisation. „Die Propaganda der Hamas wirkt.“

Genau diese Kritik formulierte fast wortgleich Ilse Danziger, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Regensburg, vor einigen Tagen im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung.

Linksextreme Gruppe spricht in Regensburg von einem Genozid in Israel

Bei der Kundgebung am Montagabend blieb Gegenprotest weitestgehend aus. Nur ein Passant machte lautstark auf sich aufmerksam. Auf sozialen Netzwerken wird allerdings deutlich, dass nicht jede linke Gruppe die Auffassung derjenigen teilt, die auf dem Schwanenplatz demonstrierten.

Antisemitismus im Regensburger Stadtbild: Hier stand „Death to the IDF“ – eine unverhohlene Drohung an die israelischen Streitkräfte. Jemand hat das Graffiti übermalt. - Foto: Philip Hell

Die linksextreme Gruppierung „Aufbruch Regensburg“, die unlängst mit einer Petition für ein Kulturzentrum im ehemaligen Kaufhof Schlagzeilen gemacht hat, berichtet auf Instagram beispielsweise von einer Demonstration auf dem Haidplatz am vergangenen Donnerstag. Wörtlich heißt es im Beitrag: „Es ist unsere Aufgabe, Druck auf die Regierung zu machen. Wir dürfen es nicht länger ignorieren, dass in Palästina ein Genozid passiert.“ Auf der Demonstration hat auch eine Vertreterin der Linkspartei gesprochen. Auf der Kundgebung am Montagabend auf dem Schwanenplatz trat die Partei allerdings nicht in Erscheinung, wenngleich es sich um eine antifaschistische Kundgebung gehandelt hat.

Linker OB-Kandidat für Regensburg: „Sind im konstruktiven Dialog“

Wie groß sind die Gräben in der linken Szene? Nachfrage bei Sebastian Wanner, Oberbürgermeisterkandidat der Linkspartei. Er habe sich die Demonstration am Montag zehn Minuten angehört, sagt er auf MZ-Anfrage. „Sie haben keine unehrenhaften Ziele“, betont Wanner. Eine klare Positionierung gegen Antisemitismus, die Hamas und die Forderung nach der Freilassung der Geiseln finde er gut. Eine Spaltung will Wanner in seiner Partei nicht erkennen. „Es wird viel diskutiert.“ Sicher polarisiere das Thema. „Aber auch nicht mehr oder weniger als in der Gesamtgesellschaft.“ Er nehme wahr, dass in Regensburg ein konstruktiver Dialog herrsche.