Nur mäßiges Schwammerljahr: Schwandorfs Pilz-Experte Sebastian Jäger zieht Bilanz

Von Nicole Krämer · 8. Oktober 2025 um 11:00

Die Schwammerl-Saison läuft längst auf Hochtouren, aber in Schwandorf werden Pilze nicht nur gesammelt, sondern auch heiß diskutiert. Seit 2023 treffen sich dazu interessierte Pilzfreunde regelmäßig zu einem Stammtisch, den der Schwandorfer Sebastian Jäger ins Leben gerufen hat. Seine Bilanz für dieses Jahr sieht bisher durchwachsen aus.

Sein Aufruf in einer Facebook-Gruppe brachte Gleichgesinnte zusammen; ein harter Kern von fünf Mitgliedern ist geblieben. Und auch wenn die Treffen zuletzt seltener stattfanden, gilt dennoch: Am letzten Samstag im Monat wird im Café Lawendls über die Schwammerl ebenso viel gefachsimpelt wie diskutiert.

Natur ist mehr als ein Hobby

Für Jäger ist der Pilzstammtisch mehr als eine Freizeitidee. Der Schwandorfer schwärmt im Gespräch mit der MZ von seinen beiden großen Leidenschaften: der Natur und dem Angeln. „Die Natur umgibt und bestimmt uns“, sagt er – und da wolle er natürlich mit gutem Beispiel vorangehen. Zudem will der 31-Jährige auch anderen Interessierten sein Wissen vermitteln, wann und wo sie am besten Pilze finden können.

Bei immer wieder stattfindenden Pilzführungen, die er in Zusammenarbeit mit der VHS Schwandorf veranstaltet, zeigt er Einsteigern deshalb, wie man behutsam im Wald unterwegs ist, wie sich Pilze von einem Merkmal zum nächsten bestimmen lassen und warum Respekt vor dem natürlichen Lebensraum so wichtig ist.

Einen entscheidenden Rat wiederholt Jäger immer wieder: „Man soll wirklich nur das mitnehmen, was man auch sicher kennt“, denn aus einer „Wird-schon-passen“-Vermutung könne schnell eine gefährliche Verwechslung werden. Anfänger sollten sich daher bei der Schwammerlbestimmung lieber an verlässliche Quellen halten – Jäger empfiehlt dafür etwa Facebook-Gruppen mit Fachmoderation, den YouTube-Kanal „Pilzwelten“ oder eben seine eigenen Führungen.

Weniger gut kommen bei dem 31-Jährigen dagegen Tendenzen der vergangenen Jahre an: sogenannte „Pilz-Influencer“, also Menschen, die dank großer Reichweite in den sozialen Medien als Experten auftreten, aber nach seiner Einschätzung oft nur Halbwissen verbreiten. „Die Kritikfähigkeit ist da oft gleich null, ebenso wie deren Ahnung von Pilzen“, sagt der Schwammerl-Experte und schüttelt den Kopf.

Lebensräume nicht zerstören

Doch wie läuft die Schwammerlsuche heuer bisher? „Eigentlich ist gerade Hauptsaison“, sagt Jäger, „aber bis jetzt ist es recht zäh – trotz des vielen Regens im Frühsommer.“ Und zudem gebe es von Jahr zu Jahr auch andere Vorkommen.

Der Schwammerl-Fachmann unterscheidet drei Grundarten von Pilzen: Symbiosepilze, die mit Bäumen zusammenleben, parasitäre Arten und die Zersetzer, die das ganze Jahr über wachsen. Wichtig ist es nach seiner Meinung auch deshalb, die Schwammerl genau zu kennen, weil es auch geschützte Arten gibt, die nicht aus ihrem Habitat entnommen werden dürfen. Viel wichtiger als der Schutz der sichtbaren Fruchtkörper sei es nämlich, die Lebensräume nicht zu zerstören.

Wer jetzt Lust bekommen hat, die Schwammerl nicht nur zu sammeln, sondern sich auch über sie auszutauschen, ist bei Jäger und seinem Pilzstammtisch gut aufgehoben. Kontaktieren kann man ihn dafür über Facebook unter seinem dortigen Namen Sebi Wie. Zwischen Kaffee und Schwammerl-Geschichten geht es dann nämlich nicht nur ums Bestimmen von Pilzen – sondern auch um die Faszination einer Welt, die viele erst auf den zweiten Blick entdecken.