Schwandorfs Schwammerlkönig Sebastian Jäger will Pilz-Stammtisch gründen

Wenn Sebastian Jäger in der Natur unterwegs ist, ist er immer auch auf Schwammerlsuche – und das ganzjährig. Seine Leidenschaft für Pfifferlinge, Champignons und Co will der 29-Jährige nun auch mit anderen teilen.
Er plant für Schwandorf einen Pilz-Stammtisch. Über Facebook hatte er jetzt einen Aufruf gestartet. Etwa zehn Interessenten hätten sich daraufhin gemeldet, erzählt Sebastian Jäger, der als Sozialpädagoge bei Kolping arbeitet.
Einmal im Monat sollen die Pilzfreunde zusammenkommen. Zuerst, so die Vorstellung des Schwandorfers, könnten die Teilnehmer auf eine ein- bis zweistündige Tour in die Pilze gehen und sich danach über ihre Funde austauschen. Im neuen Café „Kam In“ am Schwandorfer Marktplatz, das im Februar eröffnet wird, ist das erste Treffen vorgesehen. Einen konkreten Termin gebe es aber noch nicht, sagt der 29-Jährige.
Interessenten in Chatgruppe vernetzt
Alle Pilzfreunde, die sich bisher bei ihm gemeldet haben, hat er in einer eigenen Facebook-Chatgruppe vernetzt. Dort will er über den Termin des ersten Treffens informieren, sobald dieser feststehe. Gleichzeitig sollen sich die Pilzfreunde in der Chatgruppe auch zwischen den Stammtischen austauschen können. Kontaktieren kann man ihn über Facebook unter seinem dortigen Namen Sebi Wie.
Sebastian Jäger ist schon länger Moderator von überregionalen Facebook-Pilzgruppen. Hier gehe es vor allem um die Bestimmung von Pilzen, erklärt der 29-Jährige. Er sei dadurch auf die Idee eines Schwammerl-Stammtisches gekommen. Ein Bekannter aus München hatte einen solchen Treff in der bayerischen Landeshauptstadt organisiert und der Schwandorfer dachte sich, dass er dies auch in seiner Heimatstadt probieren könne. Vor einem Jahr hatte er einen ersten Versuch gewagt, doch damals kam ein Pilz-Stammtisch nicht zustande.
Erstes Pilzbuch mit fünf bekommen
Nun startete er einen zweiten Anlauf – und diesmal sieht es ganz danach aus, dass der Schwandorfer Pilztreff zustande kommt. Wissen kann Sebastian Jäger einiges vermitteln. Schon als kleiner Junge sammelt er gern Pilze. Als er fünf war, schenkten ihm seine Eltern das erste Pilzbuch, das er bald auswendig konnte. Vor etwa vier Jahren begann er damit, sich über Youtube-Kanäle ganz intensiv mit Pilzen zu beschäftigen. Drei- bis viermal in der Woche ist er auf Schwammerlsuche.
Das Pilzreich sei dabei so umfangreich, meint der junge Mann, dass es immer etwas Neues zu erfahren und zu entdecken gibt. Sei es nun über den Standort, an dem bestimmte Pilze sprießen, die Art, wie sie wachsen, welche verschiedenen Arten es bei einzelnen Pilzen gibt, bis hin zu den Heilkräften, die manche Schwammerl haben. Immer wieder gebe es auch die Frage, ob man einen Pilz herausdrehen oder abschneiden solle. Das sei eigentlich egal, erklärt Jäger. Wichtiger sei, dass das Loch anschließend wieder geschlossen wird. Über all diese Fragen soll sich auch beim Schwandorfer Pilz-Stammtisch ausgetauscht werden.
Jeder soll etwas von der Natur haben
Der 29-Jährige will den Anderen ebenso Tipps geben, wo und wie sie am besten Pilze finden können. Pilzsucher verraten eigentlich ungern ihre Gebiete, in denen sie fündig werden. Für Sebastian Jäger steht aber das Teilen im Vordergrund. Es solle jeder etwas von der Natur haben, findet er.
Das Suchen bereite ihm unglaublichen Spaß, so der Schwandorfer. Er sei der Natur schon immer näher gewesen als der Zivilisation, so ist er auch begeisterter Angler. Ein bestimmtes Gebiet werde für ihn nie langweilig, da er jedes Mal unterschiedliche Pilze entdecke. Und von Jahr zu Jahr gebe es auch andere Vorkommen – so seien es 2021 besonders viele Pfifferlinge gewesen, im Vorjahr wuchsen dagegen die Steinpilze sehr gut. Und manchmal findet er sogar neue Pilze – so entdeckte er erstmals in der Region einen Österreichischen Prachtbecherling.
Familie hat viel Verständnis für sein Hobby
Früher sei er morgens um acht Uhr in den Wald gegangen und erst nachmittags um vier wieder zu Hause gewesen. Mit Frau und Kind gehe das heute natürlich nicht mehr, da gebe es auch andere Verpflichtungen. Wobei seine Familie sehr viel Verständnis für sein Hobby habe und ihn dies auch ausleben lasse. Am Ende profitiert sie davon – wenn Sebastian Jäger wieder mit einem vollen Pilzkorb heimkommt.
Der 29-Jährige isst von seinen Funden keinen einzigen Pilz, wie er gesteht. Er trockne die Schwammerl lieber oder mache Tee aus ihnen.
Gesammelt werden von ihm alle Pilze, denn die ungenießbaren oder giftigen seien für ihn genauso interessant.
Seine Kenntnisse will er künftig auch als Pilzsachverständiger weitergeben. Dafür muss er aber noch die entsprechende Prüfung ablegen. Das ist nach dem Schwammerl-Stammtisch das nächste Vorhaben des 29-Jährigen.