Rückenwind: So wirbt Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger um ihre Wiederwahl

Von Christian Eckl · 2. Oktober 2025 um 19:00

Landrätin Tanja Schweiger wurde jetzt mit 100 Prozent der Stimmen ihrer als Kandidatin für die Wahl im März gewählt. Doch was treibt die Politikerin um, die seit zwei Wahlperioden eine Behörde mit 800 Mitarbeitern leitet und den Landkreis regiert? Ein Gespräch.

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Essen gehen ist im Moment gar nicht so leicht mit ihr. Tanja Schweiger ist diszipliniert. Sie hat seit Beginn des Jahres ihre Ernährung umgestellt. „Das tut mir gut“, sagt sie. Und bestellt einen Fisch. Dann kommt sie schnell zur Sache, denn: Nutzloses Geplänkel ist ihre Sache nicht. Die Disziplin hat sie weit gebracht: Von den Englischen Fräulein zur Bankkauffrau bei der Deutschen Bank, von der Uni Regensburg und dem BWL-Studium in den Landtag. Statt es sich in München im Maximilianeum gemütlich zu machen, setzte sie alles auf eine Karte – und hievte die verdatterte, fast 30 Jahre am Stück im Landkreis regierende CSU aus dem Landratsamt.

Jetzt will sie es also nochmal wissen. Allen Unkenrufen zum Trotz, die Schweigers zahlreiche Auftritte im Fernsehen und damit im politischen Berlin argwöhnisch beäugen: Schweiger will eine dritte Amtszeit. Und hat Rückenwind. Ihre Freien Wähler stellten sie am Montagabend auf – ohne eine Gegenstimme. In der Dorfschänke in Mintraching setzten die Freien Wähler ein Zeichen: Ihre Landrätin soll weiter regieren.

Schweiger beschreibt ihren Führungsstil so: „Ich versuche bei jedem Thema, das ich bekomme, immer zu hinterfragen: Warum kommt das jetzt zu mir? Ist da was schiefgelaufen? Warum will der Bürger das?“ Diese Haltung – die Dinge zu durchdenken, Feedback ernst zu nehmen und Prozesse zu hinterfragen – habe die Verwaltung verändert. Heute sagt sie: „Wir sind für 200 000 Menschen da. Wir sind da, um zu helfen und dem Bürger zu zeigen, an wen er sich wenden kann im Haus.“ Sie sagt auch: „Ich komme aus einem Dienstleistungsbetrieb. Und für mich ist klar, dass jede Behörde ein Dienstleistungsbetrieb ist.“

Sie will Moderatorin sein

Dienstleisterin für die Bürger, aber auch Moderatorin – Schweiger sieht sich in vielen Rollen. Sie bringe Menschen zusammen, intern wie extern. „Ich rede viel mit den Leuten – im Haus, aber auch draußen“, erzählt sie. Wenn es hilft, vernetzt sie Akteure direkt miteinander: „Ich sag dann: Mensch, ruf doch du den mal an.“ Oft entstünden daraus „ganz gute Synergieeffekte“. Das Ziel sei immer das Gleiche: „Wir müssen als Region zusammenarbeiten – im Gesundheitswesen genauso wie in der Verwaltung.“ Dass sie dabei nicht die klassische Amtsleiterin ist, weiß sie. „Manche haben gesagt: Das Amt und Sie – zwei Welten treffen aufeinander“, erinnert sich Schweiger. Doch gerade ihr untypischer Zugang habe geholfen, Dinge zu verändern. Beispiel Bauabteilung: Die gelte heute als Vorzeigeeinheit. „Die wird immer wieder sehr gelobt – von Investoren genauso wie von Bürgern.“

„Ich bin ehrgeizig, aber ich bin auch herzlich.“

Tanja Schweiger, Landrätin, kandidiert erneut für den Landkreis Regensburg

Ob sie eine gute Chefin sei? „Das müssen die Mitarbeiter beurteilen“, sagt Schweiger – und lächelt. Auf Nachfrage fügt sie hinzu: „Ich bin ehrgeizig, aber ich bin auch herzlich.“ Sie wolle Leistung fordern, aber immer mit Menschlichkeit verbinden. „Wenn jemand Schicksalsschläge hat, muss man da sein. Als Arbeitgeber muss man das auffangen.“

Eine politische Niederlage für sie war sicherlich die Debatte um die Gelbe Tonne. Die CSU hatte sie in die Enge getrieben. Historische Argumente, wieso es in der Stadt das Hol-, aber im Landkreis das Bringsystem gibt, interessierten plötzlich nicht mehr. Jetzt kommt die Gelbe Tonne – doch später als gedacht. Hat sie die politische Debatte falsch eingeschätzt? „Alles ist so eingetreten, wie ich es vorhergesehen habe“, sagt Schweiger selbstbewusst. Sie hätte es anders gemacht – beispielsweise mit modernen Online-Tools wirklich eine breite Bürgerbefragung durchgeführt.

Apropos politischer Gegner: Schweiger wird mit Patrick Grossmann einen Gegenkandidaten aus dem Landtag bezwingen müssen. Weder über den CSU-Mann, noch über die anderen Kandidaten wollte die Amtsinhaberin etwas sagen: „Ich will über meine Politik reden“, sagt sie. Als das Institut Prognos schlechte Zahlen für den Landkreis veröffentlichte, warf man ihr Misserfolg bei der Wirtschaftspolitik vor. „Als wir bei dem Ranking wieder steil aufgestiegen sind, hat davon keiner mehr gesprochen.“ Dabei sei sie stolz, etwa, wenn BMW erstmals auch im Landkreis einen Standort eröffnet – in Neutraubling – „und uns von BMW gesagt wird, dass wir im Landratsamt hervorragend arbeiten“. Das mache sie stolz – auch für die Mitarbeiter.

Ihre Gegner werfen ihr Dünnhäutigkeit vor. Stimmt das? „Jeder der 41 Bürgermeister hat meine Handynummer“, sagt die Landrätin. „Die allermeisten nutzen sie auch“ – es gebe nur wenige Ausnahmen. Sie nehme zur Kenntnis, dass einige wenige dann auf Social Media etwas posten, „obwohl ich ihnen geschrieben habe“. Das sei auch eine Frage des Stils, den sie für sich immer wahren wolle.

„Offen und ehrlich reden“

Herausfordernd war in den vergangenen Jahren für sie und ihre Mitarbeiter die Asylfrage. Für sie gelten „die Regeln der Marktwirtschaft“. Arbeit sei der Schlüssel für eine gelingende Integration – und das zu ermöglichen, daran würde sie mit ihren Mitarbeitern arbeiten. „Staatliche Leistungen kann nur beziehen, wer schon einmal etwas beigetragen hat – oder wer es einfach nicht kann, weil er schwer krank ist“, ist ihre Meinung. Wer könne, müsse auch etwas leisten. „Sonst fühlen sich die Fleißigen irgendwann nicht mehr gesehen.“ Aber auch bei der Frage, ob es Missbrauchsfälle gibt wie jene, die derzeit durch die überregionalen Medien geistern, bleibt sie nüchtern: „Ich schaue da sehr genau hin, aber solche Fälle kenne ich bei uns nicht.“ Auch das sei ihr wichtig: Offen und ehrlich bei den Bürgern die Fakten anzusprechen.

Dass sie immer wieder bei TV-Sendungen im politischen Berlin geladen wird, habe aus ihrer Sicht etwas mit dieser Klarheit zu tun. Aber nach München oder gar Berlin zieht sie nichts. „Dafür mache ich die Arbeit als Landrätin viel zu gern – als Generalistin, statt wie in einem Ministerium auf ein Thema festgelegt zu sein.“

Die Freien Wähler hat sie bereits überzeugt. Für die Wahl im März will sie auch die Bürger überzeugen, politisch auf das bewährte Zugpferd zu setzen.