„Weil es sonst keiner macht“: Klinikum Neumarkt eröffnet Büro für Gesundheits-Fragen

Manchmal geht es ganz schnell: Der Vater droht ein Pflegefall zu werden, die Mutter baut plötzlich ab oder beide Elternteile kommen in ihrem zu groß gewordenen Haus nicht mehr so richtig zurecht. Angehörige sind in solchen Fällen meistens erstmal eines: hilflos. Oft scheitern sie schon an der Frage, an wen sie sich jetzt wenden können. Am Klinikum gibt es für sie ab Ende Oktober eine neue Anlaufstelle.
Denn dann wird mit dem „Neulife“ ein Büro eröffnet, das bei all diesen und vielen weiteren Fragen weiterhilft. Sozialpädagogin Senta Fischer leitet den „Quartierstreff Neulife“, wie er offiziell heißt – ihre Funktion ist es vor allem, Hilfesuchende an die entsprechenden Stellen und Experten weiterzuvermitteln, Kontakte herzustellen – dafür arbeitet sie eng mit lokalen Institutionen zusammen. Das Besondere am Neulife: „Wir sind leicht erreichbar, das ist ein sehr niedrigschwelliges Angebot“, sagt René Sossau, Pflegedirektor am Klinikum.
Erste Anlaufstelle für Menschen in fast allen Lebenslagen
Konkret können sich Menschen mit Pflegebedarf oder drohendem Pflegebedarf an sie wenden, wie Fischer sagt, aber auch Menschen, die zum Beispiel im Klinikum behandelt wurden, aber mit einer Krankheit leben müssen, die vielleicht gar nicht so einfach zu handhaben ist und die deswegen Hilfe bei der Nachsorge brauchen.
Auch für ehrenamtlich Engagierte und ältere Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderung oder an Demenz erkrankte Menschen ist Fischer erste Anlaufstelle. Außerdem betrachtet sich der Quartierstreff als Schnittstelle zwischen Selbsthilfegruppen und Patienten sowie deren Angehörigen.
Prävention gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Quartierstreffs – zum Beispiel in Form von Veranstaltungen oder Vorträgen zu Themen, die dazu beitragen, dass Menschen länger ein selbstbestimmtes Leben zu Hause führen können. Denn das ist der eigentliche Kern, um den es geht: Menschen sollen professionelle Hilfe und Versorgung möglichst spät in Anspruch nehmen müssen, sagt Sossau. Zum einen seien sowohl Geld als auch Personal knapp, zum anderen sei es auch der Wunsch der meisten Menschen, möglichst lange zu Hause wohnen zu können.
Doch wenn es vor allem darum geht, zu informieren und zu helfen, dass Menschen länger zu Hause leben können, warum übernimmt diese Aufgabe dann ausgerechnet das Klinikum, das doch eigentlich primär stationär Kranke pflegt?
Die Antwort ist simpel: „Weil es sonst keiner macht“, sagt Sossau. „Wir sehen das als gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Sinne der Gesundheit.“ Und natürlich hat es dann doch etwas mit dem Klinkum zu tun: „Wir denken an die Zukunft“, sagt Sossau. Und meint damit vor allem die Frage: Wie und wo kann die Menge an alten Menschen künftig versorgt werden?
Drittes Büro in Parsberg geplant
In diesem Sinn plant das Klinikum bereits die Eröffnung eines dritten Quartierstreffs als Anlaufstelle: In Parsberg soll spätestens mit der Eröffnung des Hauses der Gesundheit, die für Juni 2026 geplant ist, auch ein Quartiersbüro eingerichtet werden. Gefördert werden alle Büros laut Sossau über das Programm „Gute Pflege in Bayern“ des bayerischen Landesamts für Pflege. Für den Quartierstreff in Neumarkt erhält das Klinikum über insgesamt drei Jahre eine sechsstellige Fördersumme.
Der Quartierstreff Neulife
• Büro: Das Quartiersbüro „Neulife“ befindet sich im Donauer-Stiftungsgebäude, das direkt ans Neumarkt Klinikum angrenzt. Aktuell wird das Büro noch eingerichtet, am 31. Oktober öffnet es. Dabei findet ab 14 Uhr ein Tag der offenen Tür mit Aktionen statt.
• Termine: Die Öffnungszeiten sind am Dienstag von 9 bis 13 Uhr und am Donnerstag von 11 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung. Termine können bereits jetzt vereinbart werden. Weitere Infos unter neulife@klinikum.neumarkt.de oder Telefonisch (0 91 81) 4 20-62 50.
• Quartiersmanagerin: Senta Fischer leitet das neue Büro – die 51-Jährige ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und lebt in Feucht. Die Sozialpädagogin arbeitete zuvor viel in Kindertagesstätten, am Klinikum fängt sie neu an. Die Stelle ist für sie ein Traumjob – sie habe eine neue berufliche Herausforderung und genau diese Kombination aus Beratung, Organisation und Netzwerkarbeit gesucht. Gestützt fühlt sie sich schon jetzt von einem „starken Team“.
• Weitere Standorte: Der Quartierstreff in Neumarkt ist der zweite im Landkreis – im Januar 2024 wurde das „Freylife“ in Freystadt eröffnet. Hier wurden bereits zahlreiche Veranstaltungen und Angebote ins Leben gerufen – zum Beispiel Sitz-Yoga, eine Männergruppe, Tanztee, Ausflüge, aber auch Vorträge zu Themen aus der Medizin oder der Welt der Senioren. Ein weiteres Quartiersbüro soll nächstes Jahr in Parsberg eröffnet werden.