40 Jahre Italien-Flair in der Cafébar – die nächste Regensburger Kult-Gastro feiert Geburtstag

Von Rainer Wendl · 2. Oktober 2025 um 09:00

Eine kleine Bar, wie es sie in italienischen Städten in jeder Straße gibt – so etwas wollte Gabi Semmler in Regensburg auch haben. Vor 40 Jahren setzte sie dieses Vorhaben in der Gesandtenstraße um.

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Zwei Wochen nach dem Palletti feiert eine weitere Regensburger Gastro-Institution 40. Geburtstag: die Cafébar in der Gesandtenstraße. Ist es Zufall, dass diese beiden Ikonen der italienischen Bar-Kultur in der „nördlichsten Stadt Italiens“ nahezu gleichzeitig das Licht der Welt erblickten? Natürlich nicht.

„Wir gehören weiträumig zusammen“, erklärt Gabi Semmler, Geschäftsführerin seit der ersten Stunde. „Hawe Stadler, mein Ex-Mann und Immer-noch-Geschäftspartner, hat damals das Palletti und die Cafébar eröffnet, die beiden Läden wurden quasi um die Wette gebaut.“ Eher fertig wurde die Cafébar, beim Feiern ließ man aber dem Palletti den Vortritt. Deshalb findet das Geburtstagsfest in der Gesandtenstraße erst am morgigen Freitag ab 13 Uhr statt, die Chefin selbst bereitet dafür 300 Canapés vor.

Einst eine Metzgerei

Wenn Gabi Semmler an das Regensburg von vor 40 Jahren zurückdenkt, kommt sie zu dem Schluss „Wir waren Pioniere“. Natürlich wurde in der Stadt seinerzeit schon Kaffee getrunken, aber nur in großen Salons Wienerischer Art wie dem Goldenen Kreuz, dem Prinzess oder den Häusern Rösch und Deutzer. „Kleine Bars, wie man sie in Italien in jeder Straße findet, gab es nicht. Die haben mich schon als Kind fasziniert, wenn ich mit meinen Eltern im Urlaub war. So etwas wollte ich in Regensburg auch haben“, erzählt Semmler.

Lange vor den Baristas wirkte hier der Charkutier. - Foto: MZ-Archiv

Den Ort für die Umsetzung dieses Traums fand sie als junge Frau in der Gesandtenstraße. Ganz früher war hier eine Metzgerei zu Hause, die vornehme Aufschrift auf dem Haus lautete „Johann Schreiner, Charkutier“. Die historischen Fotos dieses Betriebs stammen aus einer Epoche, in der die Regensburger noch an jeder Ecke der Altstadt Fleisch und Wurst kaufen und fast nirgendwo Kaffee trinken konnten – heute ist es genau umgekehrt, aber das nur am Rande.

Das war eine fürchterliche Bruchbude. Das Einzigartige dieses Raums lag drunter – und wie schön!“

Gabi Semmler, Cafébar-Betreiberin

Der Glanz der „Charcuterie“ war jedenfalls längst dahin, als Gabi Semmler den 20 Quadratmeter großen Raum anmietete. „Das war eine fürchterliche Bruchbude“, erinnert sie sich. Der Laden diente nämlich zwischenzeitlich als Möbellager, oben und unten mit Filz verkleidet und mit Raufasertapeten an den Seiten. Von den charakteristischen Boden- und Wandfliesen und vor allem von der handbemalten Jugendstil-Decke aus der Zeit vor der vorletzten Jahrhundertwende wusste niemand mehr etwas. Diese Schätze kamen erst nach und nach wieder zum Vorschein. „Das Einzigartige dieses Raums lag drunter – und wie schön!“, freut sich die Wirtin 40 Jahre später noch.

Die Fliesen aus der Wurst-Ära gibt es auch heute noch. - Foto: MZ-Archiv

Der Rest ist Geschichte. Die Cafébar wurde im Nu ein fester Anlaufpunkt für ein bunt gemischtes Publikum, auch wenn die Gesandtenstraße damals null Aufenthaltsqualität hatte. Wie sich heute kaum jemand mehr vorstellen kann, zwängten sich hier bis Ende der 80er Jahre ganz selbstverständlich und legal Kolonnen von Autos durch, unterbrochen nur von Gelenkbussen und Lastern.

Corona machte Quantensprung möglich

An der Cafébar führte ein weniger als ein Meter breiter Bürgersteig vorbei, für einen winzigen Freisitz unter den Arkadenfenstern reichte es trotzdem. Diese Plätze gibt es immer noch – einen Quantensprung in Sachen Außengastronomie machte der Betrieb aber erst mit den Tischen und Stühlen entlang der Dreieinigkeitskirche, die während Corona erlaubt wurden und anschließend bleiben durften. „Die Pfarrer hätten uns schon immer hingelassen. Doch dafür musste erst eine Seuche kommen“, kommentiert Gabi Semmler den langen Weg zur Genehmigung.

Ansonsten blickt die Mutter einer Tochter stolz auf die letzten 40 Jahre zurück: „Die Cafébar ist wie ein zweites Kind für mich, aus dem Nichts hat sich da was ganz Tolles entwickelt.“ Aktuell fotografieren lassen will sie sich nicht mehr, lieber verweist sie auf den reichen Fundus an Archivbildern. Darunter ist eines von Uwe Moosburger, bei dem sich in der Abenddämmerung der charakteristische blaue Schriftzug des Lokals an den beleuchteten Kirchturm zu lehnen scheint. Für Gabi Semmler ist dies ein Symbol für die stete Anziehungskraft der Cafébar und „ein unglaublicher Anblick“.

Gabi Semmler liebt dieses Bild der blauen Stunde. - Foto: www.altrofoto.de