Neue Freisitz-Regel: Regensburg schafft die Winterpause in der Außengastronomie ab

Von Juliana Ried · 20. Oktober 2023 um 19:00

Die Corona-Ausnahme für die Außengastronomie in Regensburg soll zur Regel werden, das verkündete jetzt die Oberbürgermeisterin. Die Gastronomen müssen nur Platz machen fürs Schneeräumen.

Die Regensburger dürfen künftig auch im Winter ihren Kaffee oder Spritz draußen trinken. Wie Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) am Donnerstag im Verwaltungsausschuss des Stadtrats bekanntgab, will die Stadt die Winterpause in der Regensburger Außengastronomie streichen.

Die OB beantwortete mit dieser Nachricht eine Anfrage von Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs. Dieser hatte vor ein paar Monaten nachgefragt, ob es möglich wäre, die Freisitze auch im Dezember und Januar zu erlauben, wenn die Gastronomen dafür sorgten, dass es zu keinen Konflikten mit den Schneeräumfahrzeugen komme. „Wenn die die Freisitze morgens raus- und abends reintun, dann ist das kein Problem.“ Der Bedarf sei da: Die Leute setzten sich heute bei den ersten Sonnenstrahlen raus. Bisher allerdings steht in den „Richtlinien für die Erteilung von Sondernutzungserlaubnissen zur Außenbewirtschaftung von Gaststätten in der Altstadt“: „Als Freisitzsaison gelten die Monate vom 1. Februar und bis zum 30. November jeden Jahres.“ Dazwischen war Außengastronomie nicht erlaubt.

Stadt betrachtete die Corona-Zeit als Pilotphase

Die OB gab jetzt bekannt, die Stadt habe jetzt ihre Prüfung abgeschlossen. Sie habe dabei die Corona-Zeit, in der die Freisitze im gesamten Winter geduldet wurden, als „Pilotjahre“ betrachtet und nachgefragt, ob es da Konflikte gegeben habe. „Es ist rausgekommen, dass es kaum oder unerhebliche Konflikte gegeben hat. Eigentlich gar keine. Insofern ist der Vorschlag der Verwaltung jetzt, generell die Freisitzsaison ganzjährig festzusetzen.“ Da sie aber bis Januar brauche, um die neue Regelung einzuführen, dulde sie im Dezember die Freisitze.

Eine Einschränkung soll es geben: Für Marktereignisse wie die Weihnachtsmärkte müssen die Freisitze zurückgebaut werden. Außerdem seien die Holzpaletten-Aufbauten auf den Parkplätzen, die sogenannten Parklets, „ein bisschen ein Thema“. „Da hat’s vereinzelt Probleme gegeben mit Ratten und anderem Getier, das sich da drunter angesiedelt hat.“ Deshalb müsse die Stadt regeln, dass das regelmäßig kontrolliert werden müsse und gegebenenfalls Schädlingsbekämpfer anrücken.

Wirt: „Die Leute wollen raus“

Die Winter-Ausnahmeregelung nutzten in den Corona-Jahren viele Gastronomen. Das tat auch Andreas Espig, der in Stadtamhof die Trattoria Marina und die Pizzeria Ciao betreibt. Jetzt freut er sich über die Lockerung. „Das ist auf jeden Fall eine feine Sache.“ Für sein „Sommerlokal“ mit großer Terrasse seien die wenigen Sonnentage im Winter wichtig. Für die Regensburger bedeute es Lebensqualität, dann draußen sitzen zu dürfen. Die bisherige Regelung nennt Espig veraltet. „Das Wetter ändert sich. Es liegt kaum noch Schnee.“ Wenn es am Freisitz weiß sei, müsse er da ohnehin selbst räumen. Sobald die Sonne scheine, belebten sich die Freisitze. „Man merkt: Die Leute wollen raus.“ Dass der Winterbetrieb funktioniert, habe sich während der Corona-Pandemie gezeigt und auch jetzt sei „Corona nicht vergessen“. Zudem sei es ein „Riesen-Aufwand und ein Kostenfaktor“, jedes Jahr mehrere Dutzend Tische in einen Lastwagen zu packen und einzulagern.

Auch das Café Lila an der Ecke Haidplatz/Rote-Hahnen-Gasse gehört zu den Lokalen, die die neue Regelung nutzen wollen. „Das ist eine schöne Gelegenheit, den Gästen das volle Spektrum zu bieten“, sagt Betriebsleiter Felix Neumann. Der Freisitz soll im Winter bleiben. Er soll allerdings kleiner werden als im Sommer, weil in der kalten Zeit der Zulauf auch nicht so groß sei. Decken, Polster und Glühwein sollen die Gäste wärmen. Heizpilze sind ohnehin verboten – und das bleiben sie auch.