Die 100 Jahre alte Jahnhalle bekommt eine Bühne, die ein Schmuckstück wird

Von Mittelbayerische Zeitung · 2. Oktober 2025 um 05:30

Bühne auswechseln, eine Kleinigkeit? Dem ist nicht so, wie der laufende Neubau der Spielbühne in der Jahnhalle zeigt. Am Dienstag konnten sich zahlreiche Mitglieder des hoch engagierten Fördervereins davon überzeugen, dass Stadt und Verein mit Unterstützung von Architekt Hans Haslsteiner auf dem besten Weg sind, die umfangreiche Innenrenovierung der traditionsreichen Halle bis Ende Oktober weitgehend abzuschließen.

Staunend sahen die Mitglieder des Fördervereins Jahnhalle bei ihrer Jahresversammlung, dass die Erneuerung der Bühne bereits gute Fortschritte gemacht hat. Unter den teilweise schon wurmstichigen Brettern, die seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Hunderte von Veranstaltungen „trugen“, wurde zunächst die alte Ölheizung samt Tankausbau entfernt, weil längst für die Beheizung der Jahnhalle eine Gastherme zur Verfügung steht.

Die alten Balkenlager wurden ebenso wie die Bretter entfernt, neue Leimbinder werden nach Aussage von Architekt Hans Haslsteiner eingezogen, nachdem das alte Mauerwerk stabilisiert wurde. Als Bühnenboden werden MDF-Platten (verleimte Holzfaser) eingebaut, wobei auch einzelne beschädigte Platten jederzeit ausgetauscht werden könnten, erläuterte der Architekt diese zeitgemäße Bauform.

Rund 40 Zentimeter tiefer als bisher wird die Jahnhallen-Bühne werden. Dafür fallen die seitlichen „Anhängsel“ weg. Es wird keinen direkten Zugang vom Saal auf die Bühne geben, die mit hinterlegter Vierkant-Staboptik aufgebaut wird. Der Zugang auf die „Bretter“ erfolgt künftig über eine kleine Treppe, die hinter der rechts von der Bühne eingebauten Tür erreichbar ist. Zur optischen Erkennbarkeit der Bühnenkante werden LED-Beleuchtungen eingebaut. „Bis Ende Oktober sollen die Handwerker fertig sein“, erklärte Haslsteiner zum Zeitplan, den die Stadt vorgegeben hat.

Sicherheit verbessert

Als Vorsitzender des Fördervereins Jahnhalle freute sich Stadtrat Wolfgang Kerscher, dass der Verein über eine unveränderte Mitgliederzahl verfügt und die Mitglieder stets volles Engagement zeigen, wenn sie zu Arbeitseinsätzen gerufen werden. Die waren wegen größerer Baumaßnahmen in den vergangenen Jahren immer wieder erforderlich. Durch den Pausenverkauf bei Veranstaltungen sei auch die Vereinskasse immer wieder gefüllt worden. An Veranstaltungen nannte Kerscher die Bürgerversammlung, die „Heilige Nacht“ mit Kammerchor und Kammermusikkreis, ein Operettenkonzert, die Sportlerehrung, mehrere Konzerte und schließlich das Pfingstrittehr-Revival mit 90 Mitwirkenden. Seit Juni seien Baustellenbesprechungen und Einsätze angefallen, weil mit dem Bühnenneubau auch umfangreiche Elektroarbeiten anfielen. Die Stadt habe dafür und für Brandschutz viel Geld investiert. Unter anderem seien auch die Bühnenbeleuchtung erneuert und ein Lichtpult installiert worden, berichtete Kerscher. Nach Plänen von Hans Haslsteiner habe die Schreinerei Lorenz den Regieraum neu gestaltet.

Im Zuge der Bühnenerneuerung werde schließlich auch der Parkettboden abgeschliffen und neu versiegelt. Der Förderverein wird sich nach den Worten von Kerscher auch an der Beleuchtung finanziell beteiligen. Nach Abschluss des Bühnenneubaus will der Förderverein mit Unterstützung von Sponsoren – Spenden werden immer gerne angenommen und sinnvoll eingesetzt, versicherte der Vorsitzende – einen Ersatz für den im Frühjahr wegen Krankheit gefällten Ahorns im früheren Biergarten beschaffen. Der Verein für Gartenbau und Landespflege werde sich mit 2000 Euro an den Kosten beteiligen.

Wo jetzt noch Schaltafeln eine Begehung ermöglichen soll bis Ende Oktober die neue Bühne fertiggestellt werden.

Dank sagte er dem OGV-Vorsitzenden Georg Hainzinger und Stadtrat Dr. Thomas Klyscz, der auch eine Baumpatenschaft übernommen habe. Außerdem solle der Bereich zum Regen hin nach Entfernung des kaputten Zaunes und des Wildwuchses durch eine Hainbuchenhecke (ähnlich wie bei der Hammermühle) ersetzt werden. Ein Angebot über 2500 Euro von der Firma Georg Marchl soll angenommen werden, beschloss die Versammlung. Geprüft werde in diesem Zusammenhang von einem Fachmann auch, ob eventuell der zweite Ahorn im ehemaligen Biergarten ersetzt werden muss.

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Schatzmeister Uli Treitinger gab schließlich einen detaillierten Kassenbericht für das Jahr 2024. Neben den Mitgliedsbeiträgen von 4194 Euro seien 1442,08 Euro als Spenden eingegangen. Dazu kamen 241,14 Euro aus der Bewirtung und 22,53 Euro Zinseinnahmen. Die Ausgaben beliefen sich auf 160,07 Euro. „Wir sind im Berichtszeitraum das zweite Jahr schuldenfrei“, freute sich der Schatzmeister.

Dach wohl nicht sanieren

Die Prüfer bestätigten eine einwandfreie Kassenführung, die einstimmige Entlastung war damit nur Formsache. Bürgermeister Markus Hofmann freute sich über das anhaltende Engagement des Fördervereins und regte an, nach Fertigstellung der Bühne auch Arbeiten an der Fassade anzugehen. Das Dach brauche voraussichtlich keine Sanierung.

Dank sagte der Bürgermeister an dieser Stelle außerdem noch für die umfassende Unterstützung der städtischen Leistungen für die Jahnhallen-Sanierung.

Vor 100 Jahren wurde mit dem Bau begonnen

Bei allen Sanierungs-Arbeiten an der Jahnhalle in den vergangenen Jahrzehnten, geht ein Datum fast unter in diesem Jahr: Die Halle – heute von vielen geschätzt und auch gut genutzt – wurde am 5. März 1925 als Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Diese Aufnahme zeigt das Gauturnfest und gleichzeitige Turnhalleneröffnungsfeier im Juni 1926. - Foto: Arbeitskreis Heimatforschung

Dort, wo sich heute der Jahnplatz befindet, stand bis in den 1920er Jahren nichts, dafür wurde der Platz für vieles andere genutzt: Als Bleichanger, Exerzierplatz, als Ort der Kranzl-Übergabe an den Pfingstbräutigam, Holzlager und Fußballplatz. Heimatforscher Clemens Pongratz hat die Geschichte des Platzes und der Halle bereits im September 2023 in seinem koetzting.blogspot.com sehr genau aufgearbeitet. So habe der Turnverein 1925 zwar mit dem Bau begonnen, und es gab im Juni 1926 auch eine Eröffnungsfeier, „es musste aber offensichtlich anschließend massiv nachgebessert, abgeändert und wohl auch noch fertiggestellt werden“, schreibt Pongratz. Deshalb sei es im Juli 1928 zu einer „besonderen vertraglichen Vereinbarung gekommen“, bei dem zuerst der Besitz der Halle vollständig auf den Markt Kötzting übertragen und gleichzeitig der uneingeschränkte Nießbrauch – „in Anerkennung seiner zahlenmäßig festgelegten Leistungen für den Turnhallenbau“ – der Halle dem Turnverein zugesichert worden sei.

Dadurch konnte der Markt die Halle auch anderen Vereinen und Veranstaltern überlassen, verpflichtete sich jedoch, auf den Sportbetrieb weitgehend Rücksicht zu nehmen. Aus den vorhandenen Akten im Stadtarchiv gehe nicht genau hervor, was in der ersten Bauphase so schief gelaufen war, dass die Firma Franz Wanninger in Cham ein viele Seiten langes Angebot zum endgültigen Ausbau (mit einem nicht unerheblichen Anteil an Abbrucharbeiten im Inneren der teilweise fertiggestellten Sporthalle) habe nachreichen müssen, schreibt Pongratz.

Als Turnhalle sei sie nur noch genutzt worden, bis auf dem Schulberg neue und moderne Hallen gebaut worden seien. Als Veranstaltungsort, Raum für Ausstellungen aller Art, Theateraufführungen oder politische Veranstaltungen und Bälle wurde sie aber immer genutzt – bis im Zuge der Gebietsreform das Hotel zur Post mit einem modernen Saal entstand und plötzlich auch der Abriss der Jahnhalle diskutiert wurde. Ein Vorhaben, das vor allem durch das Engagement des Fördervereins längst vom Tisch ist, und die Halle auch im Alter von 100 Jahren noch immer ein beliebter Veranstaltungsort ist. kad/wf