Der Weg zur Sonnenenergie im Landkreis Cham ist noch immer steinig und langwierig

Gerade warten Gerd Ascherl und seine Mitkämpfer rund um die Energiewende auf das positive Votum des Stamsrieder Marktgemeinderats. Dieser hat seine Entscheidung für eine PV-Flächenfreianlage unweit von Hitzelsberg schon zweimal verschoben. Doch warten und Geduld haben, das haben die Genossen der BürgerEnergie Bayerwald gelernt, gehört dazu – der Weg zur Wende ist auch für Idealisten voller Hürden und extrem zeitaufwendig.
Am Standort Hitzelsberg, wo auf einem Hektar landwirtschaftlicher Fläche eine Photovoltaikanlage geplant ist, lässt sich für den Vorstand der BürgerEnergie durchdeklinieren, was für Hindernisse Investoren nehmen müssen, bevor die erste Kilowattstunde Strom ins Netz fließt.
Grünes Licht vom Landkreis
Dabei ist der ausgewählte Standort auf den ersten Blick prädestiniert für Sonnenenergie und bietet äußerlich betrachtet wenig Hürden. Der Hektar Land hat keine Beschattung, verläuft eben und ist praktisch kaum einsehbar von irgendwelchen Siedlungen. Sichtbar ist weit hinten der Rodinger Ortsteil Strahlfeld.
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Die Leitung für eine Einspeisung ins Netz des Bayernwerks läuft nebenan unter dem geschotterten Feldweg. Auch der eignet sich für den Antransport der Solarmodule und der Aufstellgerüste, denn nur wenige Meter davor endet eine bereits bestehende PV-Freiflächenanlage mit über vier Hektar eines Chamer Privatinvestors. Somit wären die räumlichen Gegebenheiten bereit, zumal die engagierten Bürger, die sich in der BürgerEnergie Bayerwald zusammengetan haben, um die Klimawende vor Ort umzusetzen, weitere Hürden gemeistert haben. „Jede Außenfläche im Landkreis ist im Landschaftsschutzgebiet“, beschreibt der 68-jährige Gerd Ascherl.
Aus diesem Schutzgebiet müsste die Fläche also rausgenommen werden. Bislang musste der Kreistag extra darüber entscheiden, heute sei das der Landrat selbst. Und der habe über die Untere Naturschutzbehörde hier bereits grünes Licht für den Bau gegeben. Wobei Ascherl hier auch auf eine gewisse Konkurrenzsituation hinweist, da die Landkreispolitik über die Regionalwerke auch Standorte für PV-Freiflächenanlagen suche. Selbst so kleine Genossenschaften wie die BürgerEnergie werde da nach seinen Erfahrungen als Konkurrenz aufgefasst.
Votum der Kommune fehlt noch
Er und Jürgen Schindlatz, der per Handy beim Ortsbesuch zugeschaltet ist, sehen den Weg, den die Regionalwerke gehen, eher skeptisch. Hier 200 Millionen Euro größtenteils als Schulden in die Hand nehmen zu wollen, um groß Windkraft und PV zu investieren, sei risikoreich. „Was ist, wenn wegen der vielen Anlagen, die die Regionalwerke verwirklichen wollen, erst einmal ganz abgeschaltet wird?“, fragen sie sich.
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Das könne nötige Kreditzahlungen lange verschieben und ins Wanken bringen. Unsicherheit gebe es auch durch die Ankündigungen von Bundesministerin Reiche, dass Einschränkungen beim EEG geplant seien werde. Auch Netzentgelte sollen neu geregelt werden. Gleichzeitig solle der Öko-Strom-Anteil von 60 auf 80 Prozent bis 2030 angehoben werden.
Das letzte Hindernis vor dem Bau der 1-Megawatt-Anlage ist nun das Marktratsvotum für das Projekt. Seit Oktober warte man darauf, dass hier eine Entscheidung falle, denn ohne die könne kein Auftrag vergeben werden – „da ist das Risiko zu hoch!“ Alles andere seit weitgehend abgeklärt. Die Sicherung des Einspeisepunkts, die das Bayernwerk zugesagt habe und die für sechs Monate gilt, habe man bereits verlängern müssen – „das geht aber nicht unendlich!“, so Ascherl. Der Marktrat Stamsried habe dazu gleich bei der ersten Vorstellung des Projekts ein erstes Plazet geben müssen, so Ascherl.
Das letzte Hindernis für Auftragsvergabe und Baustart sei nun das nochmalige Marktratsvotum für das Projekt, nachdem bei der Bauleitplanung die Stellungnahmen von „Trägern öffentlicher Belange“ wie Naturschutzverbände oder Versorger abgegeben worden seien.
Gemeinde profitiert
Dabei profitiere eine Gemeinde von PV-Anlagen, etwa über die Gewerbesteuer und einer Bonuszahlung von 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde Strom über die Förderjahre. Nachteil im Landkreis sei, so Schindlatz, dass im Netz noch nicht alles digital vernetzt sei: „Es gibt nur Prognosen, was da wo in den Leitungen an Strom fließt.“
Mit dem Bayernwerk haben die Macher der Genossenschaft geteilte Erfahrungen. Das Unternehmen sei als Monopolist „Herr über das Netz“, somit ein entscheidender Faktor. Laufe der Kontakt zu Einspeisepunkt und Leitungsinfo problemlos über das Bayernwerk in Schwandorf, gebe es für den geplanten Stromspeicher vor Ort, der ebenfalls mit dem Bayernwerk abgeklärt werden muss, extreme Schwierigkeiten.
„Da überhaupt einen zu erreichen, ist fast unmöglich“, sagt Ascherl. Das liege auch daran, dass aktuell mit solchen Speichern noch gutes Geld verdient werden könne, daher der Andrang für eine Genehmigung extrem sei und sich auf Gigawatthöhe belaufe. Die Bürger Energie wolle hier einen netzneutralen Speicher aufstellen – dabei bestimme das Bayernwerk den Zeitpunkt, wann und wann nicht eingespeist werden könne.
Königsweg: Direkt liefern
Der „Königsweg“ für die Genossenschaftler wäre es, das Bayernwerk außen vor zu lassen – den Strom direkt an einen Großverbraucher zu liefern, wie sie es in Bad Kötzting jetzt umsetzen. Für die Genossenschaft ist die Umsetzung der Anlage in Hitzelsberg als erstes größeres Projekt wichtig, um eigenes Kapital investieren zu können. Nach ersten Schätzungen fließen etwa 600 000 Euro in den Bau. Über die übliche Einspeisevergütung und den Stromverkauf um für die Bürger wird dann Rendite erwirtschaftet und auch die Zukunft der Genossenschaft gesichert. Denn nur wenn das Geld auch in Projekte umgesetzt wird, mache der Einsatz Sinn, sagt Ascherl.
Daher warte man aktuell ab, bis Hitzelsberg umgesetzt sei, um dann wieder neue Mitglieder aufnehmen zu können und das nächste Energie-Ziel in Angriff zu nehmen.
